Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 186-187. (Budapest, 2004)

TANULMÁNYOK — ARTICLES - MAGYAR László András: Die siebenbürgische "Vampir-Krankheit". - Az erdélyi "vámpírbetegség"

Martini identifiziert also die Vampirkrankheit eindeutig mit dem Incubus, während die Vampir-Erscheinungen von ihm psychologisch erklärt werden. Er bemerkt vernünftiger­weise, daß die Vampir-Erscheinungen im allgemeinen eine einzige Ursache haben: nämlich den Vampir-Glauben selbst. Das Kapitel schließt er mit der Erzählung der Vorfälle von Gradiska, Kisolova, Medvedia, Siebenbürgen und der aus Schlesien stammende Begeben­heiten. 6. Der namhafte Budapester Medizinhistoriker Gyula Magyary-Kossa teilt in seiner aus­führlichen Datensammlung Ungarische medizinische Andenken einige Angaben über die siebenbürgische Vampir-Krankheit mit. 29 In einem archivalischen Dokument 30 sind in Verbindung mit der Pest des Jahres 1738 in Újpalánka, eine „Vampirtätigkeit" und ver­schiedene Schutzmethoden (Verbrennung des Leichnams usw.) verzeichnet. Die Protokolle der Stadt Desch (Dés) erwähnen, daß in 1742 die Leichname ungarischer (!) Einwohner ausgegraben, gepfählt und verbrennt wurden, weil diese als Vampire früher mehrere Orts­bewohner umgebracht hätten. Das ist - meines Wissens nach - die einzige Angabe, wonach Personen mit ungarischen Namen in Verbindung mit Vampiren erwähnt sind. Die weiteren Angaben über siebenbürgische Vampir-Vorfalle stammen aus viel späteren Jahren, wie z. B. aus 1831, da in Komitat Arad, in den Ortschaften Arad, Gyulicza und Vadász brach eine Vampir-Hysterie unter der rumänischen Bevölkerung aus - erneut in Bezug auf die Chole­ra! Die Reihe der Vampir-Vorfalle setzte sich zwar auch im 19. und sogar im 20. Jahrhun­dert fort, aber das ist kein Thema mehr der vorliegenden Arbeit. 31 ZUSAMMENFASSUNG Unsere erste Hauptfrage war: X.Ist es überhaupt möglich eine spezifisch „siebenbürgische Vampir-Krankheit" zu identifizieren und diese mit der heutigen medizinischen Terminologie zu definieren? Unsere Quellen erwähnen verschiedene Krankheiten. Die Autoren der ärztlichen Dis­kussion des Jahres 1732 analysierten nur zum Teil die Krankheit selbst. Diese Krankheit wurde hier mit Hysterie und Sepsis gleichgesetzt. Kramer erwähnt sogar die Cholera, Tallar beschreibt sie als Sepsis und ernährungsbedingte Erkrankung, Köleséri schrieb eindeutig über die Pest, Martini verdächtigt Hysterie oder Incubus, in anderen Texten finden wir eine Epidemie oder Endemie ohne weitere Erläuterungen. Auch die ausführlichste Beschreibung - nämlich Tallars Bericht - ist ebenso ungewiß in der Bestimmung der Krankheit, wie van Swietens Dissertation in dieser Hinsicht war. Abschließend läßt sich festhalten, daß die Vampir-Krankheit keine bestimmte Krankheit war. 32 Der Vampir-Aberlaube trat als eine Art „Volksetiologie", beziehungsweise „Volks­29 Magyary-Kossa, Gy.: Magyar orvosi emlékek [Ungarische medizinische Andenken], Budapest, Magyar Orvosi Könyvkiadó Társulat, 1940, 4, 86-88. (227.§) 30 MOL (Ungarisches Staatsarchiv) Acta Pestilentialia. Protocollum 1738/21-24. 31 Ethnographia. (1899) 415, 334, (1903) 272, 336, (1904) 84. 32 Wenn sie nicht mit der sogenannten Melancholia metamorphosis identisch ist. Nämlich die Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde, herausgegeben von Albert Eulenburg schreibt unter dem Stichwort Melancholie folgendes: „Die Fälle von Melancholia Metamorphosis werden übrigens jetzt nur selten beobachtet: sie spielen

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