Részegh Botond: MUNDUS IMAGINALIS (Kiállítási katalógusok - Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2009)

und gestenähnliche Kompositionen erzählen von philosop­hischen Gedanken. Die großen weißen Flächen - wie eine inhaltreiche Leere - und die rhythmischen Verdichtungen und Verblassungen der konzentriert auftauchenden Linien bilden ein zerbrechliches Gleichgewicht, ihre Spannung ents­pringt der Möglichkeit der zwischen ihnen jederzeit auf­lösbaren Harmonie. Botond Részegh treibt seine intellekt­uellen Spiele in seinen Grafiken genau mit diesem noch vorhandenen, aber sehr zerbrechlichem Gleichgewicht: er verdichtet das Drama des Lebens in leichten Linien. Seine neue Serie Spiel mit der Sünde der unstrafbaren Fan­tasie ist in der Tat eine Serie von erotischen Zeichnungen. Hier gibt es keine Symbole: das wilde Beilager der körper­lichen-seelischen Liebe entfaltet sich trotz der diskreten Abstraktion sehr konkret auf dem jungfraulich weißen Papier. Die Liebe ist ambivalent: gleichzeitig körperlich und seelisch, Paarspiel oder Einzelspiel, handgemein ernsthaft und befreiend leicht. Liebe kann Erotik sein - Instinkt, Ordnung und Chaos. Liebe ist positiv, Liebe ist negativ, Liebe ist alles und nichts. Vielleicht erzählen die Zeichnungen (auch) davon... Részegh spielt jeweils durch eine leicht skizzi­erte Linie mit den schematischen Gestalten von gesicht­slosen Frauen und Männern, deren einziges und Haupt­attribut ihre Genitalien sind. Eben darum können sie jeder­mann sein: Symbole des Menschen. Die Einfachheit der Zeichnungsserie, die in Verlegenheit bringende Barschheit der Darstellung der Liebe, die brutale Körpernahe, die Evidenz der Verschmelzung machen auf die Aufrichtigkeit aufmerksam. Botond Részeghs Liebesfiktionen sind nicht glücklich, sind nicht genusssüchtig, sondern sie decken die tiefste Form des Kampfes auf. Geistiger Vorläufer der erotischen Blätter ist die Serie Spiel mit dem Spiegel der angespannten Seele, wo zwei mythol­ogische Wesen, der in den Labyrinth von Kreta verbannte, Jungfrauen verzehrende Halbmensch-Halbstier Minotaurus und der Kentaur ein fiktives Gespräch führen. Als Memento des ewigen Kampfes erinnern uns die Instinkthaftigkeit des Minotaurus und die geistige Überlegenheit des Kentaur and die Komplexität der Welt. Genau so, wie sich der Kampf zwischen Mann und Frau auf den Blättern der Serie Spiel mit der Sünde der unstrafbaren Fantasie entfaltet. Botond Részegh möchte die widerspruchsvolle Zweiheit unseres Wesens enträtseln; er erforscht den in den Mythen weiter­lebenden Archetyp in jedem seiner bluternsten Spiele. Warum erscheinen Botond Részeghs Zeichnungen zeitlos? Vielleicht, weil auch die Kämpfe der Seele auch zeitlos sind. Noémi Szabó 4

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