Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 198-199. (Budapest, 2007)
KÖZLEMÉNYEK — COMMUNICATIONS - SCHULTHEISZ, Emil: „Hin ist alle meine Kraft... " - Arztliches über Haydn. - („Minden erőm elhágy..." - Haydn orvosi szempontból.)
seit geraumer Zeit sich eingefundenes rheumatisches Nervenfieber versagen mir die hierzu erforderlichen Kräfte. Ich vermag kaum soviel, dass ich meinem Fürsten diene mit dem, was er für sein Haus bedarf ... " Die erste ernste Krankheit befallt Haydn im Jahr 1801. Es ist eine schwere Grippe, die ihn für Monate bettlägerig macht. Dauernde Kopfschmerzen quälen den überarbeiteten Mann. Er selbst gibt für das Unwohlsein der Komposition der „Jahreszeiten" die Schuld, an denen er zwei Jahre lang bis zur Erschöpfung gearbeitet hat. Haydn erklärt: „Die Jahreszeiten haben mir das Rückgrad gebrochen. " Nach 1803 kann er nicht mehr komponieren. Nicht so ist es, dass er keine Gedanken mehr gehabt hätte! Im Gegenteil, es fällt ihm zu viel ein. Es sind die „Nerven", die ihn plagen. Eine emotionelle Inkontinenz, zeitweilig tiefe Depression deuten auf seine Alterssklerose. Sein Gedächtnis „sei ruiniert" - schreibt er selbst. Der Zustand verschlimmert sich, die Musik verfolgt ihn in der Nacht; er kann nicht mehr schlafen. Schließlich entscheidet der Arzt: der Erard-Flügel soll aus dem Zimmer geschafft werden! So lebt Haydn still, zurückgezogen, kaum mehr arbeitend. 1805 schickt Napoleon Maret zu Haydn, der über des Meisters Schwäche berichten konnte. Vorher war bereits im Februar 1805 das Gerücht nach Paris gelangt, dass Haydn gestorben sei. Cherubini verfasste schon eine Trauerkarte. Da traf die Nachricht ein: Haydn lebt. Nach dem Abzug der Franzosen aus Österreich im Jahr 1806 verschlechterte sich die Gesundheit Haydns noch mehr. Zur allgemeinen Schwäche kam ein lästiges Fußleiden. Die Beine waren ständig schmerzhaft geschwollen. 1807 und 1808 nahm er am Fest des Hl. Peregrinus, des Patrons des Fußleidens, teil. Deprimiert ließ er sich nach Hause tragen. Linderung konnte er nicht finden. Zu dieser Zeit ließ er sich eine Visitenkarte mit den Anfangszeilen seines Liedes „Der Greis" herstellen: „ Molto Adagio - Hin ist alle meine Kraft - alt und schwach bin ich -Joseph Haydn. Diese Worte stammen von Geliert. Und die Schwäche nahm zu. Der gealterte Haydn hat sich mit einem baldigen Tod vertraut gemacht: Ich bin der Welt nichts mehr nütze, ich muss mich wie ein Kind pflegen lassen es wäre wohl Zeit, dass mich Gott zu sich riefe. " Der letzte Besuch, am Morgen des 13. Mai, der seine Schwelle betrat, war ein französischer Offizier, der Haydn hoch verehrte und ihm die Arie „Mit Würd' und Hoheit angetan" aus der „Schöpfung" vorsang. Haydn war tief bewegt: es war seine letzte Freude. Es trat ein ärztliches Konsilium zusammen, aber es gab keine Rettung mehr für ihn. „Seine Hülle wird leider stets gebrechlicher und jedes raue Lüftchen setzt ihm zu" - heißt es in einem damaligen Bericht von Griesinger. In der Nacht vom 30. zum 31. Mai 1809 ein Uhr schlief Joseph Haydn ohne Todeskampf ein. Seine Ärzte Hohenholtz und Böhm waren der Meinung, die Todesursache sei „Altersschwäche" gewesen. Nach der Beerdigung im „Leichenhof außer der Linie Hundsthurm" sollte aber Haydns Körper noch nicht die Ruhe finden. Der Verwalter des Provinzialstrafhauses Johann Nepomuk Peter und sein Freund Karl Rosenbaum bemächtigten sich aus „wissenschaftlichen" Gründen (beide waren begeisterte Anhänger der Phrenologie von Gall) und aus „Verehrung" für das große Genie „da sie die knöcherne Kammer seines Geistes nicht von Würmern oder Maden vernichtet sehen wollten" des Schädels Haydns. Zum Aufbewahren ließ J. N. Peter ein Kästchen machen, das wie ein römisches Grabmahl aussah. Der Schädel Haydns gelangte dann nach mehrfachem Besitzwechsel an die Gesellschaft der Musik-