Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)

4. Ein spätmittelalterliches medizinisches Handschriftenfragment

30 darnach zu kalt wasser geet und damit hegeųst So siecht die kei n In und die pory werđñ ver­shopt dauon wir der Rit... (fol. 26 r —26 v). Der Beschreibung des alltäglichen Schüttel­frostes folgt eine Abhandlung über die Malaria tertiana: der rit über den anderen tag haisst Tertiana... (fol. 27 r). Unmittelbar danach erwähnt das Manuskript den weisen Meister von Prag: ...das lernt mich zu präg ain wais Maister... Die Ruhrepidemien bedeuten eines der größten ärztlichen Probleme des Mittelalters. Es ist daher verständlich, daß die Handschrift sich sehr viel mit der rot rur beschäftigt. Die letzte Seite, die sich bis zur Mitte von fol. 28 r erstreckt, enthält zwei Rezepte gegen die Ruhr, womit auch dies interessante Fragment endet. Das letzte Rezept lautet: Nym Aych ein schusling Die desselbigen Jares sind auskommen und prieĥs Im ersten May und prenn Sy aus durch ain Rosenhut und gibs dem sieheñ zwei oder drey tag ze trinken ain wenig er wir ge­sunt an der ruer. Es kann ohne Zweifel festgestellt werden, daß die geschilderte Handschrift eine Variante der Regimina in Prosa ist. Der Stil zeigt viel Ähnlichkeit mit den deutschsprachigen Handschriften des Albicus, in erster Linie mit jenem des Puch der erczney. Bezeichnend ist für Albich, zeugt aber zumindest von seinem Einfluß, daß in unsrem Manuskript bei keinem der zitierten klassischen Autoren, an keine einzigen Stelle, lobende Attribute zu finden sind (Villanova ausgenommen). Die wiederholte Betonung der gesundheitsfördernden Wirkung des Bades, des Heileffektes des Wassers ist hauptsächlich im ursprünglichen Regimen Saler­nitanum zu finden. Die späteren scholastischen Kommentatoren schreiben bereits mehr über die Gefahren des Bades als über dessen Heilwirkung. Diese „moderne" Anschauung übers Baden, die das Manuskript vertritt (siehe besonders fol. 14), ist gut zu vereinbaren mit Albichs Vorliebe für natürliche Heilmethoden. Wir wis­sen, daß Albicus die Bedeutung der Hautporen gut kennt. Damit befaßt sich unsere Handschrift ausführlich. Das Kapitel über den Aderlaß (fol. 15 r) ist ebenfalls in Albichs Geist geschrieben. Wir begegnen hier der Aufzählung der schädlichen Wirkungen des Ader­lasses öfter als der Anführung der günstigen Erfolge. Wie bekannt, warnt Albich auch im Ve­ųláriųs wiederholt vor übermäßiger Anwendung der venaesectio. Ähnliche Äußerungen fin­den wir auch in seiner Leipziger Handschrift 2 1 Schon Sudhoff hat in seiner Abhandlung über die Petschriften des Albich 2 2 die Aufmerksamkeit auf jenen auffallenden Umstand ge­lenkt, welch weitgehende Beachtung Albich den geographischen und ethnologischen Ver­hältnissen schenkt. Albicus stellt die diätetischen und sanitären Sitten und Gewohnheiten der einzelnen Nationen einander gegenüber. Diese Distinktionen können wir in unserem Ma­nuskript sogar an zwei Stellen finden: fol. 11 r, wo der Verfasser von der Verschiedenheit der einzelnen Nationen im allgemeinen spricht, und fol. 18 v, wo er von den in diesem Lande üb­lichen Speisen redet. Unser Manuskript befaßt sich auch mit der Wohnungshygiene (fol. 18 r), was zu jener Zeit ziemlich ungewohnt, wenn auch nicht ohne Beispiel war. Mit der Luft, auch mit der Luft der Wohnung befaßt sich unter anderen auch der von Arnald von Villanova geschriebene Kommentar sowie die Practica Bartholomaei, doch erwähnt die Bodenverhält­nisse, die hygienische Bedeutung der Erdböden des Zimmers nur Albicus im Münchener 2 1 Im Ms. 1200. 2 2 Sudhoff: in: Arch. Gesch. d. Med. 7 (1914), 69 ff.

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