Cseri Miklós, Füzes Endre (szerk.): Ház és ember, A Szabadtéri Néprajzi Múzeum évkönyve 14. (Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2001)
SZABÓ SAROLTA: Szabolcs megyei kúrialeírások a 18. századból
BESCHREIBUNG VON HERRENHÄUSERN IM KOMITAT SZABOLCS IM 18. JAHRHUNDERT Die Bedeutung von historischen Quellen nimmt im Bereich der Erforschung der Volksbaukunst immer mehr zu, sie liefern Beiträge zur Untersuchung von Zeitepochen, dem der ethnographischen Forschung nicht mehr zugänglich sind. Solche wichtigen Beiträge sind die sogenannten "testimonialen" Schriften, die wichtige Angaben zur Erforschung der Baukunst des Adels und Kleinadels im 18. Jahrhundert darstellen. Unter den Dokumenten der feudalen Zeitepoche des Archivs des Komitats Szabolcs-Szatmár-Bereg befinden sich diejenigen Zeugnisse, auf Latein "testimonium", die eine Beschreibung der adligen Wohnhäuser und anderer Bauten im selben Hof zusammen mit Wertbestimmung beinhalten. Diese Schriftstücke entstanden jeweils bei einem Gerichtsprozess, wurden aber am Ende des 18. Jahrhunderts - aus heute unbekannten Gründen - vom ursprünglichen Material getrennt, so wissen wir nicht in jedem Fall, zu welchem Zweck sie gefertigt worden sind. Die unten vorgeführten sechs Zeugnisse entstanden zwischen den Jahren 1773 und 1884 in Gemeinden des ehemaligen Komitats Szabolcs. Die Einleitung wurde immer auf Latein verfasst, die tatsächliche Beschreibung jedoch immer auf Ungarisch. Die Zeugnisse informieren über das Material der Dachverschalung, der Dachstruktur, der Wände der Wohnhäuser und Wirtschaftsbauten im adeligen Hof, über Merkmale des Heizsystems, der Türen und Fenster sowie über die Art der Rauchableitung; in weiterem finden wir Angaben über den Grundriss des Wohnhauses. Die mit der Wertschätzung beauftragten Personen (meistens Müller, Tischler) bestimmten genau, wieviel und was für Holz als Dachsparren und Mauerlatten verbraucht wurde, womit das Gebäude bedeckt wurde, aus welchem Material Wände, Schornstein, Fußboden, Türen und Fenster gefertigt wurden und was für Heizsystem installiert wurde. Die Bedeutung der Erforschung der Baukunst des Adels im Komitat Szabolcs besteht darin, dass am Ende des 18. Jahrhunderts in diesem Gebiet eine große Zahl von Kleinadeligen lebte. Das Verhältnis der adeligen Bewohner im Komitat Szabolcs überschritt den Durchschnitt des Landes, die Adeligen machten 13% der Gesellschaft im Komitat aus. 1774 war die Anzahl der adeligen Familien 1.434, von diesen hatten 206 Familien Leibeigene. 905 Familien verfugten über Herrenhaus, bzw. über herrschaftliches Land. Die Zahl der Mitteloder Großgutsherren ist relativ klein. Die meisten Adeligen waren arm oder hatten ein bescheidenes Vermögen, innerhalb des Adels war ihr Prozentsatz 61%. Sie genossen zwar die Vorteile der Adelsklasse, ihre Lebensweise jedoch unterschied sich kaum von der Bauernschaft. Die Mitglieder dieser extrem differenzierten Adelsgesellschaft waren gleichzeitig Vorbild und spielten eine Übermittlerrolle der Bauernschicht gegenüber in jedem Bereich des Lebens. Der benützte Ausdruck "curia" bedeutete früher den Gutshof der Adligen, erst später wurde die Bedeutung auf das im Hof gebaute Herrenhaus übertragen. Die Bezeichnung des adligen Wohnhauses war im Komitat Szabolcs im 18. Jahrhundert und früher: Haus, Herrschaftshaus, Residenzhaus (ház, udvarház, residentionalis ház). In den Zeugnissen kommen nur diese vor. Curia bedeutet in unseren Quellen den Hof des Adligen. Mit meinem Vortrag wollte ich die Aufmerksamkeit der Forscher auf die mögliche Benützung der Zeugnisse als ergänzende Quelle lenken. Die Sammlung und systematische Aufdeckung der Zeugnisse können zur genaueren Kenntnis der historischen Schichten der Volksbaukunst beitragen.