Cseri Miklós, Füzes Endre (szerk.): Ház és ember, A Szabadtéri Néprajzi Múzeum évkönyve 6. (Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 1990)

SZILÁGYI MIKLÓS: Kovách Aladár népi építészeti kutatásai

VOLKSARCHITEKTURFORSCHUNGEN VON ALADÁR KO VACH Aladár Kovách (1860-1930), Mitarbeiter des Muse­ums des Burgkomitates Tolna (Szekszárd) war von 1908 bis zu seinem Tod Direktor des Museums. In der unga­rischen Forschungsgeschichte wurde er als einer der flei­ßigsten Arbeiter der Ethnographie - die sich im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts nach Budapest auch in den Provinzstädten einbürgerte - registriert. Er publizi­erte angabenreiche Studien hauptsächlich über die ent­lang den Donauabschnitt vom Komitat Tolna liegenden Dörfer - genannt „Sárköz" -, deren Kultur als archaisch betrachtet wird. Beinahe in allen Ortschaften des Komitates Tolna stu­dierte er sorgfältig die Bauernarchitektur - die ihn am meisten beschäftigte -, die geplante monographische Zusammenfassung hat er jedoch nicht geschrieben. Eine Publikation in einer Zeitschrift (Aladár Kovách, 1912), lakonische Berichte über die Sammeltouren, das Illustrationsmaterial des Volkskunstbandes von Dezső Malonyay (Dezső Malonyay, 1912), die in den Archiven aufbewahrte große Menge von Photoaufnahmen und eine in seiner Hinterlassenschaft zurückgebliebene schriftliche Arbeit gaben dem Autor jedoch die Mög­lichkeit, das wesentliche Gedankengut und die bleiben­den Werte der Tätigkeit von Aladár Kovách im Ver­gleich zu den charakteristischen Bestrebeungen der an­fänglichen ungarischen Volksarchitekturforschungen zu analysieren. Die während der letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts gerade entstandene ungarische Ethnog­raphie begann das schwerste Problem, die Frage der Herkunft zu lösen, noch bevor ihr eine entsprechende Materialsammlung zur Verfügung gestanden hätte. Die über die Herkunft des „ungarischen Hauses" geführten Diskussionen haben sich bis zum ersten Jahrzehnt unse­res Jahrhunderts beruhigt: danach ist mehr und mehr die beschreibende Darstellung der Formen der Archi­tektur zur entscheidenden Bestrebung geworden. Ala­dár Kovách, der Autodidakt mit thoeoretischen Neigun­gen, hatte jedoch - mit etwas Verspätung - auch zu dieser Zeit Ambitionen, für den Neubeginn der Diskus­sion über den Ursprung des „ungarischen Hauses", für die Theorie über das sich von den westeuropäischen Häusertypen unabhängig, aus primitiven Hirtenbauten entwickelte „ursprüngliche ungarische Haus" weitere Angaben zu liefern. Diese Bestrebung bewegte ihn ei­nerseits zu spekulativen Schlußfolgerungen, zur Auf­zeichnung einer wohlklingenden, aber nicht beweisba­ren Entwicklungsschema; andererseits war sie mit einer typischen, selektiven Praxis der Datensammlung ver­bunden: er dokumentierte sehr sorgfältig die für urs­prünglich gehaltenen Bauformen, und schenkte wenig Achtung dem, was in seine Konzeption nicht paßte. Mit der Darstellung der Verknüpfung der theoretisie­rendën Absicht und der Praxis der Datensammlung wollte der Autor die Aufmerksamkeit darauf lenken, daß die erhaltengebliebene Dokumentation - mögen die verewigten Daten noch so unersetzlich scheinen - nicht nur im Falle von Aladár Kovách, sondern auch im Falle von seinen Zeitgenossen ohne eine umsichtige Analyse der „Präkonzeptionen" des Forschers nicht gedeutet werden kann.

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