Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 125-132. (Budapest, 1989-1990)

KISEBB KÖZLEMÉNYEK, ELŐADÁSOK - STUDIES, LECTURES - Kaiser, Wolfram: Der Arzt Franz Ernst Brückmann (1697-1753) und seine ungarische Reise von 1724

erschienen erst in der jüngeren Vergangenheit. Hier in Késmark hat Brückmann in der lokalen Offizin das Balsamum Hungaricum Carpathicum und andere vielgeschätzte Aufbereitungen kennengelernt, die dort einst von Christian Augustini ab Mortis (1598—1650) entwickelt worden waren und fast als Panazeen galten. Auf einem Ausflug nach Lomnitz ist Brückmann mit einem dort tätigen Enkel von Augustini ab Horbs zusammengetroffen; in einem der Reisebriefe (Cent. I. Nr. LXXXIX) notierte er über diese Begegnung: „videre et cum isto sermonem habere admodum jucundum nobis fuit." Via Leutschau und Zipser Neudorf, Topschau und Rosenau gelangte Brückmann zur Junimitte 1724 nach Eperjes. Der Provinzialphysikus Johannes Hambach (1681 oder 1682—1758) und der Stadtphysikus Johann Adam Raymann (1690—1770) waren hier seine wichtigsten Gesprächspartner." Anzunehmen ist, daß Brückmann bei Hambach Manuskripte wie den ,JLommius Redivivus" und die ,JJydrologia" einsehen konnte, die leider nie in Buchfomt zur Edition gelangt sind. Wahrscheinlich hat Brückmann sogar das eine oder andere Detail aus der „Hydrologia" für seine Reisebriefe übernommen, hätte doch die Aufenthaltszeit keineswegs gereicht, um sich persönlich einen Eindruck über die von Hambach geschilderten Heilquellen des Landes zu verschaffen. Immerhin kam auf diese Weise einiges Balneologische in die gängige Bäderliteratur, so daß Weszprémi später konstatieren konnte: „Brownius, Tollius, Brückmannus in suis itinerants ... multa de Hungáriáé aqiiis commentatisunt."* Es mag über­raschen, daß Brückmann in seinem Eperjes-Bericht nichts über die Raymannsche Variolisation — eine der ersten im kontinentalen Europa — vom Sommer 1721 erwähnt. 35 Offenbar war er sich über die weg­weisende Bedeutung dieses Vorganges nicht im klaren; es wäre aber sonderbar, wenn man hierüber nicht gesprochen hätte. Raymann publizierte über die vorgenommene Variolisation und die in der Folge beobachteten Reaktionen am Impfling in der „Sammlung von Natur- und Medizin-Geschichten"; von dieser Mitteilung wurde in der wissenschaftlichen Welt zunächst weniger Kenntnis genommen als von den diesbezüglichen Anregungen der Lady Mary Wortley Montague (1689—1762) und der resultieren­den Tätigkeit der britischen Impfárzte. Weszprémi hat eine Semisäkularperiode später aber die initiale Pockenliteratur genau verfolgt und zeitlich geordnet. Als er nämlich 1774 — 4 Jahre nach dem Ableben von Johann Adam Raymann — die Centuria prima seiner bio- und bibliographischen Darstellungen herausbrachte, enthielt diese eine Prioritätsdiskussion, die Raymanns Anteil an der frühen kontinentalen Verbreitung der Pockenschutzimpfung herausstellen sollte. 36 Diese Notiz konnte freilich nicht verhin­dern, daß Raymanns Name mehr und mehr in Vergessenheit geriet; seinen diesbezüglichen Aktivitäten wurde erst in jüngster Vergangenheit die volle Gerechtigkeit zuteil. In seiner Heimatstadt entstand eine nach ihm benannte Àrztegesellschaft, die für die Anbringung von Erinnerungstafeln an seinem Wohnhaus und am Rathaus sorgte und die auf ihren Veranstaltungen eine Raymann-Medaille vergibt. Johann Adam Raymann hatte sich übrigens kurz vor dem Eintreffen Brückmanns auch zur Frage des Goldgehaltes der Tokayer Traube geäussert und diesen ebenso wie Daniel Fischer in Abrede gestellt. Das gelangt mittels eines recht einfachen Versuches: man veraschte Reben und Rebstock und konnte nachweisen, daß sich im Ascherückstand keinerlei Goldspuren befanden. Brückmann hat das zur Kenntnis genommen und sich gehütet, die Goldtheorie in der althergebrachten Form in seinen Reisebriefen noch einmal aufzufrischen. Es ist liier nicht der Platz, sämtliche ungarischen Deskriptionen Brückmanns der Reihe nach aufzulisten. Knüpft man an die eingangs bereits begonnene Diskussion um seine Person an und zieht eine Bilanz über seine Ungarn-Berichte, dann bietet sich dem Nachbetrachter das Bild eines Autors, der wissenschaftsgeschichtlich zwischen den Perioden von Konventionalis­mus und Aufklärung steht. 3738 In seinem Schrifttum über Ungarn im Jahre 1724 mischt sich noch der 33 Lázár, F.: Die Arzt-Familie Hambach. Wiss. B. Univ. Halle 1987/23 (T 63), S. 107—110. M Weszprémi, L: Succinta Medicorum Hungáriáé et Transilvaniae Biographia, Centuria altera pars prior, Wiennae 1778 (Neudruck Budapest 1962), S. 174—182. 35 Völker, A.: Einige Markierungspunkte aus der Geschichte der Pockenschutzimpfung. Z. gesamte inn. Med. 45 (1990), S. 392—396. 34 Weszprémi, L: a. a. O. (Lit.-Stelle 22), S. 310. 37 Kaiser, W., u. A. Völker: Aufklärungsforschung aus medizinhistorischer Sicht. Wiss. B. Univ. Hcdle 1987/53 (F 73), S. 133—147. 38 Kaiser, W.: Aufklärung und aufgeklärte Medizin. Wiss. B. Univ. Halle 1990/18 (A 123), S. 143—157.

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