Kopacz Mária: Lebegő valóság (Szentendre, 2011)

SCHWEBENDE WIRKLICHKEIT Wenn wir in die Malerwelt von Mária Kopacz eintreten wollen, lassen wir unsere alltágliche Denkweise und Wertordnung iieber vor der Tür, weil hier uns Rationalitát nicht viel hilft. Es lohnt sich nicht im Labyrinth von Fantasie, Visionen, Tráume, Márchen und Mythen, von individuellen und kollektiven Erinnerungsbildern des Unterbewusstseins irgendeine Orientierungshilfe zu suchen. Es lohnt sich eher, uns auf diese Welt auBerhalb von Raum und Zeit ein­zustellen, wo weder Perspektive noch Horizont, weder vorne noch hinten, weder untén, noeh oben existieren, wo sich aIles grundlos und ziellos in einer farbenfrohen Kavalkade drángt, schwebt, wirbelt. Die sich völlig befreite schöpferische Fantasie kennt weder Grenzen, noch Schranken, weder in ihrem Inhalt, noch in ihren Ausdrucksmitteln. So ist es nicht überraschend, dass nichts DA5 ist, was es zu sein scheint, wie wir es aus Gewohnheit auf den ersten Blick meinen, weil in dieser Bild- und Farbenwelt alles einen neuen Sinn, einen symbolischen Inhalt und Bericht trágt, aIles mit allém kompatibel ist. Dieses glückliche, farbige Urchaos wird von einer ereignislosen und ziellosen, stándigen Bewegung, von einer freien Strömung beherrscht. Die Gemálde sind von solchen organischen, der Fantasie entsprungenen Kreaturen bevölkert, in denen sich tierische, pflanzliche und menschliche Daseinzustánde organisch vereinen. Beim Anblick von Pflanzenformationen, die sich aus einem Menschenkopf verzweigen, vom in der Luft mit Hánden und Füssen schwimmenden Riesenfisch, vom geflügelten Fuchs oder von körperlosen Köpfen sind wir weder überrascht, noch entsetzt. Sie kommen uns sogar bekannt vor. Sie sind uns vielleieht aus dem Bewusstsein bekannt, das wir aIle einst hatten, das in unserer Kindheit noch vorhanden war, aber auf dem Wege zur gelernten Erwachsenheit verloren gegangen ist. Mária Kopacz stammt aus Marosvásárhely in Siebenbürgen. Sie begann ihre künstlerische Laufbahn als Graphikkünstlerin, und sie hatte schon zahlreiche Anerkennungen, sie nahm an vielen Ausstellungen im In- und Ausland teil, als sie Ende der achtziger Jahre mit dem Malen begonnen hat. Ihr Graphiker-Ursprung lásst sich aber nicht leugnen. Die Linie, die Zeichenhaftigkeit stellen keine vorbereitende, dem Gemálde untergeordnete Phase dar. lm Gegenteil: sie setzen den Bildern eher die Krone auf. Ihre mai kraftvolle, mai hauchfeine Lienenführung hebt hervor, charakterisiert, setzt in Rahmen ihre schwungvollen, schwimmenden, schwebenden, frei strömenden, Zickzack laufenden, aIle Erwartungen hohnsprechenden Kreaturen. Ihre Bilder strahlen aufs Mai Entschiedenheit und Triebhaftigkeit aus. Die Erste betrifft die mal-technischen Lösungen, die Letztere den Inhalt. Mária Kopacz erlaubt ihrer Innenwelt frei, uneingeschránkt aufzutauchen, aber sie formt sie mit sicherer, bestimmter Hand zu Bildern. Alle ihre Werke strahlen den Eindruck aus, dass sie dieses Zaubern genieBt, dass sie Freude an der Bildschöpfung hat; sie liebt ihre Kreaturen, und von Zeit zu Zeit ist sie viel leieht selber überrascht, wer oder was aus dem Bild herausblickt. lm übertragenen Sinne. Weil die Gestalten der Kopacz-Bilder keinen Blick habén. Entweder tragen ihre Gesichter Masken, oder habén sie zwar Augen, jedoch keine Pupillen, so vermitteln ihre Blicke keine Gefühle. Trotzdem sind sie nicht gleichgültig. Ein zurückhaltendes Lácheln, eine ausdrucksvolle Handbewegung, die Gesten der Körpersprache verraten vieles. Die Bilderwelt von Mária Kopacz ist gleichzeitig versteckend und aufdeckend, aber nie sentimental. Sie strahlen feinen Humor, pulsierende Lebensfreude und Optimismus aus. Katalin Török

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