Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 125-132. (Budapest, 1989-1990)

KISEBB KÖZLEMÉNYEK, ELŐADÁSOK - STUDIES, LECTURES - Kaiser, Wolfram: Der Arzt Franz Ernst Brückmann (1697-1753) und seine ungarische Reise von 1724

DER ARZT FRANZ ERNST BRÜCKMANN (1697—1753) UND SEINE UNGARISCHE REISE VON 1724 WOLFRAM KAISER Der ungarische Medizinhistoriker István Weszprémi (1723—1799) hat sich in seinem bis heute viel­benutzten bio- und bibliographischen Standardwerk wiederholt und selbst bei rein innerungarischen Sachzusammenhängen auf die Zeugenschaft des vielseitigen deutschen Arztes Franz Ernst Brückmann (1697—1753) berufen, der im Jahre 1724 weite Teile des Gebietes der Stephanskrone bereits und im Anschluß viele Details des eigenen Interesseivsgebietes, aber zugleich auch der Lebensverhältnisse im besuchten Land publiziert hatte. Die von Weszprémi ab 1774 vorgelegten Teile der „Succinta Medicorum Hungáriáé et Transilvaniae Biographia" lassen diesen Bezugstrend unschwer erkennen; bei einem von der Registernotiz ausgehenden Nachschlagen der betreffenden Textpassagen verdeutlicht sich, daß Weszprémi sehr genau über das informiert war, was Brückmann seinen Lesern über die Medizin und die Naturwissenschaften in Ungarn mitzuteilen willens gewesen war. Vielleicht hat sogar ein Schriftverkehr zwischen beiden bestanden, wobei die seit 1745 in Halle angesiedelte Academia Naturae Curiosorum eine Art Brückenfunktion übernommen haben könnte: Brückmann war deren Mitglied, Weszprémi ein Korrespondenzpartner des die Geschicke dieser Vereinigung von Halle aus dirigierenden Akademiepräses Andreas Elias Büchner (1701—1769). 1 Unbeschadet dieser im einzel­nen noch abzuklärenden Frage mußten dem um die Kodifizierung der ungarischen Medizingeschichte bemühten István Weszprémi die Aussagen bzw. die Niederschriften Brückmanns von höchstem Interesse sein; immerhin war der deutsche Arzt ein ausländischer Zeitzeuge für eine Periode, über die Weszprémi aus dem Eigenerleben heraus nicht hätte berichten können. Denn Brückmann war während seines Ungarn-Aufenthaltes von 1724 in Kontakt getreten mit vielen Persönlichkeiten des ungarischen Geisteslebens, von denen die meisten nicht mehr unter den liebenden weilten, als Weszprémi an die Abfassung seiner Ärztebiographien heranging. Unter allen diesen Aspekten wird verständlich, daß Brückmann für Weszprémi der „notissimus in orbe peregrinaiof war, 2 den er aequo loco mit Charles I'Ecluse-Clusius (1526—1609) oder mit Giovanni Antonio Scopoli (1723—1788) zitierte. In Relation zu anderen und weltweit renommierten Ungarn-Referenten des Auslandes — man denke beispielsweise auch an Niels Stensen (1638—1686) mit seinem Besuchsbericht über das oberungarische Montangebiet 3 4 — mag die Laudatio auf Brückmann vielleicht etwas zu überschwenglich klingen. Falsch war sie dennoch nicht, wenn man „notissimus" auf den Streubereich der Brückmannschen Informationen und damit auf deren Bekanntheitsgrad bezieht. Das Ungarn-Schrifttum Brückmanns war zu einem nicht geringen Teil eingebettet in die Publikationsreihen seiner „Epistolae iünerariae", die sich an breitgefächerte Leserkreise wandten und nicht ausschließlich oder bevorzugt die engere Fachwelt 1 Kaiser, W., u. A. Völker: Zur Mitgliedschaft ungarländischer Wissenschaftler in der Academia Naturae Curiosorum (P.und 18. Jahrhundert). Comm. Hist. Art. Med. 93—96 (1981), S.95— 111. 2 Weszprémi, I.: Succinta Medicorum Hungáriáé et Transilvaniae Biographia, Cent. Tertia, Decas I et II. Viennae 1787 (Neudruck Budapest 1970), S. 652. 3 Vida, T.: Niels Stensen 1669, évi tanulmányútja az észak-magyarországi bányavárosokban. Bányászat 1 16(1983), S. 613—616. 4 Kaiser, W., u. A. Völker: Niels Stensen (1638—1686). Zur 350. Wiederkehr des Geburtstages des dänischen Anatomen. Wiss. B. Univ. Halle 1989/43 (T 73). S. 157—167.

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