József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Lecturis salutem (S. Fekete, E. Schultheisz)

LECTURIS SALUTEM Beim Eintritt in das Gebäude, in dem dieses Museum untergebracht wurde, in das Geburtshaus von Ignác Semmelweis, dem Retter der Mütter, wollen wir dem Besucher, der diesen Band zur Hand nimmt, aufs herzlichste begrüßen. In vielen europäischen Ländern gibt es Sammlungen für die Geschichte der Medizin. So war es nicht nur begründet, sondern auch aktuell, in Ungarn ein medizinhistorisches Museum zu gründen. Vorlesungen über die Geschichte der Medizin sind in unserer Heimat ein unverbindliches Unterrichtsfach der Univer­sität. Darum obliegt es zum Teil dem Museum für die Geschichte der Medizin „Ignác Semmelweis", die heranwachsenden Generationen der Ärzte mit der Vergangenheit der Heilkunde bekannt zu machen und ihnen auch dadurch die Voraussetzungen für das Bewußtsein der historischen Überlieferungen und der moralischen Verpflichtungen des Ärztestandes zu vermitteln. Es erübrigt sich, die Notwendigkeit des Museums gebildeten Menschen na­hezulegen, ist es doch heute unvorstellbar, eine Disziplin ohne Kenntnis ihrer Entwicklungsgeschichte zu pflegen. Die Geschichte der Medizin ist ein orga­nischer und unveräußerlicher Teil der universalen Wissenschaftsgeschichte. Wenn wir die Geschichte der Wissenschaft als berechtigt anerkennen, so ist auch ein Überlick über die historische Entwicklung der Medizin unerläßlich. Neben der Erschließung der allgemeinen Zusammenhänge hat die Ge­schichte der Medizin — und in ihrem Rahmen das Museum für die Geschichte der medizinischen Wissenschaften — seine besondere Bedeutung. Die Genera­tion von heute erhält die bisherigen Ergebnisse der medizinischen Wissenschaf­ten fertig zur Hand. Ohne den Einblick in die Vergangenheit wüßte sie nicht, welche Mühe, Opfer und Findigkeit notwendig waren, um den gegenwärtigen Entwicklungsstand der Medizin zu erreichen. In Ungarn wurde die Entfaltung der Medizin und der medizinischen Fach­literatur zur Zeit der Türkenherrschaft und der ständischen Freiheitskämpfe in bedeutendem Maße beeinträchtigt. Es fehlte nicht an hervorragenden Kräften, aber das Gesundheitswesen, be­sonders aber die Versorgung mit Krankenhäusern blieb im Vergleich zu den westeuropäischen Ländern sehr rückständig. Ein Grund dafür war materieller Natur, ein weiterer das mangelnde Verständnis, das sowohl in den führenden 7

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