József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Der Lebensweg von Ignác Semmelweis, 1818—1865 (J. Antall)

18 1861, Semmelweis'' Arbeit „ Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers ". Dieser Band enthält alles, was wir über die Geschichte seiner Entdeckung, über die Diskussionen, Zweifel und Erfolge von Semmelweis wissen. Dieses Werk ist eine gründliche medizinische Arbeit, zugleich aber eine exakte statistische Studie, eine in ungezwungenem Ton gehaltene Denkschrift und ironische Streitschrift. Alsbald bedrängte Semmelweis mit offenen Briefen in deutscher Sprache seine Widersacher (1861—62). Sein Ton wurde immer schärfer, denn wenige Dinge konnten einen Menschen wie ihn, der sich der Wahrheit bewußt war, so aus der Fassung bringen, wie das Unverständnis, dem er begegnete. Spaeth, Siebold und Scanzoni waren seine Hauptwidersacher. An letzteren schrieb er: „...Herr Hofrath haben bewiesen, dass man trotz einem neuen, mit besten Einrichtungen versehenen Gebärhause, im Punkte des Mordens Vieles leisten kann, wenn man nur die nötĥigen Eigenschaften dazu besitzt ." Unter seinen Gegenern befanden sich auch Mitglieder der franzö­sischen Akademie und Virchow. KRANKHEIT UND TOD Seine letzten Lebensjahre vergingen im Wechsel von zornigen Aufwallungen und Melancholie. Inzwischen aber wirkte er weiter und war auch theoretisch auf dem Gebiet der aufkommenden Frauenheilkunde tätig. Einigen Trost bot ihm die Anerkennung durch den Sankt Petersburger Ärzteverein. Mitte Juli 1865 zeigten sich in seinem Verhalten Anzeichen der Geistesstörung, wie zum Beispiel der Vorfall, daß er bei einer Abstimmung der Professoren der medizinischen Fakultät statt seiner Stimmabgabe die Formel des Hebammeneides verlas. Er wurde nach Hause gebracht. Balassa, Bókaÿ und Wägñer, die hervorragendsten Professoren der Pester Universität, traten zu einem Konsilium zusammen. Am 31. Juli wurde er nach Wien gebracht, wo ihn Hebra in die Irrenanstalt begleite­te. Diese wollte Semmelweis einmal mit Gewalt verlassen, wurde jedoch daran gehindert. Knapp zwei Wochen später, am 13. August 1865, verschied er. Die sich mit seiner Krankheit und seinem Tod beschäftigende Semmelweis­Fachliteratur der vergangenen zwei Jahrzehnte ist ziemlich unverhältnismäßig angewachsen, deren eingehende Darlegung wollen wir jedoch an dieser Stelle umgehen. Die unmittelbare Ursache seines Todes soll eine Verletzung gewesen sein, die er sich einige Tage vor der Szene mit dem Hebammeneid bei einer Operation am Mittelfinger der rechten Hand zugezogen hatte. Die Wunde begann zu eitern, sein Arm zu schwellen und er bekam Anfälle. Der Krankheitsprozeß griff dann auf den ganzen Organismus über, so daß die Obduktion eine Blut­vergiftung attestierte. So war die Ursache seines frühen Ablebens im wesent­lichen dieselbe wie die der Wöchnerinnen, für die er sein ganzes Leben lang 26

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