Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti közlemények 214-217. (Budapest, 2011)
KÖZLEMÉNYEK - Makovitzky, Josef: Connection between Lev Tolstoy and Dusan Makovicky
116 Comm, de Hist. Artis Med. 214—217 (2011) der Medizin in Budapest) mit der Begründung, dass diese Sprache für die Tochter und die Söhne unverständlich sei. Das war für ihn eine Absicherung, da er zunehmend mit Erbfragen bedrängt wurde. Der Wert seines Tagebuches liegt auch darin, dass er die Äußerungen von Tolstoi gesammelt und geordnet hat, sowohl dessen Meinungen über Moral, Religion, Philosophie, Erziehung und Literatur als auch die Anschauungen über die Welt- und russische Politik sowie über soziale und Nationalitäten-Probleme. Tolstoi mischte sich nicht in die Nationalitäten-Probleme der k. u. k. Monarchie ein 1907 haben mehrere ungarische nationalistische Organisationen Dusan-Makovicky angegriffen und ihm unterstellt, dass er derjenige war, der Tolstoi gegen die Magyaren aufgehetzt habe. Das ist aber eine falsche Behauptung! Vorausgegangen ist, dass die Magyaren nach dem Ausgleich zwischen Österreich und dem rebellischen Ungarn (1867) die Autonomie der Zips und des Königsbodens aufgehoben haben. Trotz der - gemessen am damaligen Europa - fortschrittlichen Kulturgesetze (§ 44/1868) wurde in Ungarn eine intolerante Schul- und Nationalitätenpolitik eingeführt. Ein Beispiel dafür war, dass die slowakischsprachigen Schulen vom ungarischen Kultusminister geschlossen wurden; übrig blieben nur drei slowakische Gymnasien. Auch die Matica Slovenská in Turciansky Sväty Martin (Turócszentmárton, Turz-Sankt-Martin) wurde aufgelöst. Der ungarische Pfarrer Lajos (Ludwig) Geduly, Superintendent der evangelischen Kirche A.B. in Pressburg, stellte sich ganz offen gegen diese Intoleranz. In dieser Situation war das evangelische Lyzeum in Ödenburg (Sopron) eine Insel der Hoffnung. Neben dem slowakischen Selbstbildungszirkel war auch eine slowakische Schülerzeitung erlaubt, deren erster Redakteur Cyrill Makovicky war. Auch die europäische Presse beschäftigte sich 1907 mit der Lex Apponyi. Der große ungarische Dichter und Publizist Endre Ady hat in einer Kolumne in der Zeitung „Budapesti Napló“ im November 1907 Dusán Makovicky verteidigt, indem er die Wahrheit folgendermaßen formulierte: „Die neuen Glaubensbrüder (die Tolstoianer), die Veränderungen in Ungarn erreichen wollen, müssen entweder aussterben oder ihre Heimat verlassen.“ Durch Dusán Makovicky war Tolstoi über die (mittel-)europäischen und speziell die ungarischen Probleme bestens informiert, auch über die ungarische Literatur und Kunst. Andererseits konnte die Welt - dank Makovicky - auch Neuigkeiten aus der Umgebung von Tolstoi erfahren. Dusán Makovicky und Albert Skarvan (1869-1926) spielten eine sehr wichtige Rolle bei der Verbreitung der russischen Literatur im übrigen Europa. Mehrere Bücher von Tolstoi sind im Westen früher erschienen als in Russland. Dusán Makovicky übersetzte aus der russischen in die slowakische und ungarische Sprache. Umgekehrt wurden mehrere ungarische und slowakische Bücher von ihm in die russische Sprache übersetzt. So hat er auch Verse von Sándor Petőfi sowie Verse und Prosa von Endre Ady ins Russische übersetzt. Die Vorstellung, dass Tolstoi die Rechte aus seinen Büchern an das russische Volk abtreten solle (initiiert durch seinen persönlichen Sekretär Tschertkow), stieß in der Familie Tolstoi auf großes Unverständnis. Tolstois Frau Sofja (Sonja), geborene Behrs, 1844- 1919) hat dreißig Jahre lang seine Skizzen, Texte, Romane abgeschrieben, so z. B. den Roman „Krieg und Frieden“ sechsmal. Während dieser Arbeit hat sie ständig mit ihm dis