Török Dalma (szerk.): Mantel der Traume. Ungarische Schriftsteller erleben Wien, 1873-1936 (Budapest, 2011)
Studien - Ilona Sármány-Parsons: Symbiose und distanz
Ungarische Künstler übernahmen immer bedeutendere und umfassendere Aufgaben und führten diese auf einem hohen künstlerischen Niveau aus. Innerhalb eines halben Jahrhunderts wurden so die modernen urbanen Zentren Ungarns, in Budapest sowie den bedeutendsten ungarischen Städten, erschaffen, dazu gehörten sowohl die emble- matischen öffentlichen Gebäude als auch die Wohnhäuser in deren Umgebung. In Ungarn war die zweite Hälfte des „langen“ 19. Jahrhunderts für die bildende Kunst die Zeit, welche die Maßstäbe einer visuellen Kultur bestimmte, von deren Erbe man in Ungarn vielfach heute noch lebt. Die Symbiose in der künstlerischen Ausbildung Wien war, selbst wenn auch andere europäische kulturelle Zentren - wie beispielsweise München - ins Blickfeld der Studierenden rückten, bis in die I 880er Jahre ein fast unumgänglicher Bezugspunkt für jeden Zweig der bildenden Kunst. In der Zeit des Dualismus aber änderte sich das Verhältnis der ungarischen Kunst und Intelligenz zur Stadt allmählich. Es handelte sich dabei um einen kontinuierlichen Emanzipationsprozess, der zur Jahrhundertwende bereits zu einer nahezu vollständigen Unabhängigkeit voneinander führte. Architektur Von den I 860er Jahren bis zum Auftreten der Secession dominierte in Wien und Budapest - wie auch in den Mittelund Kleinstädten Österreich-Ungarns - der Historismus im Stil der neu errichteten öffentlichen Monumentalbauten und der repräsentativen Wohngebäude. Als Erbe der Romantik versuchte jede der europäischen Nationen, ihr Selbstbild in der Art zu formen, dass sie sich auf das Erbe ihrer Vergangenheit stützte, das moderne nationale Erscheinungsbild mehr oder weniger bewusst und mit dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit gestaltete. Obschon auf der Palette der ungarischen Kultur die Literatur dominierte, kamen bei der Identitätssuche auch anderen Bereichen bewusstseinsformende Rollen zu. Das Erbe der Architektur, die gebaute Umwelt und der Stil der bedeutenden Gebäude des Landes waren feste Bestandteile der aus der Vergangenheit ererbten Werte.2 Die Inspirationen schöpfte man aus verschiedenen historischen Stilrichtungen. Man konnte die Massenverteilung der historischen Modelle, die als Muster dienten, ihre Lösungen im Grundriss und in der Konstruktion sowie ihre Ornamentik nach Belieben übernehmen und sie den modernen technischen Lösungen der neuen Gebäude anpassen. Im Laufe des Jahrhunderts war es je nach Nation unterschiedlich, wann welcher Stil eher die nationale und nachahmenswerte Tradition 76