Szakács Imre: ÉG ÉS FÖLD KÖZÖTT (Kiállítási katalógusok - Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2007)
LICHT, BESORGNIS, GLAUBE Über die Malerei von Imre Szakács Viele Austellungen besuchen wir, sehen wir, nehmen wir auf. In eine Ausstellung treten wir mit Erwartung ein. Aber wir haben eine schlechte Angewohnheit. Unser Geschmack ist für gewöhnlich vorbestimmt, wir haben Erwartungen, Vorurteile, Maße. Danach wollen wir alles andere richten. Wir bewegen uns schwer aus unserem Geschmack heraus. Auf sehr seltsame Weise wollen wir das sehen, was wir schon einmal gesehen haben, was wir schon kennen und nicht das Unbekannte. Aber wir müssen offen sein, weil die Kunst nicht das Terrain der Routine ist, sondern das Gebiet des Gedankenursprungs. Wenn wir nun die Werke von Imre Szakács betrachten, in seine Ausstellung eintreten und uns mit seinen Arbeiten bekanntmachen, können wir doppelte Gefühle haben. Auf den Bildern von Imre Szakács gibt es etwas zu lösen, seine Bilder haben Geheimnisse, lassen etwas erahnen, aber seine Bilder spornen andererseits zu deren Lösung an, zu deren Annahme an. Sie befremden nicht, sind nicht abstoßend, nicht brutal. Und nun habe ich mit der Verneinung einen wichtigen Charakter bezeichnet, obwohl wir für gewöhnlich nicht mit der Verneinung auf die Qualität hinweisen. Die Bilder von Imre Szakács sind nämlich in der Mehrzahl dramatisch, berichten im Rahmen ästhetischer Formen und Qualität von schweren Sorgen, von Problemen und stoßen doch nicht ab, sondern ziehen uns an. Das ist in der zeitgenössischen Kunst auf jenen Fall eine seltene Erscheinung, falls sich jemand nicht mit gleichgültiger Thematik beschäftigt, sondern von einer kräftigen Gedankenwelt und suggestiver Malerei charakterisiert wird. Und damit haben wir schon sehr wichtige Dinge erwähnt! Er ist auf solche Art dramatisch, daß er auch auf uns diese Dramatik überträgt, die auf seinen Bildern erscheint. Wir können uns mit seinen Bildern identifizieren. Aber warum? Weil er seine Dramen, seine Beklemmungen, seine Besorgnisse mit feiner Malart und sehr individuellem Stil darstellt. Die Bilder von Szakács sind figurativ und trotzdem nicht. Er benutzt in der Natur verwurzelte Motive, ist aber kein projezierender Maler. Für ihn ist der Gedanke, das Weltgefühl und das persönliche Lebensgefühl ausschlaggebend. Das spüren wir auf seinen Bildern. In seiner authentischen Wahl werden wir durch den ewig gültigen Gedanken von Árpád Mezei bestätigt: „In der Kunst ist nicht das objektive Erkennen der Außenwelt entscheidend, sondern die Mitteilung der inneren Überzeugung." Das ist bei Imre Szakács vielleicht wichtiger als alles andere! Seine innere Überzeugung drückt er mit der Darstellung vieler symbolartiger Motive aus. Der Vogel ist für ihn seit langem ein solches Attribut, das die Möglichkeit zur Darstellung seiner Gedanken bietet. Der Vogel ist für ihn das Symbol zum Übergang in den Himmel, kann es aber auch gleichzeitig für die Gefangenschaft sein. Der Vogel ist die Verbindung zwischen Himmel und Erde, bezeichnet seine Kommunikation mit den Göttern - mit Gott - und der Übergang in den Zustand eines höheren Wissens, die Annäherung an die Transzendenz. Der Vogel ist das Symbol für die Seele und den Geist. Und wie seltsam, daß der Schaman in einem Gewand aus Vogelfedern die Verbindung mit den Himmlischen begann. Der Vogel ist ein universelles Symbol, und sein Vorhandensein ist in jeder Kultur wichtig. In dem Lobgesang von David lesen wir: „Unsere Seele entfloh, wie der Vogel aus dem Netz des Jägers." Ja, der Seelenvogel. Und die Seele des Vogels. Auf Imre Szakács wirkte all dies mit seiner natürlichen Suggestivität vor vielen Jahren am Ufer des Ontario Sees so stark, daß seine ganze Persönlichkeit davon durchdrungen und seitdem auch zum wesentlichen Element seines Malerseins und Wesenselement wurde. Auf seinen Bildern kann der Vogel auf ökologische Probleme, auf Gefangenschaft, auf das Fehlen der Freiheit hinweisen und kann einen spirituellen Ausdruck und das Dilemma des Seins andeuten. Auf seinen Bildern bekommen die Steine eine große Bedeutung. Auch hier kann man einen grundlegenden Gegensatzt zwischen dem Stein und dem Himmel spüren. Ohne figurative Erscheinung ist es ihm möglich, uns die Tragödie des Kreuzweges zu zeigen. Seine Bilder berichten von großen menschlichen Kataklysmen. Ihre Wirkung wird dadurch noch erhöht, daß sie sich mehrmals in Serien vor uns entfalten. Seine Natursymbole sind gefühlvoll, ihre Wirkung ist elementar, obwohl ihr malerischer Vortrag immer meisterhaft ist, langsam ausgearbeitet wurde, vertieft und ohne Feindseligkeit ist. Er baut auch auf Kontraste auf, wenn wir auf seinen Bildern die Farbwirkungen spüren. Neben der Anwendung der dunklen Töne benutzt er viele helle Farben, die seine Arbeiten mit Licht erfüllen. Das Licht spielt ebenfalls eine große Rolle in seiner Malerei. Nach der Jahrtausendwende malte er ein Tryptichon mit dem Titel Auf Licht wartend. Und vor uns ist das Bild Mit Licht durch woben, das natürlich auch Bildtitel ist, aber auch ein tatsächliches und spirituelles Licht, eine gefühlvolle Andeutung der malerischen ars poetica. Das Licht ist neben der malerischen Wirklichkeit auch Symbol, das Zeichen des göttlichen Lichtes, und das Licht deutet auf die Erlösung hin. Aber all dies ist - mit den wahren inneren Gefühlen von Imre Szakács - nur durchwoben. Es kommt von ganz innen mit subtiler Dichtung. Die Bilder von Imre Szakács sind malerisch gezeichnet. Lockere und dichte Oberflächen wechseln sich auf den Oberflächen der Werke ab, wodurch seine Bilder einen Rythmus erhalten. Es wird eine Harmonie von Farbfleck und Strich geschaffen, die immer von der Sorgfalt der Ausführung und fast mit den Wortspiel Andacht und meisterhafte Oberflächenbehandlung durchdrungen ist. Die nacheinander aufgetragenen Schichten ergeben auf den auch technisch abwechselungsreichen Werken feine transparente Wirkungen. In seinem ganzen Oeuvre fällt die gefühlvolle Schönheit der Farbanwendung und die Feinheit der Übergänge auf. 5