Varga Benedek szerk.: Orvostörténeti közlemények 149-157. (Budapest, 1996)
KRITIKÁK / REVIEW ESSAYS - Schultheisz Emil: Bildende Kunst und Medizinhistoriographie. Überlegungen zu dem Buch von Mária Vida: Kunst und Medizin in historischen Ungarn
sehe Massnahmen, hat eine lange Tradition, die sich mit einigen Modifikationen bis in unsere Zeit fortsetzt. Die Realpräsenz des Heiligen als Fürbitter, die Darstellung seines Martyriums und die Verehrung seiner Reliquien finden seit dem Mittelalter ihren Niederschlag in den mannigfaltigsten Werken der bildenden Kunst. In seiner Eigenschaft als heilkräftig- wundertätigem Gegenstand kommt dem Bildwerk damit zusätzlich eine metaphysisch- therapeutische Funktion zu, deren Tragweite nicht hoch genug einzuschätzen ist. Im Kapitel „Kranheits-Bilder, Fälle, Wunder" wird ein Abschnitt u.a. dem Wahnsinn und der Epilepsie, der Fallsucht gewidmet. Die Darstellungen des „Wahnsinns" in der bildenden Kunst sind seit dem ausgehenden Mittelalter von zahlreichen bekannten und unbekannten Künstlern angefertigt worden. Auch bei der Auswahl dieser Gemälde und Graphiken ging es um möglichst typische Darstellungen aus dem alten Ungarn. Ein schönes Gemälde gibt einen realistischen Einblick in das Krankheitsbild der Fallsucht. Das Altarbild des schon erwähnten Meisters Mateóci (Mitte 15. Jahrhundert) ),,St. Valentin und der Fallsüchtige" hat bisher in der Medizingeschichte kaum Beachtung gefunden. Abbildungen der Epilepsie in der Kunst sind vorwiegend in den diversen medizinischen Anschauungen und Auffassungen des morbus sacer verwurzelt, wobei den soziokulturellen Aspekten immer eine grosse Rolle zukommt. Jedes Bild wiedergibt die Auffassungen der Epoche in dem es entstand, wie auch das hier wiedergegebene, ausführlich besprochene Gemälde. Es wäre nicht uninteressant anhand solcher, diagnostisch recht informativen Abbildungen die reiche Eponymik der Krankheit auch in diesem Zusammenhang — Wort — Bild — zu untersuchen. Von der hippokratischen Schrift ,,De morbo sacro" der rational orientierten griechischen Medizin, welche die früheren Begriffe der von den Göttern gesandten heiligen Besessenheit und der Sünde ad absurdum führt, über den morbus insputatus der Römer wobei die angebliche Rolle des Himmels nicht richtig verschwindet, wie dies der auch später benutzte Name morbus comitialis zeigt — ein Anfall während den comitia provozierte den Abbruch der Volksversammlung — um dann bei Paracelsus gar als morbus astralis wieder etwas mythenhaft zu erscheinen, Über die Herkunft des griechischen Namen „herakléia nösos", die herkulische oder Herakles-Krankheit gibt es Zahlreiche Theorien, welche auch die göttliche Genese bestätigen, deren auch symbolische Deutung in etlichen graphischen Darlegungen zu beobachten ist. Die Epilepsie ist eine so unbändige, so überweltigende Krankheit, dass man sie mit der unmenschlichen Kraft und Gewalt des Herakles in Verbindung brachte. Die eingängingste Begründung ist aber wohl diejenige, dass die Griechen der Ansicht waren, der Halbgott Herakles habe selbst an Epilepsie gelitten. Eigentlich sind Bild und Eponymik in jeder Epoche karakteristisch für den Stand der Medizin. Natürlich können solche Untersuchungen von ähnlichen Werken angeregt werden, wie wohl ich darauf am Anfang schon kurz hingewesen habe. Eben nur erwähnt sei, dass in diesem Abschnitt nebst Hysterie und anderen psychischen Krankheiten auch die legendäre Tanzepidemien durch klassisch- typische Bilder illustriert und fachgerecht kommentiert werden. Bilder, die die Geisteskranken, die psychischen Epidemien, den Irrsinn mit ihrem sozialen Umfeld einfangen sind äusserst instruktiv. Besonders gewinnt man durch diese „Bilddokumente" einen Eindruck davon, wie man Geisteskranke einst sbetah. Bild und Krankhe itsverständnis gehören zusammen. Auch diesen Ausführungen liegt die These zugrunde, dass Krankheits-Bilder nicht nur