Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 194-195. (Budapest, 2006)
TANULMÁNYOK — ARTICLES - NEMES, Csaba: Beiträge zur Wechselbeziehung der deutschen und ungarischen Heilkunde im historischen Kontext
Schrift über Veterinärmedizin des römischen Publius Vegetius Renatus (450-510?). Dieses Werk erschien 1574 in Basel in der Ausgabe von János Zsámboky oder unter seinem Humanisten-Namen Joannes Sambucus. Joannes Sambucus (1531-1584), einer der bedeutendsten Vertreter der medicina philologica, studierte erst in Leipzig; war danach als Schüler Melanchthons 9 Jahre in Wittenberg, später in Ingolstadt, Strassburg und Paris tätig. Dieses Universalgenie, charakteristische Erscheinung des l'uomo universale der Renaissance lehrte erst in Bologna, dann in Bonn als Professor der klassischen Philologie; später wurde Titulararzt , medicus aulae titularis am Hofe Maximilians und Rudolfs, Hofchronist, Bibliothekar, honorabilis doctus, sogar comes palatínus. Seine letzten Jahre verbrachte Sambucus in Wien, wo er seine riesige Privatbibliothek (mit nicht weniger als 600 Kodizes und 3000 Manuskripten), Skulptur- und Medaillensammlung ordnete. Sambucus gilt als der Begründer der medizinischen Numismatik. (Die wissenschaftliche Münzkunde ist allerdings ein typisches Kind der Renaissance.) Kurz vor seinem Tod ist er gezwungen, seine europaweit geschätzte Sammlung zu versteigern. 2600 Bücher aus seinem Nachlaß werden heute in der Wiener Hofbibliothek aufbewahrt. Wenig Glück waren auch seinen Übersetzungen und Werken beschieden. Sambucus übersetzte nämlich auch die Botanik des Dioscorides, versah sie mit Kommentaren. Leider ist auch dieses Werk erst nach seinem Tod erschienen (1695). Da Zsámboky ein Protestant war, setzte die Madrider Inquisition nämlich 1667 alle seinen Schriftwerke auf Index. Zwei weitere Arbeiten Sambucus', die Emblemata (1564) und die Icônes (1574) mit moralisierenden lateinischen Epigrammen und Portraits klassischer Autoren kamen jedoch noch zu seinen Lebzeiten heraus. Der andere wichtigste Vertreter der ungarischen Renaissance-Ärzte war der Anatom und Chirurg János Jeszenszky, oder Jessenius (1566-1621), der in der deutschen Medizingeschichte irrtümlich als Jan Jessensky geführt wird. Seine größte Entdeckung, das Auffinden des Riechnervs machte er noch in Wittenberg, wo er zuletzt der Universität als Rector magnificus vorstand. Zuvor studierte Jessenius in Padova als Schüler des Fabricius ab Aquapendente. Ab 1595 mit der öffentlichen Leichenöffnungen begonnen und berühmt geworden, wird er nach Prag gerufen, in den kaiserlichen Hof von Rudolf II. und Matthias II. Auf der Prager Universität wurden seit 150 Jahren keine Sektionen mehr durchgeführt; ab 1600 setzt hier Jessenius seine anatomischen Demonstrationen fort. Als Kanzler der Universität und Freund des Tycho de Brahe protestiert er jedoch zu seinem Unglück gegen die Verfolgung der Protestanten. Erst wochenlang in Wien ins Hofgefängnis geworfen, wird Jessenius nach der Schlacht am Weißen Berge bei Prag (1620) mit Billigung des Kaisers Ferdinand in einem Konzeptionsprozeß zum Tode verurteilt. Jessenius wird hingerichtet, sein Haupt auf die Bastion der Prager Burg zur Abschreckung ausgesetzt und erst 20 Jahre später, nach Einzug des Gustav Adolf in Prag feierlich begraben. Viel zu spät entdeckte man, daß die Spätrenaissance in ihm einen der wichtigsten Anatomen verloren hat. Neben seiner Knochenlehre (Tractatus de Ossibus, 1601) verfaßte Jessenius die erste makroskopische deskriptive Dermatologie (De cute ei cutaneis affectibus, Wittenberg, 1601), verglich die Anatomie des Vesal mit der von Galen. Seine chrirugische Fallsammlung, die Institutiones Chirurgicae blieb über 100 Jahre in Gebrauch und 1674 erschien sie auch in deutscher Übersetzung (Anweisung zur Wund-Artznei, Nürnberg). Es ist bekannt, daß ein anderer großer Arzt-Philologe, Albrecht von Haller dieses Werk außerordentlich hoch einschätzte. Jesszenszky's Lebenslauf und Werke hatte ein ungarischer