Csaplár Ferenc szerk.: Lajos Kassák / Reklame und moderne Typografie (1999)

Ferenc Csaplár: Lajos Kassák, der Buch- und Werbegestalter

des ebenfalls für die Buchreihe werbenden kleineren Pla­kats dekoriert. In Erinnerung an die Entstehung der Auslage berichtet der Lyriker Zoltán Zelk als Zeitgenosse und Augen­zeuge eine interessante Episode: „Und als die bereits euro­paweit bekannte Leitfigur der modernen Kunstrichtungen das Sakko ablegte und sich über die Auslage in der And­rássy üt hermachte, kam aus dem gegenüberliegenden Kaf­feehaus Magyar Korona (Ungarische Krone) Ernő Osvát he­rüber und betrachtete eine ganze Weile das erste konstruk­tivistische Schaufenster in Ungarn und sprach dann: »Mein Herr! Jeder, der auf Reklame aus ist, würde sich an Ihrer Stelle bei solcher Gelegenheit ablichten lassen«." 7 8 Ein weiteres Zeichen für Interesse und Wertschätzung war, daß das wichtigste Fachorgan der Druckindustrie in Ungarn, die Zweimonatsschrift „Magyar Grafika", ihr Mai/Ju­ni-Heft 1928 der Vorstellung des buch- und werbekünstleri­schen Wirkens von Lajos Kassák widmete. Die Redakteure erachteten Kassáks theoretische und werbegrafische Arbei­ten als am besten geeignet, die ungarischen Leser mit den Bestrebungen und Resultaten der konstruktivistischen Typografie vertraut zu machen. Zur Anregung einer Dis­kussion druckten sie Kassáks Aufsatz „Weg zur elemen­taren Typographie": eine erweiterte Fassung des Textes „Die Reklame" aus dem „Buch der Reinheit". Das darin Ent­haltene war illustriert mit dem von Kassák entworfenen Umschlagblatt der Zeitschrift und als Kollektion im Beiheft elf ausgewählte werbegrafische Arbeiten von Kassák: „Tó mozi", „Dunlop", „Ma - Ungarische Gruppe", „Tolo Porzellan­waren", „Budapesti Állatkert", „Hungária Hírlapnyomda Rt.", Titelblatt zu Tibor Dérys „Sie singen und sterben", „Mú'vész­filmkölcsönző Vállalat" (Verleih für künstlerische Filme), „Dá­vid Brust" und „József Nádass". Das Plakat „Tó mozi" wurde in das Jahrbuch 1929 der in England führenden reklamegra­fischen Zeitschrift „Commercial Art" aufgenommen, und zwar als eine der besten raklamegrafischen Arbeiten des vorherigen Jahres in den Bildteil „Das Fotografieren in der Reklamegrafik". Der Umschlagentwurf zum Gedichtband von Déry ist in der November-Nummer 1931 des dänischen Fachorgangs „De Grafiske Fag" als eine der Illustrationen zu Károly Rosners Artikel über die moderne ungarische Buchkunst erschienen. Kassák wurde Mitbegründer der Gesellschaft der Unga­rischen Buch- und Reklamekünstler. 7 9 Die am 5. Mai 1928 ins Leben gerufene Organisation trat im April 1930 mit einer großangelegten Ausstellung vor die Öffentlichkeit. Auf der im Kunstgewerbemuseum Budapest veranstalteten Präsen­tation war Kassák mit etwa einem halben Hundert Arbeiten vertreten. Da von der Ausstellung kein Exponatenverzeich­nis erhalten geblieben ist, kann auch über Kassáks Beitrag nur aufgrund eines am Schauplatz gemachten und in der „Magyar Grafika" publizierten Fotos berichtet werden. 8 0 Die beiden auffälligsten Stücke der Kollektion waren die großfor­matigen Plakate für die Zeitschrift „Nyugat" und die Zeitung „Magyar Hírlap". In der einem Schaufenster nachempfunde­nen Vitrine waren jeweils der Umschlag für die ungarische Buchausgabe von Tristan Tzaras Bühnenstück „Gas-Herz" Programm für den Ma-Abend am 8. Mai 1926 /Kat. 77. 79

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