Lukács Tibor: SZERELEM IDŐ / Reis Zoltán, IDŐ SZERELEM (Kiállítási katalógusok - Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2005)
Unlike this world reduced to signs, the works of Zoltán Ries penetrate deep into the visible phenomena and analyse them. By using the computer as a tool, the artist creates from his own photos, graphics, and different scanned pictures reworked pictures with details fitted together. They take a dreamlike, visionary shape where the picture and material of the beginning is no more to be recognized. Or he combines black-and-white photos with other artistic means and achieves the multifold appearance of a realistic image. The basic characteristic of the artistic view of the latter artist is the immerging in the deeper structures of reality and experience, their combining in a special way, roaming in the realm of imagination and unconscious memories and to create new qualities. The former artist's view may be characterised by concentrating into symbols the not tangible but decisive trends of known and lived experiences, experiences of existence and of human relationships. They show us the diversity of our activity searching for comprehension, while we fulfil the agreeable task of the public: we look, we enjoy, we meditate and we decipher. And we immerse - beside the works - in ourselves too. Zsófia Somogyi UNSERE BLICKE AUF DIE WELT... ... von denen es genau so viel gibt - das können wir ruhig behaupten, - wie viele Menschen es auf der Welt leben. Sind wir dessen bewusst, oder nicht, das Bild, das wir von der Welt in uns - auf visuelle oder andere Weise - aufnehmen - ist aufgrund unserer individuellen Filtermechanismen ein völlig subjektives. Um leben zu können suchen wir jedoch immer einen Konsens, die gemeinsamen Züge, die identischen Grundvoraussetzungen. Wir erforschen die letzte Gemeinschaft, die über die Menschen stehende „Wahrheit", da wir uns irgendwo festhalten wollen. Heute wissen wir, dass die abstrakte Wahrheit nicht ein, sondern tausend Gesichter hat, es richtet sich gleichzeitig an alle, die es suchen. Und alle haben die nötige Sicherheit, dasjenige Lebensempfinden, Wissen über das Sein. Wenn der Mensch diese gefunden hat, hat er auch sein grundlegendes Ziel erreicht: das Sicherheitsgefühl. Wir streben uns danach mit allen unseren Tätigkeiten, dafür wollen wir die sichtbaren und unsichtbaren Erscheinungen unserer Umgebung darstellen, vereinfachen und in Schemen fassen. Aus diesem Grunde entstehen auch die Kunstwerke, die sind ja seit jeher entstanden, seitdem es Menschen gibt. Sehen wir jetzt von der weitführenden und jetzt nicht aktuellen Frage nach der Definition der Kunst ab. Benützen wir jetzt die einfachste und weiteste Definition, wonach jede visuelle Darstellung Kunst sei, und dass die Kunst gleichzeitig eines der grundlegendsten Bedürfnisse und Tätigkeiten des Menschen ist. Der Katalog, den der verehrte Leser nun in der Hand hält, stellt die Werke von zwei Künstlern vor. Beide Künstler werfen einen entgegengesetzten Blick auf die Welt, aber eben deswegen ergänzen sie sich gegenseitig. In seinen Werken beschwört Tibor Lukács die Idee des Menschen, die Vielseitigkeit und Spannungen der menschlichen Beziehungen, hauptsächlich zwischen Mann und Frau, mit seinen selbst-kreierten visuellen Zeichen, mit einer eigenartigen Form herauf. Die Bilder werden aus geometrischen Formen nach der konstruktivistischen Kunst aufgebaut: die Gestalten erinnern an Maschinenteile, dank ihren an Köpfe oder Augen erinnernde Details werden sie jedoch anthropomorph. Mit ihren Schneiden und Sägezähnen vermögen sie sich nicht nur zu kratzen und zu verletzen, sondern genau diese Oberflächen erlauben ihnen sich aneinander zu fügen. Und somit verlieren die Schneiden ihren angreifenden, verteidigenden, aggressiven Inhalt. Dieser auf Zeichen reduzierte Welt entgegen ergründen und analysieren die Werke von Zoltán Ries die sichtbaren Erscheinungen. Der Künstler schafft aus seinen eigenen Fotos, Graphiken und verschiedenen scanned Texturen zusammengefügte und umarbeitete Bilder mit Hilfe des Computers, der ihm als Mittel dient. Das Ergebnis ist ein traumhaftes, visionäres Bild, wo sich die Bauelemente und das Ausgangsmaterial kaum erkennen lassen. Andermal kombiniert er schwarz-weiße Fotos mit Texturen die aus diesen Fotos einzigartige Bilder hervorzaubern und das wahrheitsgetreue Bild gewinnt dadurch eine mehrschichtige Dimension. Eindringen in die tieferen Strukturen des Gesehenen - diese dann einzigartig miteinander vereinen, sich in der Landschaft der Fantasie und der unbewussten Erinnerungen herumschweifen und auf diese Weise neue Qualitäten schaffen sind die grundlegenden Merkmale der künstlerischen Weltbetrachtung des letzteren Künstlers. Die Betrachtungsweise des ersten Künstlers bezeichnet die Bestrebung, die nicht antastbaren, jedoch entscheidendsten Züge der bewussten und erlebten Erfahrungen, der Sein-Erlebnisse, der menschlichen Beziehungen in Symbole zu konzentrieren. Sie modellieren für uns die Vielschichtigkeit unserer nach einem Sinn suchenden Tätigkeit, während wir uns mit der dankbaren Aufgabe des Publikums beschäftigen: wir schauen, finden unsere Freude, denken nach und enträtseln. Dabei versenken wir uns nicht nur in den Werken, sondern auch in uns selber. Zsófia Somogyi