Bereczki Ibolya - Cseri Miklós (szerk.): Ház és ember, A Szabadtéri Néprajzi Múzeum évkönyve 22. (Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2010)

Tóthné Pásztor Ágota: A társadalmi csere színterei – Egyesületi székházak Balmazújvároson a 20. század első felében

f Ágota Tóthné Pásztor SCHAUPLÄTZE DES SOZIALEN AUSTAUSCHES. VEREINSHÄUSER IN BALMAZÚJVÁROS IN DER ERSTEN HÄLFTE DES 20. JAHRHUNDERTS Mária MOLNÁR schreibt, dass in der Bauergesellschaft formelle Institutionen den Raum für das Erwerben und Austausch zahlreicher Informationen zur Verfügung gestellt haben, und der soziale Charakter des Aus­tausches verlieh auch den Schauplätzen des Austausches einen symbolischen Wert; meistens ging es sogar um viel­erlei Tauschbeziehungen. Mit der Bearbeitung der Quellen der Vereinshäuser in Balmazújváros konzen­triere ich mich auf die Interpretation dieses Prozesses. Die Quellen zur Forschung bestehen aus den Doku­menten im Zusammenhang mit dem Vereinsleben und mit den Genehmigungen der Vereine, aus den Verein­squellen im Museum Andor Semsey in Balmazújváros, aus den Werken von Péter Veres, sowie aus meinen eige­nen Sammlungen. Bei meiner Forschung in Balmazújváros hat es sich herausgestellt, dass nur diejenigen Organisationen über ein Vereinshaus verfügen durften, die genügend Mit­glieder und Vermögen hatten. Die Vereinshäuser der un­tersuchten Organisationen standen im Zentrum des Anziehungskreises der Vereine oder in der Ortsmitte. Für das Geld zum Kauf oder zum Bau eines Vereinshaus­es haben die Organisationen gesorgt: die Mitgliedschaft, die wohlhabenden Mitglieder, Aktienausgabe und Beiträge von anderen Organisationen lieferten die nöti­gen Beträge. Die Mitglieder und Familienmitglieder hiel­ten die geleisteten Beiträge in Evidenz. Auch die Vereine konnten den Bau des Vereinshauses von anderen, ähn­lichen Organisationen unterstützen. Die Bautätigkeiten (Fundament legen, Richtbaum aufrichten, Hausweihe) boten öfters Gelegenheit zur symbolischen Erklärung der Zusammengehörigkeit. Das Niveau der Tätigkeiten der Vereine war natür­licherweise und eng mit dem Niveau der Vereinshäuser verbunden. Deshalb gaben sich die Organisationen Mühe, die Gebäude auch nach vollendetem Bau regelmäßig zu versorgen, zu unterhalten, zu entwickeln. Diese Gebäude waren normalerweise auch beachtliche Punkte des architektonischen Gesichts ihrer engeren Umgebung. Die innere Einteilung der Vereinshäuser entwickelte sich parallel mit der Funktionserweiterung der Organisationen, so entwickelten sich diese Gebäude dank den permanenten Erweiterungen und durch den Bau von ausgesprochen für Vereinszwecke entworfenen Vereinhäusern bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zu gemeinschaftlichen Schauplätzen, die mindestens 6-8 soziale und Bedienungsräume hatten. Die Vereinshäuser waren nicht nur Schauplätze für die eigenen Veranstaltungen, sondern sie konnten auch von anderen Gruppen der Gemeinde gelegentlich für Hochzeiten, Bälle, usw. benützt, gemietet werden. Eine größere, in ihrer Infrastruktur mehr entwickelte Organi­sation hatte funktionell einen viel größeren Wirkungs­bereich, als es die Zusammensetzung der Mitgliedschaft begründet hätte. Bei meiner Forschung in Balmazújváros wurde es ein­deutig, dass die Vereinshäuser, die grundsätzlich aus den Ressourcen der Gemeinschaften (die Bautätigkeiten be­deuteten für die bauende Gemeinschaft eine wesentliche Belastung) durch die Gemeinschaft aufgebaut, in gemein­schaftlichem Besitz und Funktion waren, erwarben sich eine hervorragende Bedeutung im Leben der Gemein­schaften wegen der Verflechtung der Prozesse. Die Vere­inshäuser wurden zu frequentierten Punkten der Gemein­deteile, "Orientierungspunkte". Orientierungspunkte im Bau, in der permanenten (z.B. infrastrukturellen) Entwick­lung, in der Kultur und in der allmählichen Umwandlung der Tradition des sozialen Verkehrs. 270

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