Cseri Miklós, Füzes Endre (szerk.): Ház és ember, A Szabadtéri Néprajzi Múzeum évkönyve 8. (Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 1992)
ZENTAI TÜNDE: A drávaszögi és Eszék környéki magyar parasztházak a 18-19. században
BAUERNHAUSER IM DRAUWINKEL UND IN SLAVONIEN IM 18-19. JAHRHUNDERT Die Studie beschäftigt sich mit der volkstümlichen Baukunst einer Kleinlandschaft in Südtransdabubien, des im Komitat Baranya liegenden Drauwinkels und der in der südlich angrenzenden Umgebung von Osijek liegenden ungarischen Dörfer. Der Drauwinkel liegt im Flußwinkel von Donau und Drau, eine ziemlich reiche, über gute Verkehrsmöglichkeiten verfügende Landschaft auf der Drautiefebene, die etwa zwischen den Siedlungen Siklós, Mohács und Kopács liegt. DerDrauwinkel war seit dem Mittelalter eines der bestenwickelten Gebiete Transdanubiens, obwohl es während der Türkenherrschaft (1526-1686) große Schäden erlitt, da der Heerweg nach Buda hier verlief. Der südliche Teil der Landschaft, der sog. innere Donauwinkel wurde infolge des Trianoner Friedensvertrages Jugoslawien angeschlossen. Seine reformatorischen Bewohner bewahrten ihr Ungarntum und führten ihre sich immer mehr verbürgerlichende Landwirtschaft in der Form von einzelwirtschaften weiter. Da diese Siedlungen der in Ungarn obligatorischen Kollektivierung entwichen, veränderte sich die Lebensform und die Kultur weniger, auch das Gesamtbild der Dörfer bewahrte ihre traditionellen Züge. Während der Türkenherrschaft war das östliche Teil des Zwischenlandes zwischen Drau und Sawa größtenteils entvölkert. Von den ungarischen Siedlungen blieben vier ungarische Dörfer in der Umgebung von Osijek erhalten: Haraszti, Kórógy, Szentlászló und Rétfalu (letzteres bereits als ein Teil von Osijek). Ihre Isoliertheit und ihre spärlichen materiellen Möglichkeiten konservierten die alte Lebensform bis zur nächsten Vergangenheit. Einen muttersprachlichen und kulturellen Kontakt konnten sie nur mit den Siedlungen im jugoslawischen Drauwinkel aufrechthalten, da sie ja von den südslawischen Dörfern bzw. vom fast ganz südslawischen Osijek umgrenzt wurden. Die Wirkung der südslawischen Umgebang läßt sich auch in bestimmten Elementen der Wohnbaukultur der "ungarischen Insel" nachvollziehen. Demzufolge lassen sich neben zahlreichen Ähnlichkeiten in der Etwicklung des Hausbaus der beiden benachbarten Gebiete, also im Drauwinkel und in den ungarischen Dörfern Slawoniens auch Unterschiede feststellen. Die wesentlichsten Unterschiede können im folgenden zusammengefaßt werden: Holzbauten wiesen im Drauwinkel bereits im 18. Jahrhundert einen Rückfall auf, 1785 hatten die Stampfwändigen Häuser bereits größeren Anteil, in Slawonien hingegen herrschen Holzbauten ganz bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor. Der Holzbalken, auf den die Dachkonstruktion aufstützt, wird im Drauwinkel voró, in Slawonien koszorú gennant. Die Häuser mit Balkenunterbau weichen in Slawonien von den anderen mit ihren hohen Dachkonstruktionen und den Fassadenwänden mit Holzfachwerk ab, was auf deutsche Vorbilder hinweist. Im Drauwinkel wurden selbständige Schornsteine bereits im 18. Jahrhundert gebaut, in Slawonien existierte hingegen die Küche ohne Dachboden, mit zentraler Feuerstätte wahrscheinlich noch gegen Mitte des 19. Jahrhunderts. In Slawonien findet man besonders große Zimmer und den Häusern angebaute Schlafkammerreihen. Auch der aus Holz geschnitzte Arkadengang ist bei den Häusern in Slawonien eigenartig. Wenn wir den Platz dieser Wohnhäuser in der gesamten ungarischen Hausbaukultur bestimmen wollen, können wir vom Haus im Drauwinkel sagen, daß es mit seinem Grundriß, seinem zentralen Eingang und seinen Öfen des Tiefebenetyps eng mit dem Hausbaugebiet der ungarischen Tiefebene verbunden ist. Das Haus in Slawonien bewahrt mehr traditionelle Formen, und die Hauskultur wird hier von der Vermischung ungarischer und slawonischer Stilelemente geprägt, wobei von der Mitte des letzten Jahrhunderts an immer mehr die Züge der Tiefebene bestimmend wurden. Diese Studie ist die erste Zusammenfassung von der volks tümlichen Baukultur im Drauwinkel und auf der "ungarischen Insel in Slawonien". Sie umfaßt fast drei Jahrhunderte, und basiert in erster Linie auf die archivarischen Foschungen und auf die persönlichen Studienreisen (1988) der Autorin. Eine besondere Bedeutung erhielt die Studie durch die fatalen Ereignisse, durch die die ungarischen Dörfer im jugoslawischen Baranya und in der Umgebung von Osijek in dem immer noch nicht beendeten Krieg, in den Jahren 1991-92 unersetzliche Schäden erlitten, so daß die ehemaligen Straßen nur noch in Fotografien erhalten sind.