Magyar László szerk.: Orvostörténeti közlemények 133-140. (Budapest, 1991-1992)

TANULMÁNYOK — ESSAYS - Kapronczay, Károly: Ungarisch—polnische Kontakte auf dem Gebiet der Medizin

gegenüber, sondern in dem bereits erwähnten Werk Chronica Polonorum werden die Ungarn sehr freundlich behandelt. Übrigens erörterte er in diesem seinem Werk die genaue Todesursache des Königs Matthias, und widerlegte die sich verbreiteten, geheimnisvollen Gerüchte und Vermutungen: aus seiner Beschreibung darf man sicher auf die Gehirnblutung des Königs schließen. Mit genau derselben Detaillierung beschreibt er die Krankheit II. Wladislaus', die Geburt II. Ludwigs und den Tod seiner Mutter. Ein besonderes Interesse zeigte er den Krankheiten der Herrscher gegenüber und versuchte dadurch ihre Taten zu rechtfertigen. In vielen rücksichtslosen Maßnahmen vermutete er Krankheiten zu entdecken und versuchte dadurch die Gründe zu erklären 18 . Im XVI. Jahrhundert charakterisieren die ungarisch —polnischen medizinischen Kontakte weiterhin die Tätigkeit der polnischen Arzte in Ungarn — obzwar der Name von Johannes Antonius Cassoviensis Erwähnung finden muß, der in Polen praktizierte. Er war eine vielseitige Persönlichkeit, der mit seinem Benehmen viel Freunde und Anhänger für sich und seine Heimat erwarb. In Basel behandelte er — z. B. den hypochondrischen Erasmus, und lenkte dessen Aufmerksamkeit auf die Ungarn. Später wurde er Hofarzt des Königs II. Ludwig, der kurz vor seinem Schlachtverlust bei Mohács noch Polen besuchte. Wer war eigentlich dieser Mann? Er wurde wahrscheinlich 1499 in Kassa (Kaschau) geboren, deshalb nahm er den lateinisierten Namen siner Geburtsstadt an. Die Grundschulen besuchte er in dieser Stadt, setzte aber das weitere Studium schon in Krakau fort, wo er im Jahre 1517 Baccalaureus der philosophischen Wissenschaften wurde. Von hier zog sein Weg nach Padua, wo sein Interesse vor allem der Medizin gewidmet war. Über das Absolvieren seines Studiums ist die Fachliteratur nicht einheitlicher Meinung: Veszprémi erwähnt keinen Zeitpunkt, Endre Veress, der berühmte Kenner und Forscher der ungarischen Studenten in Italien, konnte auf Grund seiner Forschungen feststellen, daß er im Jahre 1522 sein Doktordiplom der Medizin erwarb. Andere — z. B. János Horváth — halten viel mehr das Jahr 1524 für wahrscheinlich. Allerdings steht fest, daß er nach seiner Absolvierung in Freiburg und Tübingen erschien, wo er die dortigen berühmten Universitäten besuchte. Demnach behandelte er die Blasensteinanfälle von Erasmus — und zwar mit Erfolg. Es darf angenommen werden, daß die Krankheit von Erasmus psychologische Komponente besaß, weil sich auf die von Cassoviensis bekommene „leo astrologicus" die Anfalle legten. Von Basel aus ging er zurück nach Krakau, wo er die Töchter eines berühmten Goldschmiedes heiratete. Auch sein Vater war ein Graveur. Daher stammte die Bekanntschaft, die schließlich zu der Ehe führte. Danach hielt er sich ein kurze Zeitlang in Buda auf, damit er die Bitte der polnischen Jagello-Familie folgend den kränklichen II. Ludwig behandelt. Über diese Behandlung des Königs besitzen wir keine schriftlichen Quellenhinweise, bloß in den Hofrechnungen kommt sein Name vor, er wird „Hofarzt"genannt. Tatsache dagegen ist aber, daß die Frau des Königs Maria von Habsburg durch Cassoviensis die Lehren und Bücher von Erasmus kennenlernte. Im Jahr der tragisch verlaufenen Schlacht bei Mohács (1526) ist Cassoviensis der Leibarzt des polnischen Königs /. Sigismundus. Seine ungarländischen Kontakte — obzwar er sich nur eine kurze Zeit in Buda aufhielt — konnten tief gewesen sein, denn im Jahre 1526 war er es, der den Beichtvater der Königin, János Henckel der Aufmerksamkeit Erasmus' empfahl. Der neue ungarische König I. János (Szapolyai) bot ihm die Stelle eines Hofarztes an. Er blieb aber viel lieber in Krakau, und nahm nicht an jenen Bestrebungen teil, die fragwürdigen Ausganges waren, die sich in seiner zerwirrten Heimat, eines Landes mit zwei Königen — Ferdinand von Habsburg war der andere, den die westlichen Komitate des Landes krönten — entfalteten. Am 1. April 1527 schrieb er folgende Worte an Erasmus: „... ich wurde zum König János als Arzt berufen, ich wage aber nicht mit meiner Freiheit auch meine Sicherheit auf den Markt zu tragen". In Krakau behandelte er namhafte Persönlichkeiten: Andreas Circius, Piotr Tomicki, Krzystof Szydlowiecki den Kanzler, die durch ihn mit Erasmus in Verbindung kamen. Auch in Krakau blieb er ein Ungar, und trug Sorgen um das Schicksal seiner Heimat. Das Ansehen seiner polnischen Freunde benützte er um die Zwietracht und bewaffneten Zusammenstöße der zwei ungarischen Könige zu schlichten, weil er genau wußte, daß daraus nur der Türke einen Vorteil ziehen wird. Im Jahre 18 Siehe Anm. 17.

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