Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)

8. Colçodéi seu liber de peste des Bartholomaçus Squarcialupis de Plumbino

57 sicheres Urteil über den Verlauf der Pest fällen können, so ist die Astrologie keinesfalls befä­higt, etwas über die Prognose der Krankheit auszusagen: ,,Praeterea astronomia non patet verum iudicium facere de peste futura alicui" (fol. 36b). Diese Behauptung ist um so höher zu veranschlagen, als im ausgehenden Mittelalter bekanntlich die namhaftesten Ärzte sich der Hilfe der Astrologie bedienten 1 8, Bartholo de Plumbino zeigt sich auch in dieser Hin­sicht als ein rationalempirisch denkender Gelehrter, frei von der Mystik seiner Zeit, was nicht bedeuten soll, daß im Antidotarium keine magischen Elemente zu finden wären. Auch die größten Persönlichkeiten der Medizin des Spätmittelalters sind der Astrologie verfallen. Selbst der so nüchterne und selbständige Sigmund Albich entgleist in die Astrologie, sowohl was die Therapie, die dies fausti und dies critici oder aegyptiaci wie auch, was die Prognose anbelangt 1 9. Die eigentliche Pestschrift endet mit diesem Excurs über die Prognose. Es folgt das Antidotarium, in welchem zur Beseitigung der Krankheit eine Reihe von ver­schiedenen Arzneien aufgezählt wird. Es sind hauptsächlich Pillen aus aromatischen und harzartigen Stoffen. Eine ausführliche Besprechung des Antidotarium folgt anderen Ortes. Ich möchte aber schon an dieser Stelle auf den möglichen Einfluß des Antidotarium von Bartholus de Plumbino auf den Uber Mediciná iųm des ebenfalls aus Italien stammenden und in Ungarn tätig gewesenen Arztes Bartholomaçus de Montignana 2 0 hinweisen. Am Ende des Antidotarium wird auf die Fumigation eingegangen. Wie bekannt, ist dieses Ver­fahren bis ins 19. Jahrhundert aus der Ausrüstung des Pestarztes nicht wegzudenken. Mit dem Bild und der Beschreibung des Fumigationsapparates endet die interessante, bisher un­veröffentlichte Handschrift. Der Verfasser Bartholomaeus Squarcialupis de Plumbino zeigt sich als ein Mann, der mit nüchternem Sinne eigene Beobachtung und Erfahrung zur Grundlage seiner Ausführungen machte. Er beherrscht die Literatur, zitiert aber nur selten die Schriften der antiken und ara­bischen Autoritäten, ohne dabei einen besonders durch rühmende Beiworte hervorzuheben. Bemerkenswert ist, daß er auch die zeitgenössischen Gelehrten nicht vernachlässigt und sich sogar auf persönliche Mitteilungen z.B. des Ugolino de Monte-Catino beruft. Weitere For­schungen müssen noch Lebenslauf und Tätigkeit des Bartholus de Plumbino aufdecken 2 1. 1 8 Vgl. ,,Arnald¡ de Villa Nova parva et generális introductio ad judicia astronomiae ad međieųrn introducendum", eine kürzlich beschriebene Handschrift, wahrscheinlich ein Teil der Astronomia (Opera, 1504) des Arnaldus. Lynn Thorndike: Notes on Medical Texts in Mss at London and Oxford, Janųs 48 (1959), 146. 1 9 Sudhoff: Pestschriften nach der Epidemie des „Schwarzen Todes" 1348, Arch. Gesch. Med. 7 (1914), 89ff. 2 0 Der „Antidotarius secundum ordinem Alphabet¡ celeberrimi medicine Doctoris Bartholomaei de Mont¡ana" wurde im Jahre 1473 in Ungarn von Paulus Wenige beendet. Näheres s. Magyary-Kossa: Ungarische medizini­sche Erinnerungen. Budapest 1931, Bd. 3, 383. Mont¡ana wird auch Montiniana und Montignana geschrieben. 2 1 Im 16. Jahrhundert lebte ein Marcellus Camillus Squarcialupis de Plumbino in Ungarn, ebenfalls Arzt. Ob er in Verwandtschaft mit unserem Meister Bartholomaeus steht, ist vorläufig/licht zu entscheiden. Vgl. Weszprémi: Succincta Medicorum Hungáriáé et Transsilvaniae Biographia. Bd. I. Budapest, 1960. 348.

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