Cseri Miklós – Bereczki Ibolya (szerk.): Ház és ember. A Szabadtéri Néprakzi Múzeum Évkönyve 23. (Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2011)
HUGYECSEK BALÁZS: Egy 19. századi üvegkancsó restaurálása
Balázs Hugyecsek RESTAURIERUNG EINER GLASKANNE AUS DEM 19. JAHRHUNDERT Die blaue Glaskanne im Besitz des Ungarischen Freilichtmuseums Szentendre wurde wahrscheinlich in einer Glashütte in Nordost-Ungarn durch Formblasen gegen Mitte des 19. Jahrhunderts gefertigt. Ihr Ausguss wurde warm geformt, ihr Henkel wurde appliziert. Die Kanne wurde gebraucht, wie davon die winzigen Striche und Schlagspuren ringsherum am Bauch und Fuß zeugen. Da der Klebstoff zwischen den Bruchoberflächen veraltete und dunkel wurde, und seine Verziehung durch Altern die Unversehrtheit des Gegenstandes gefährdete, war die wiederholte Restaurierung des Gegenstandes aus ästhetischen und strukturellen Gründen notwendig. Eine Besonderheit des Gegenstandes wurde bei der Untersuchung des Materials aufgedeckt, und zwar, dass er nicht mit Kobalt, wie in der Fachliteratur beschrieben, sondern mit Kupfer gefärbt wurde. Dies kann erklären, warum die Farbe der ab Ende des 18. Jahrhunderts hergestellten blauen Glasgegenstände mit der Zeit verblasst. Wir haben separate Untersuchungen zur Enthüllung der im Glas verstreut auffindbaren Inklusionen ausgeführt. Sollten diese schlecht gemischte Farbstoffe gewesen sein, hätten wir eine wichtige fertigungstechnische Angabe aufgedeckt. Es handelt sich jedoch eindeutig von eisenhaltigen Inklusionen, daher ist anzunehmen, dass diese als Schmutzpartikel anwesend sind. Die aus 64 Stücken bestehende Glaskanne war in früher restauriertem, zusammengeklebtem Zustand. Ich habe die Zusammensetzung der zwei Sorten von Klebstoff mit Brenn- und Löseproben bestimmt, aber ein sicheres Ergebnis könnte man nur durch Untersuchung mit Geräten erzielen. Die Fragmente trennten sich nach einer langen Einweichung in warmem destilliertem Wasser und nach weiterer Einweichung löste sich der Grossteil des Klebstoffes, und was zurückgeblieben war, habe ich mit Lösemittel entfernt. Nach Reinigung der Fragmente habe ich sie mit Epoxydharz zusammengeklebt. Bei der Ergänzung von 12 kleineren Lücken, und bei einer größeren, ca. 1 2 cm 2 großen fehlenden Stelle musste ich die Dicke und Verschiedenartigkeit der Wand, sowie die verschiedenen Größen der Lücken beachten. Ich habe die Negativmuster mit Hilfe eines knetbaren und weichen, schmierbaren Silikongummis vom Gegenstand abgenommen. Das bei den Ergänzungen verwendete Epoxydharz hat einen Brechungsindex wie das Glas; es weist jedoch nach Zugabe von Farbstoff Opaleszenz auf, deshalb musste ich ein ergänzendes Material verwenden, das auf den kleineren Flächen dunkler und auf den größeren Flächen heller gefärbt war. Der restaurierte Gegenstand erreichte einen strukturell und ästhetisch besseren Zustand nach dem Eingriff und wurde in der Studiensammlung des Ungarischen Freilichtmuseums Szentendre untergebracht. 220