Déry Tibor: Kék üvegfigurák. Elbeszélések 1920–1929. Versek 1916–1937 (Déry Archívum 2. Magyar Irodalmi Múzeum, Budapest, 1998)

Erzählungen

ihn wieder zurück. Jeden Tag schlachteten sie ein weisses Zicklein und garnierten es mit duftenden Walderdbeeren. Der Fotograf sagte dem Gefängniswärter, der ihn im Frack und weissen Lederhandschuhen bewachte. - Ich werde sterben, wenn du mich nicht frei lässt. ­Er weinte, frass Erde und lief den ganzen Tag neben der Mauer auf und ab. Er riss sich das Haar aus. Die Männer wurden traurig, wenn sie ihn erblickten. Doch die grausamen Frauen liessen ihn nicht frei. Der Vogel kreiste schadenfroh zwischen den Türmen der Stadt, eilte mit leisem Schwirren in die Berge. Im Herbst brachte man die Ernte ein. Alle waren betrunken. Der Fotograf kroch auf das Hausdach, sprang in den Graben hinunter und schwamm unter Wasser mit den Karpfen ins Freie. Er lief geraden Weges zum Vogel und kniete sich jammernd vor ihm nieder. Der Vogel wohnte auf dem Gipfel des Berges. Einige Graben weiter baute sich der Fotograf ein grosses Haus und umzäunte es sorgfaltig mit einer niederen Steinmauer. Als er aufwachte und auf das Dach kletterte, erblickte er in der Nachbarschaft bereits ein neues Haus und unten aus dem Tale schlängelte sich ein langer schwarzer Zug den Abhang hinauf. Er schloss sich in das Zimmer ein, aber die Maurer hämmerten draussen so stark, dass er nachts nicht schlafen konnte. Auf dem Fensterbrett sass er, schaukelte die Beine und schaute mit geschlossenen Augen auf die in elektrischem Licht wachsende Stadt. Am Morgen rief er den Polier zu sich. - Hier ist ein Eimer voll geronnenen Blutes - sagte er - misch es in das Malter! - Die Menschen wunderten sich, dass die Mauern im Sonnenschein lautlos zusammenbrachen. Der Fotograf wanderte auf der Dachtraufe, mit tränenden Augen suchte er den Vogel und streckte sehnsüchtig seine mageren Arme aus. Frühmorgens ging er in den Wald, in der Mitte des Waldes war eine Lichtung, in der Lichtung eine Quelle, unter der Quelle schwammen die Neugeborenen mit geschlossenen Augen. Der Fotograf ging von Haus zu Haus und zeichnete mit Kreide Kreuze auf die Haustüren. Dort, wo er zwei Kreuze zeichnete, kamen Zwillinge zur Welt. Aber das geronnene Blut ging aus und die Menschen erbauten die Stadt. Jeden Tag kamen neue Reisende in elektrischen Maschinen an, kreisten über dem Gipfel wie die Fledermäuse, stiegen in Scheinwerferlicht auf die Lichtungen nieder. In den grossen Hotels lärmte die Menge, nachts assen sie auf den Terrassen Gefrorenes und unter Bogenlampen tanzten die weisen Frauen. Der Fotograf konnte nicht schlafen. Am Morgen sagte er einem kranken Menschen: - Hauch die Stadt an und ich werde Dich heilen. Doch der Kranke wollte nicht. Dann ging er zum Portier des Hotels und warf sich vor ihm auf die Knie. - Fürchterlicher Engel! - sagte er - ich habe meine Geliebte verloren. Wenn du deine Tore schliessest, werde ich sie wiederfinden! -

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