Déry Tibor: Kék üvegfigurák. Elbeszélések 1920–1929. Versek 1916–1937 (Déry Archívum 2. Magyar Irodalmi Múzeum, Budapest, 1998)
Erzählungen
einholen. Sie schwitzten, waren sehr müde und wollten den nächsten Tag abwarten. Die Jüngste schlug die Flügel zusammen und sank in den Schatten eines Baumes, wie die Bienen. Die Zweite blieb mit klirrenden Füssen in den Telefondrähten stecken. Doch der Ältesten Brust füllte sich mit blauem Licht, sie starrte erschrocken auf den tanzenden Bauch des Schattens und auf seine durchsichtige Zunge, die in Spiralbewegungen die Luft durchzog. - Bu-bu! - brüllte sie auf der Anhöhe, wie ein erschrockenes und rachedürstendes Kalb, und auch die anderen Glasfiguren schauten entsetzt auf die sich in der Ferne verlierende, tanzende Gestalt. Der Schatten schwamm über einen gedeckten Tisch, die Stirnen der Gäste bewölkten sich. - Viellecht wird es regnen! - sagte der Brautvater und schaute auf den Himmel, wo keine Wolken lagen, aber auch kein Mond und keine Sterne. Die Braut erschauerte vor Kälte und wandte sich vom Bräutigam ab. - Man muss das Licht anzünden! - sagte eine Stimme, aber das elektrische Licht brannte nicht, nur die Früchte der Bäume leuchteten mit dunkler Glut über der Laube. Die Glasfuguren befürchteten eine neue Freveltat und stürzten noch einmal mit müdem Marsch vor. - ... eine achtungswürdige und grosse Feier ... - sagte der Redner, der das junge Ehepaar begrüsste. Er schüttelte sein rotes Korallenherz, aus dem Wohlwollen und Liebenswürdigkeit strahlten. - ... ich liebe dich ... - sagte der Bräutigam träumerisch in der Richtung der Sträucher. - ... das Fleisch des Lämmchen war zart und der Pfirsich wie ein Traum ... - sagte der Schwager und dachte an die Gazellen, die in Afrika frei leben und graziöser sind als seine Frau. Die Mütter zeigten sich die neuen Lichtbilder, die der emsige Fotograf noch vor der Abenddämmerung abgeliefert hatte. Die Radiumsterne auf den Stirnen des neuen Paares hatte er aus Herzensgüte nicht separat berechnet. War doch jedermann zuvorkommend, dankbar und zart und mit guten Wünschen überfüllt, wie des Vaters Herz mit Stolz. Das war der gegebene Moment für den Schatten. - Bitte um ein Stück Torte und um eine Rose! - sagte er zum Stubenmädchen, riss es ihr aus der Hand und verschlang es. - Bitte um eine Handvoll Braten - sagte er der Köchin, die mit tränenden Augen die Braut betrachtete. Riss den Braten aus dem Rohr und schob ihn samt Schüssel hinunter. - Bitte um einen Heller! - sagte er dem Ehrengreis, stach mit den Fingern in seine Flanken und schlürfte das herausfliessende Gold ein. - Erbarmen! - sagte er der hässlichen Schwägerin, die alte Jungfer war und im Kino immer weinte. Schluckte sie in einem Stück herunter.