József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Der Lebensweg von Ignác Semmelweis, 1818—1865 (J. Antall)

weis hatte in den Frühjahrsmonaten nur Mitglied der Nationalgarde sein kön­nen. Hätte Semmelweis in dieser Phase aktiver an den Ereignissen teilgenom­men, hätten die Verkörperer der Reaktion, Rosas und Klein , leichtes Spiel gehabt, mit den Reformern — unter ihnen in erster Linie Semmelweis — ab­zurechnen. So konnte er jedoch weiterhin seiner ärtzlichen Berufung nachgehen und kämpfte für die Geltendmachung seiner Wahrheit. Es wäre gleicherweise falsch, wenn wir ihn grundlos — ohne an seiner Sympathie zu zweifeln — als Meister des revolutionären Standhaltens oder umgekehrt, in den Tagen des Kampfes seines Volkes auf Leben und Tod, als untreu bezeichenen würden. Semmelweis Auftrag als Adjunkt ging am 20. März 1849 zu Ende, Klein und Rosas waren nicht gewillt, ihn zu verlängern. Später suchte er um eine Privat­dozentur an (9. Februar 1850) und bat darum, an Leichen und Phantomen demonstrieren zu dürfen. In seiner nächsten Eingabe (9. Mai) begnügte er sich bereits damit, bis zur „Regelung der Leichenfrage" nur an Puppen zu unter­richten. Auf Drängen seiner Freunde hielt er am 15. März — unter dem Vorsitz von Rokitansky — einen Vortrag in der Wiener Ärztevereinigung. Zum Thema des Kindbettfiebers wurden noch zwei weitere Diskussionsversammlungen ab­gehalten. Semmelweis wurde in seinen letzten Wiener Monaten sowohl aner­kannt als auch angegriffen. Am 10. Oktober endlich erhielt er seine Ernennung als Privatdozent mit der Einschränkung, „daß ich meine Demonstrationen und Übungen art Phantomen druchßihren muß". Noch im selben Monat verließ er plötzlich Wien und kehrte zurück nach Pest. Viele halten die ihm zugefügten Kränkungen nicht für das Überzeugeden Argument seiner Rückkehr. Zwischendurch — wie ein an Markusovszky gerichteter Brief daraufhinweist — war er zu Hause gewesen. Es ist nicht aus­geschlossen, daß die sich sammelnde „Pester Schule" und auch Balassa und Markusovszky ihn zur Rückkehr bewegten. Viel Gutes fand er aber auch hier nicht vor. Seine Freunde, die hervorragendsten Persönlichkeiten der Pester Schule, kamen ihrer Pflicht für das neuentstehende bürgerliche Ungarn nach und dienten später, nach Ausbruch der bewaffneten Kämpfe, im militärischen Dienst. Nach dem August 1849, nach der Kapitulation von Világos, folgten schwere Jahre. Balassas Gesellschaft aber ersetzte bald die vom Wiener Neoabsolutis­mus verbotenen und dann in den Hintergrund gedrängten gesellschaftlichen Organisationen und wissenschaftlichen Institute. Eine immer drückender wer­dende Sorge war das Fehlen der medizinischen Fachpresse, nachdem das Ärzte­magazin (Orvosi Tár) 1849 eingestellt wurde. Im Jahre 1857 gelang es dann endlich — in der Redaktion von Markusovszky —, das Ärztliche Wochenblatt (Orvosi Hetilap) herauszugeben, das dann zum Forum der Pester Schule wurde. Hier setzte auch Balassa seine fachliterarische Tätigkeit in ungarischer Sprache fort und hier erschienen auch erstmals die Arbeiten von Semmelweis . Balassa hielt den Kreis großzügig zusammen, war sein „Präsident", der wahre Organi­24

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