Déry Tibor: Különös árverés. Regények 1920–1942. Ein Fremder (Déry Archívum 4. Petőfi Irodalmi Múzeum és Kortárs Irodalmi Központ, Budapest, 1999)

schrickt auf. Eine junge, blonde Frau steht vor ihrem Tisch, in grauem, englischem Kostüm, sie scheint verweinte Augen zu haben ... Welcher Wind hat die jetzt hierher verschlagen? Aber vielleicht ist es so besser! - Dr. Georg Szerb. Die junge Frau steht vor dem Tisch, will sie sich nicht niedersetzen? Sie hat schöne Augen, sie blickt liebüch mit den verweinten schönen Augen. In Budapest gibt es viele schöne Frauen, mehr als sonstwo. Wie schick sie sich kleiden! Warum kommt sie mit verweinten Augen ins Kaffeehaus? Und warum setzt sie sich nicht nieder, wie lange müssen sie noch um den Tisch herumstehen? Dr. Szerb hat eine Vorliebe für vollschlanke junge Damen. - Ich möchte mit dir unter vier Augen sprechen ... Borbolya blickt unwillig vor sich hin. - Bitte - sagt Szerb, die Schamröte steigt ihm in die Wangen - bitte, ich werde mich an einen andern Tisch setzen! - Er läßt den Blick umherschweifen, doch sieht er nirgend einen leeren Tisch, das Kaffeehaus ist gesteckt voll, die Billiardtische knallen, die Luft ist blau von Zigarettenrauch und durch die Durchtüre strömen bereits neue Gäste herein. - Bleib hier - sagt Borbolya aufgeregt -, es ist dein Tisch ... Die junge Frau wird bleich im Gesicht. - Du setzt dich an einen fremden Tisch - sagt sie befroffen, sehr leise - du setzt dich an einen fremden Tisch, wenn du weißt, daß ich mit dir sprechen will! - Bitte! - Es klingt scharf wie ein Kommando. Die junge Frau bückt sich hilflos um, als suchte sie Beistand. Eine Locke hat sich unter dem kleinen, blauen Hut freigemacht und glänzt golden im Sonnenschein. Obgleich alle Fenster offen sind, herrscht eine unerträgliche Hitze. - Ludwig, ich will unter vier Augen mit dir sprechen ... - Vor Dr. Szerb brauchst du dir keinen Zwang anzutun ... Dr. Szerb ist mein bester Freund! Dr. Szerb lächelt hilflos. Er hätte sich schon längst davongeschlichen, doch traut er sich nicht. Die junge Frau steht noch immer vor dem Tisch. Heitere Grazie durchschimmert ihren Kummer, wie bei einem schönen weinenden Kind, das um sein zerbrochenes Spielzeug trauert: man weiß, daß es in einer Stunde wieder lachen wird. Doch Kinder sind in ihrem Kummer wilder als die Erwachsenen. - Verstehst du nicht, daß ich mit dir unter vier Augen sprechen will! ­wiederholt sie mit vorgebeugtem Kopf und leidenschaftlichem Tonfall. Szerb zuckt erschrocken mit den Ohren, so grell erscheint ihm plötzlich ihre Stimme. - Mit mir kann man heute nur hier sprechen - sagt Borbolya und erbleicht. - Es ist die letzte Gelegenheit, die ich dir biete - setzt er drohend hinzu. - Küßdihand, befehlen Sie Platz zu nehmen, womit kann ich dienen? - Der dicke Kellner hat einen Stuhl gebracht und schiebt ihn unter das junge

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