Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 206-209. (Budapest, 2009)

ADATTÁR — DOCUMENTS - Kapronczay, Katalin: Orvostörténeti vonatkozású kéziratok Luigi Ferdinando Marsigli (1658-1730) hagyatékából

246 Comm. de //ist. Artis Med. 206- 209 (2009) gibt, nämlich er soll besonders auf die schädlichen Folgen des Witterungswechsels aufpas­sen und vorsichtig sein. Bei Neuhäusel ist Marsigli wieder eine Verwundung zugeschlagen: ein geworfener Stein hat ihn am Kopf beschädigt, sein Kiefer ist gebrochen, er verlor einige Zähne, die ihn doch nur für einige Stunden kampfohnmächtig machten. Die nachher kommende Krankheit zeigte sich aber wieder tödlich. Beim Sturm der Fes­tung Ofen 1686 hat ein Geschoß seinen rechten Arm zerschmettert. Die langsame Heilung der Wunde und der dadurch unbeweglich gewordene Arm haben ihn verbittert, weil sogar die Gefahr der Amputation auftauchte. „Es hang mein Arm, als wenn er aus Blei gewesen wäre" - schreibt er in seinen Memoiren. Nach einigen Quellen hat der berühmte Chirurg Fabbri ihn mit guten Ratschlägen versehen, die wirkungsvoll für die Genesung wurden. Obwohl er in den letzten entscheidenden Kämpfen an der Rücknahme der Festung sich nicht mehr beteiligen konnte, diente er doch wieder im folgenden Jahr in gewohnter Aktivität seinem Kaiser. Marsigli über die Pestilenz Unter der großen Menge seiner Handschriften, die in Bologna aufbewahrt sind, befindet sich das als „Pesttraktat" genannte Fleft mit dem Titel: La natura della pesle in Turchia con piu esemplari occorsi al C. Luigi Ferd. Marsigli essendo in essa (Die Natur der Pestilenz in der Türkei auf Grund von ereigneten Fällen, beschrieben durch C. Luigi Ferdinand Marsi­gli). Diese Handschrift wurde von den Forschern, auch von den Medizinhistorikern, relativ spät entdeckt. Endre Veress hat am Anfang des 2o. Jahrhunderts die Schriften mit ungari­scher Beziehung katalogisiert, aber auch er übersah das Heft, und war der Meinung, - wahr­scheinlich vom Titel ausgegangen - es weist keine ungarischen Beziehungen auf. Das war aber ein Irrtum. Zum Glück konnte der in Italien lebende ungarische Medizinhistoriker László Münster, der eingehend die Handschrift untersuchte, und seine auf Ungarn bezie­henden Teile klarlegte, mit größerem Glück den Text erschließen. Zu jener Zeit, - darunter er das Jahr 1700 und mit kleineren Lücken die darauf folgenden Jahre verstand, worauf sich der größte Teil der Handschrift bezieht, - meldete sich in mehreren Gebieten Siebenbürgens und Ungarns wieder die Pest. Marsigli leistete dort vom April 1699 bis zum März 1710 seinen Militärdienst. Nach dem Friedensschluss von Karlowitz (1699) beauftragte Kaiser Leopold II. Marsigli mit der Festsetzung der Grenzlinien bei Temeswar, welche Gegend eben eines der am meisten heimgesuchten Gebiete der Pestilenz war. Nicht nur die Bürger fürchteten sich vor dem schwarzen Tod, auch für die geschlossenen militärischen Lager hätte es keine gutzumachenden Folgen bedeutet, wenn irgendeine Seuche ausgebrochen wäre. Den großen Wert der Handschrift von Marsigli bildet neben den genauen Beobachtun­gen und Beschreibungen der einzelnen Krankheitsbilder, dass er uns mit den nützlichen und oft auffallend angemessenen Maßregeln bekannt macht, die er als militärischer Leiter an­ordnen musste, nicht nur seinen eigenen Untergestellten gegenüber, sondern auch die Ein­wohner betreffend, die in jener Gegend lebten. Diese Verordnungen hatten das Ziel der Verbreitung der Pest eine Grenze zu setzen. Genau genommen, waren diese prophylaktische Anordnungen die einzigen gegen diese gefährliche und andere Krankheiten.

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