Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)

9. Über das Antidotarium des Barholomaeus Squarcialupis de Plumbino

ÜBER DAS ANTIDOTARIUM DES BARTHOLOMAEUS SQUARCIALUPIS DE PLUMBINO* Man darf heute gewissermaßen über eine „Rehabilitation" des Mittelalters in der Geschichte der Medizin und Pharmazie sprechen. Das große Interesse zeigt u. a., daß die Arzneimittel des Mittelalters — schon ganz abgesehen von den Drogen die noch heutzutage Bestandteile modernster Medikation bilden — Gegenstand moderner experimenteller Untersuchungen sind. Quellenkundliche Forschungen bilden das Fundament zu weiteren Untersuchungen. Je mehr handschriftliche Fassungen, insbesonders Urtexte der Forschung zugänglich gemacht werden, je reicher wird das Bild, das man sich mosaikhaft zusammenlegen kann. Es dürfte deshalb die textkritische Edition jeder mittelalterlichen Rezeptsammlung von Bedeutung sein. Und dies auch dann, wenn diese vom pharmaziegschichtlichem Blickpunkt vorerst nicht allzu bedeutend erscheinen. O. Bess er hat u. a. darauf hingewiesen, daß viele Urteile in der Geschichte der mittelalterlichen Drogenkunde korrigiert werden müssen 1. Prinzipiell ist also jedes mittelalterliche Antidotarium zu veröffentlichen, wo immer möglich ist ihr Wortlaut in extenso mitzuteilen. Vor kurzem habe ich über eine unveröffentlichte Handschrift der Wiener Nationalbiblio­thek Nachricht gegeben 2 Es handelt sich um das, zwischen den Jahren 1429 und 1437 fertig­gestellte, und dem deutsch-römischen Kaiser und ungarischen König Siegmund gewidmete Werk ,,Colçodéi seu Uber de peste" (Sign. Cod. lat. 2349) des Bartholomaues Squarcialupis de Plumbino, eines wenig bekannten Ragusaner Arztes 3. Das Manuskript besteht aus zwei eigentlich selbständigen Teilen. Fol. lr-45v enthält eine Pestabhandlung. Auf Fol. 46r: ,,Incipit antidotarium Colçodéi Bartoli de squarcialupis de plumbino in quo ponuntur medicine simplices advenientes in peste" und endet auf Fol. 55v mit der Abbildung und Beschreibung eines Riechapfels. Fol. 54r begegnen wir noch zwei Miniaturen: einem Destillierapparat und einem Fumigationsapparat. Keineswegs sind es aber nur die Simplicia, die da behandelt werden, wie das später ersichtlich wird. * Ersch. in: Zur Gesch. d. Pharm. 4 (1961) 28—29. und 1 (1962) 7. 1 Bess er, O. : Neue Beiträge zur Geschichte der mittelalterlichen Drogenkunde, in: Sonderdruck aus ,,Veröffentl. d. Internat. Gesellschaft f. Gesch. d. Pharmazie", Bd. 10. 2 Schultheisz, E.: Colçodéi seu Uber de peste des Bartholomaeus Squarcialupis de Plumbino, in: Sudhoffs Archiv, Bd. 44, 1960, 333-340. 3 Zur Zeit der Bearbeitung dieses Manuskriptes war mir ein Teil der Literatur nicht zugänglich. Da der Meister Bartholomaeus Squarcialupis de Plumbino in dem mir zugänglichen Schrifttum nicht figurierte und die seine Per­son betreffenden an die Herren Prof. Diepgen und Eis gerichteten Anfragen auch negativ ausfielen, nahm ich an, der Meister Bartholo Squarcialupis sei in der Medizingeschichte unbekannt. Für die Korrektur diese meiner feh­lerhaften Angabe, sowie für Hinweise auf die entsprechenden — mir leider noch immer unzugänglich gebliebenen — Quellen schulde ich Herrn Prof. Grmek, der selber Daten übe den Meister von Plumbino ans Tageslicht gefor­dert hat, aufrichtigen Dank.

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