Varga Benedek szerk.: Orvostörténeti közlemények 149-157. (Budapest, 1996)
KRITIKÁK / REVIEW ESSAYS - Schultheisz Emil: Bildende Kunst und Medizinhistoriographie. Überlegungen zu dem Buch von Mária Vida: Kunst und Medizin in historischen Ungarn
tus zu vermitteln sucht. Andererseits führt erst eben die Pest das fast blasphemisch Makabre in die Kunst ein. Diese Kunst schöpft aus den vorhandenen Motiven der Sakralkunst. Die Kunst nach dem Schwarzen Tod — wie auch die Literatur — war besessen von der Darstellung des Todes. Währenddessen entstand auch eine neue Literaturgattung, die ,,Ars moriendi", eine Anleitung für Laien ,,zum guten Sterben", die im Priestermangel der Pestzeiten einen ihrer Ursprünge hat. Die Veränderungen der Sakralkunst des ausgehenden Mittelalters sind — wenigstens teilweise — auch das Ergebnis der Einwirkung durch eine gesteigerte Innerlichkeit, Religiosität und Mystizismus, wobei die Quantität der kurz nach den Seuchenausbrüchen hergestellten Kunstwerke nicht unerwähnt bleiben soll. Die Pest wurde zur Ursache für die Herstellung unzähliger Kunstwerke. Sakralbauten, Pestdenkmäler lassen sich neben Gemälde, Kleinplastiken, Votivbildern, Totentanzgraphiken in grosser Zahl auch im alten Ungarn finden. Dem Problemkreis Pest und Kunst sind wir zwar näher gekommen, doch um umfassende Lösungen zu erarbeiten, sind weitere Forschungen nötig. Das komplizierte Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit gibt dem Medizinhistoriker, was unser Wissen von Verschiebungen der Mentalitäten durch den Schwarzen Tod anbelangt, weitere Aufgaben. Bei diesen Erwägungen kann uns die Analyse hier abgebildeter Kunstwerke aller Art behilflich sein. Der Autorin sind selbstverständlich auch die anderen grossen Epidemien bzw. seuchenartig auftretende Krankheiten wie z.B. die Lepra, das St. Antoniusfeuer, aus kunsthistorischem bzw. medizinhistorischem Aspekt nicht entgangen. Untersucht man die künstlerische Erscheigsförm der einst grassierenden anderen Seuchen, gewinnt man jedoch den Eindruck, dass die Lepra global gesehen, etwa verglichen mit der Pest, ein überbewertetes Phänomen gewesen war. Lepra ist weder sehr ansteckend noch sehr tödlich, wie es andere Seuchen gewesen sind. Sie ist eine chronische Infektionskrankheit. Dennoch war die Angst davor immens gross. Dieser Angst und der dadurch hervorgerufenen erbarmungslosen Strenge gegen den Aussätzigen — er wurde faktisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen, musste sich durch eine Klapper von weither erkenntlich machen wenn er vom Leprosorium, aus der Isolierung herauskam um zu betteln, seines Eigentums beraubt, eine Totenmesse wurde über ihn gelesen — lag nicht nur die Angst vor der Krankheit zugrunde, sondern auch die Überzeugung, dass sie eine Strafe Gottes für schwere Sünde sei. Aber aus demselben Gedanken ist auch die ganz besondere christliche Fürsorge für den Aussätzigen abzuleiten. Üblicherweise wurde in Europa der an Lepra erkrankte nicht in ärztliche Obhut gegeben, man überwies ihn der Kirche. Die Kirche schützte und ernährte den Ausgestossenen . Bedeutende Heilige, wie die Hl. Elisabeth, der Hl. Gregor von Nyssa, zeigten besondere Liebe den Leprakranken. Dass bezeugen auch die gewählten Bilder wobei die Frage — aus medizinischer Sicht — offenbleibt, ob die Hauterscheinungen ehemals als Lepra diagnostizitiert, immer die Lepra im Sinne von Hansen war, oder ob es sich um eine andere entstellende Hautkrankheit handelte, die den davon behafteten in die Isolierung zwang? Die bildliche Differentialdiagnose wird durch die Terminologie nur noch erschwert. Die Konfusion beginnt schon in der Antike bzw. im frühen Mittelalter. Die in alten griechischen Schriften Lepra genannte Krankheit entspricht nicht dem morbus Hansen. Araeteus und Rufiis beschreiben die Lepra eindeutig unter dem Namen Elephantiasis, Constantinus Africanus übersetzte Elephantiasis ins Lateinische mit Lepra, während die Araber den Namen Elephantiasis in unserem heutigen Sinne verwendet hatten: Elephantiasis Graecorum ist demnach Aussatz, Elephantiasis Araborum dagegen das von Filaria Medensis verursachte chronische Lymphoedem der Beine. Es sei nur am Rande erwähnt, dass im 16. Jahrhundert