Csaplár Ferenc szerk.: Lajos Kassák / Reklame und moderne Typografie (1999)
Ferenc Csaplár: Lajos Kassák, der Buch- und Werbegestalter
und neue Weltordnung sowie zum Symbol für kreative Energie geworden war. Seine Vorliebe für die Urform des Suprematismus signalisierte Kassák auch damit, daß er die „Ma" ab Oktober 1922 in quadratischem Format herausgab. Das Quadrat verwendete er auch dann gern, als es mit Umschlaggrafiken für eigene Werke zu werben galt. Als er seine konstruktivistischen Linolschnitte herausgab, piazierte er auf dem Grün des Mappenumschlags ein mit schwarzem Rand umsäumtes schwarzes Quadrat. 3 0 Diese Kombination verwendete er in einer anderen Abwandlung auf dem Titelblatt seiner politischen Streitschrift „Álláspont" (Standpunkt). 31 Auf dem Titelblatt der Gedichtanthologie „1924" ist die grafische Blickfangform ein rotes Quadrat in schwarzem Rahmen. 3 2 Auf dem Umschlag der DUR-Mappe von 1922 erscheint die gleiche Kombination wie auf der Linolmappe: die Fläche des schwarzen Quadrats ist partiell von einem in anderer Farbe gehaltenen geometrischen Element überdeckt, gleichsam eindringend ins Territorium des Quadrats, oder von dorther ausbrechend. 3 3 Das andere grafische Bilckfangelement ist der Kreis, der ebenfalls als suprematistische Grundform gilt. Auf dem Titelblatt des Gedichtbands „Ma - Asszonyomnak" (Ma - Für meine Frau) von 1921 erscheint das Element als schwarze Kreislinie; 3 4 auf den kommerziellen Plakaten und Buchumschlägen ist es eine schwarz, rot oder blau kolorierte Flächenfigur. Häufig begegnen wir bei Kassák Kombinationen von Quadrat und Kreis; eine dieser Varianten ist das in eine schwarze Kreislinie eingeschlossene rote Quadrat auf dem Titelblatt der „Ma" vom 15. April 1924. Auf dem Werbeblatt „Tolo Porzellanwaren", auf dem Titelblatt der Propagandaausgabe des Bandes „Tisztaság könyve" (Buch der Reinheit) und schließlich auf einem großflächigen Plakat für die Zeitschrift „Nyugat" (Okzident) erscheinen jeweils neue Varianten der Verbindung dieser beiden fundamentalen Flächenformen. 3 5 Das Hinarbeiten auf Erregung von Aufmerksamkeit und Effektsteigerung machte sich auch in der Textanordnung bemerkbar. Vertikal oder diagonal verlaufenden Satz in gewissen Textpartien sowie den Wechsel des Typs oder des Grades der Buchstaben innerhalb eines Satzes verwendete Kassák bereits 1920 bei einem Teil seiner Gedichte. In der typografischen Komposition „Zerstört..." vermag er mit der gliedsatzweise zunehmenden Vergrößerung der Grade eine mobilisierende Wirkung zu erzeugen. Auf dem Titelblatt der „Ma" vom 15. September 1923 erzeugt er einen visualisierten agitativen Charakter ebenfalls durch entsprechende GlieTypografie: „Zerstört um bauen und baut, um siegen zu können" Ma, 8. Jg. Nr. 1 (15. Oktober 1922) Kat. 46. 70