Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 200-201. (Budapest, 2007)

KISEBB KÖZLEMÉNYEK — COMMUNICATIONS - KAPRONCZAY, Károly: Der „rebellische" Semmelweis. Der Pfarrer-Bruder des Ignaz Semmelweis - A „rebellis" Semmelweis. Semmelweis Ignác lelkész fivére

Überzeugung. Als Geistlicher durfte er nicht in die Nationalgarde eintreten, aber seine Um­gebung spornte er dazu an. Als die Heimat in Gefahr geriet, organisierte er selbst Geld- und Almosen-Sammeln für die Ausrüstung der Honvéd-Armee. Als die Regierung ihren Sitz nach Debrecen verlegte, konnte er seinen pfarramtlichen Posten nicht verlassen, aber mit großer Begeisterung nahm er die Rückkehr der Honvéds zur Befreiung der Städte Pest und Ofen gewahr. Diese Tatsache war stadtweit und allgemein bekannt. Als der Freiheitskampf niedergeschlagen wurde, und die Zeit der Repressalien eintrat, - wie man bis heute die mit dem Namen Haynau bezeichnete Terrorherrschaft nennt, - hat auch Karl Szemerényi die gewaltsamen Gegenmaßnahmen zu spüren bekommen. Sein Pfarrhabit beschützte ihn zwar vor dem Festnehmen, vor Kerker und dem schweren Urteil, doch nicht vor dem peinlichen Verhör und auch davor nicht, dass seine kirchlichen Vorsteher gezwungen waren eine strenge Strafe ihm zu erteilen. Karl Geringer, kaiserlicher Kommissar und Regent der Städte Pest und Ofen, bat in einem Brief vom 3. August 1849 Joseph Koncz, den Graner allgemeinen Vikar, der in Wien wirkte, dass er die „rebellsichen" Pfarrer, die sich an der ungarischen Revolution beteilig­ten, streng bestrafen soll. In diesem Brief sind neun katholische Pfarrer dem Namen nach erwähnt, an erster Stelle der Kaplan Karl Szereményi. Seine „Sünden" stehen bezeichnet: Parteiwerbung neben Kossuth und anderen Aufruhrern, dass er versuchte seine Gläubigen auf Seite der Revolution zu stellen, usw. Eine Kopie des Briefes schickte Geringer Haynau zu, mit der Bemerkung, wenn das Erzbistum Gran keine Strafe den Sündern auferlegt, das kaiserliche Strafgericht berechtigt sei, das zu tun. Das Graner Erzbistum hat schnell seinen Beschluss gefasst: Karl Szemerényi wurde auf sieben Jahre von der öffentlichen Ausübung seines Amtes enthoben, aber aus dem Priesterorden wurde er nicht ausgeschlossen; weiterhin durfte er vor den Gläubigen und der Gemeinde keine Messe lesen, keine Sakramente aushändigen, und auch keine kirchlichen Benefizien genießen. In der Wirklichkeit hat er sich vollkommen zurückgezogen, lebte aus seinem Erbteil und aus der Unterstützung seiner Geschwister. 1852 wurde er nach Wien gerufen, wo ihm die Stelle eines Hauserziehers bei der polnischen herzoglichen Familie Sugalkowski angeboten wurde. Diese Stelle hat er mit Freude angenommen, denn diese Ar­beit konnte ihm die Verpflegung sicherstellen, und so konnte er auch aus den Augen der Öffentlichkeit treten. Diese Situation dauerte bloß zwei Jahre lang, denn die Wiener Polizei „entdeckte" seine Anwesenheit und Tätigkeit, und fand sie gefährlich. Diese Tatsache hatte zur Folge, dass er aus der Kaiserstadt einfach ausgewiesen wurde. Es war kein Einzelfall, denn nach dem Angriff auf den Kaiser durch József Lehány hat die Wiener Polizei alle in der Kaiserstadt lebenden Fremden gründlich untersucht und bei dem etwas Verdächtiges gefunden wurde, konnte seiner Ausweisung aus Wien sicher sein (Denken wir nur an die Abschiebung des Frigyes Korányi nach Nagykálló, der diese Strafe einem einzigen Satz eines Briefes an seinen Bruder zu verdanken hatte, der nicht richtig übersetzt wurde). Zum Glück durfte er nach Pest zurückkehren, musste aber noch zwei Jahre warten, bis seine Strafzeit abgelaufen war. Seine kirchliche Stellung bekam er nicht zurück, aber er durfte schon öffentlich - als Aushilfekaplan - wirken. So konnte er seinen Bruder Ignaz in der Kristinenstadter Kirche trauen, die Kinder seiner Geschwister in den Pester und Budaer Kirchen taufen. Von den Semmelweis-Brüdern war Philipp (1814-1864?) - der spätere Eisenhändler in Pest, der sich ebenfalls im Freiheitskampf beteiligte, - gezwungen ins Ausland zu gehen.

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