Bereczki Ibolya - Cseri Miklós (szerk.): Ház és ember, A Szabadtéri Néprajzi Múzeum évkönyve 22. (Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2010)

Csányi Viktor: Dél-alföldi régészti adatok Sabján Tibor kályharekonstrukciós kísérleteihez

Viktor Csányi ARCHÄOLOGISCHE ANGABEN AUS DER SÜDLICHEN TIEFEBENE (ALFÖLD) ZU DEN OFENREKONSTRUK­TIONSVERSUCHE VON TIBOR SABJÁN Meine Studie behandelt die Nebeneinanderstellung des über die Öfen in Hódmezővásárhely im Spätmittelal­ter und frühen Neuzeit geschaffenen Bildes, der schriftlichen Quellen und historischen Daten über die Geschichte des Marktfleckens in der Türkenzeit und in der frühen Neuzeit, als die Traditionen der Au­genkachelöfen weitergetragen wurden, sowie der Ergeb­nisse von ethnografischen Forschungen und des archäol­ogischen Ofenmaterials. Damit sollen wir in der Lage sein, uns ein mehr nuanciertes Bild über die Heizsysteme in der südlichen Tiefebene (Dél-Alföld) sowie über ihre Entwicklung zu machen. Die Grundthese meiner Arbeit hat eigentlich noch Tibor Sabján verfasst, die besagt, dass die Augenkachelöfen in der Volkskultur der Grossen Tiefebene im 18. Jahrhundert infolge der allgemeinen Verarmung und der Änderungen in der Wirtschaft, sowie unter der Wirkung der sich wandelnden Wohnkultur aus dem Alltagsleben verschwunden sind. Sie wurden von den einfacheren, jedoch für Backen und Kochen gleichermaßen geeigneten Außenladeröfen abgewechselt. Nach einer kurzen Vorstellung der mittelalterlichen Siedlungsgeschichte von Hódmezővásárhely gebe ich die wichtigsten spätmittelalterlichen Funde in der archäolo­gischen Sammlung des Museums János Tornyai bekannt. Die Ergebnisse der bis jetzt publizierten und mit unter­schiedlichen Aspekten verfassten Studien werden durch den Ausdruck .szemeskemence' (Augenofen), der noch in der Marktpreisliste des Jahres 1803 erscheint, sowie durch die Tatsache ins neue Licht gerückt, dass die zahlreichen archäologischen Funde aus dem letzten Drit­tel des 1 7. und dem Anfang des 1 8. Jahrhundert viele Au­genkachel enthalten. All dies deutet darauf, dass der Au­genkachelofen in Hódmezővásárhely bis zum Ende der Türkenzeit allgemein verbreitet war, und konnte aus der Volksbaukunst erst später verschwinden. Die Rekonstruierung der Wohnkultur des 18. Jahrhunderts und der damals existierenden Heizsys­teme ist sowohl für die Archäologie wie auch für die Ethnografieforscher mit großen Schwierigkeiten ver­bunden. Eine der Folgen der neuen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Änderungen, die am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhundert stattgefunden hatten, war die stufenweise Verselbständigung der Volkskunst, die Entfaltung des sog. Volksstils und die Verstärkung der regionalen Eigenheiten. Die Au­genkachelöfen wurden nach der Neubesiedlung der Stadt Hódmezővásárhely im Jahr 1698 allmählich ver­drängt. Gleichzeitig hielten die bereits früher benützten, aus den Augenkachelöfen entwickelten Lehmöfen Einzug in die Wohnkultur. Diese Prozesse deuten darauf, dass sich die Wohnkultur im Süden der Grossen Tiefebene anders entwickelt hat, als in an­deren Regionen Ungarns. 253

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