Déry Tibor: Különös árverés. Regények 1920–1942. Ein Fremder (Déry Archívum 4. Petőfi Irodalmi Múzeum és Kortárs Irodalmi Központ, Budapest, 1999)
auf den Stock gestützt eintritt, den Kopf stolz in die Höhe wirft, als bemerkte sie nicht, daß das weißgeschürzte Stubenmädchen ihre zum Handkuß vorgestreckte Hand nicht küßt (tut sie es doch, so kann sie nicht umhin, mit ihrer tiefen Stimme verächtlich und wild zu lachen); sie sieht sich, wie sie mit schweren Schritten durch die Flucht der Zimmer zieht und in den Salon eintretend, mit dem Stock dreimal gegen den Fußboden stößt, um sich bemerkbar zu machen, sieht ihr abgetragenes, weinfarbenes Seidenkleid aus dessen oberem Ende der wie von einem Kind gezeichnete gewaltige Schändel hervorragt, mit dem großen, violett gepuderten Gesicht, in dem die zwei schwarzen Tränensäckchen von zehn steilen Falten getragen erscheinen. - Da ist sie schon wieder! sagt die Hausfrau zwar abgewendet, aber laut, doch Cornelia hört es nicht, da sie sich schwerhörig stellt (schon seit Jahren und die Gewohnheit ist ihr dermaßen zur zweiten Natur geworden, daß sie auf der Straße das Klingeln der Tram und das Hupen der Autos hört und doch nicht hört). Die nicht an sie gerichteten, aber ihr geltenden „Bemerkungen" überhört sie, ihre „alternden Augen" übersehen die verräterischen Gesten, die diese Bemerkungen begleiten und auch ohne Text für sich sprechen: wenn z. B. der Hausherr an Stelle des Begrüßungslächelns sie fragend anschaut und abwehrend die nach außen gewandte Hand erhebt,so ist es offensichtlich, daß er indessen seiner Frau oder einem der Gäste mitteilt; - Es ist noch keinen Monat her, daß sie mir zehn Pengő abgeschröpft hat! - Und so sehr hat sie sich angewöhnt, alles ihr zugefügte Leid zu überhören und zu übersehen, daß sie ihren eigenen Augen und Ohren nicht mehr traut, und wenn ihr nach Tagen eine der „Bemerkungen" in den Sinn kommt, sie nach Altweiberart laut murmelnd angestrengt nachdenken muß, ob es nicht nur ein besonders lebendiges, giftiges Bruchstück jener grausamen Träume sei, die sie in den Nächten nach solchen Visiten heimsuchten. Die Hausfrauen ließen sich oft verleugnen: das Mädchen führte Cornelia in das Spiesezimmer und kam nach einigen Minuten lächelnd zurück, sie hätte sich geirrt, die gnädige Frau wäre ausgegangen; es kam vor, daß Bekannte auf die andere Seite hinübergingen, wenn sie Cornelia auf der Straße erblickten, unlängst ließ man sogar die „Gutsherrin" im Vorzimmer warten, da die Hausfrau Gäste hatte. Der Schein, auf dem sie wie auf einem dünnen Strick über der Arena tanzte, wurde immer durchsichtiger und drohte zu zerreißen. Die Rolle der „Gutsherrin" mußte auch in der Gruppe der „alten Verehrer" herhalten, in die sie ihre gewesenen Liebhaber einreihte, oder die, die sie für solche hielt (die Wahrheit vermischte sich auch hier mit ihren Vorstellungen, da Cornelia sich nicht mehr genau erinnerte, mit welchem der Herren sie ein Verhältnis gehabt); ihre Rolle unterschied sich hier nur insofern von jener in der anderen Gruppe gespielten, als sie in den Text hie und da ein intimeres Wort einflocht (aber