József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Aus der Geschichte der Medizin und der Pharmazie Ausstellungsführer (J. Antall, K. Kapronczay, Z. Pataki, M. Szlatky, M. Vida)

Barbiers und übten nur eine manuelle Heiltätigkeit aus. Die Mediziner dagegen, die im Beistz naturwissenschaftlicher Kenntnisse waren, die sie sich an der Universität angeeignet hatten, leisteten vor allem eine der heutigen inneren Medizin ähnelnde Arbeit und verrichteten im allgemeinen eine ernste lite­rarisch-wissenschaftliche Tätigkeit. b ) Vesal und die Anatomie der Neuzeit Andreas Vesal (1514—1564), der Begründer der Anatomie der Neuzeit, war der Sohn des Brüsseler Hofapothekers. Von Jugend auf interessierte er sich für die Naturwissenschaften, insbesondere für die Anatomie. Seine Ausbildung begann er in Loųvain, seine medizinischen Studien absolvierte er an der berühmten Pariser Universität sowie in Loųvain und in Brüssel. Den Doktor­titel erlangte er 1537 in Padua. An der gleichen Universität erhielt er im Alter von 23 Jahren den Lehrstuhl für Chirurgie und Anatomie. Er arbeitete mit unglaublicher Energie und Intensität und stellte am 1. August 1542 das Manus­kript seines großen, grundlegenden Werkes „De humani corporis fabrica libri septem" fertig. Sein epochemachendes Buch erschien zum ersten Mal 1543 mit 663 Folioseiten und 300 Holzschnitten. 167, Vesals höchstes Verdienst ist es, daß er die Anatomie von den durch Galen j n ihr verwurzelten, aus der Tieranalogie entstandenen falschen und unhalt­baren Anschauungen befreit hat. Besondere Erwähnung verdient der Künstler, dem wir die Schnitte verdanken. Über seine Person konnten sich die Forscher bis heute nicht einigen. Die Holzschnitte wurden aller Wahrscheinlichkeit nach von einem Landsmann Vesals, dem zur 7Yz/ö«-Schule gehörenden Jan Stephan von Calcar (1499—1564) geschaffen, doch sind einige auch der Mei­nung, Tizian selbst habe bei dieser Arbeit mitgewirkt. Unsere Ausstellung zeigt ein Exemplar des berühmten Werkes von Vesal, das 1551 in Nürnberg verlegt wurde. Davor steht eine spätere anatomische Holzschnitzerei, aus dem 17.—18. Jahrhundert. Daneben finden wir zwei sehr interessante und auseinandernehmbare gynäkologische Lehrfiguren aus Elfen­bein aus dem 17. Jahrhundert, deren anatomischer Aufbau — vom medizi­nischen Standpunkt aus untersucht — auf Kenntnisse vor Vesal, deren Stil­merkmale jedoch auf die Mitte des 17. Jahrhunderts hinweisen. Sie sind eine Arbeit des berühmten Nürnberger Elfenbeinschnitzers Stephan Zick (1639— 1715). Der Anatomieunterricht an den Universitäten wird illustriert mit dem Kupferstich des Leydener Theatrum Anatomicum, eine Arbeit von Jacobųs Ħarrewijn (um 1660—nach 1732). Ein für die anatomische Anschauung cha­rakteristisches Beispiel ist der Selbstbildnis-Entwurf von Albrecht Dürer (1471—1528). Im Hintergrund das Ärztediplom von Valerius Be la us, aus­gestellt im Jahre 1575 in Venedig. 38

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