Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 125-132. (Budapest, 1989-1990)

TANULMÁNYOK - ESSAYS - Vida, Mária: Die Philanthropie und die Rolle der Frauen in Ungarn

Aufklärimg an, die für uns wegweisend waren - Kindergärten und Schulen stifteten oder eben Verwundete pflegten. Sie können als einzigartige Heldinnen der Alltagsgeschichte gelten. Es ist kein Zufall, dass gemäss gesellschaftlicher Konvention das Protokoll in Europa allen Ehefrauen von Staatsmänner bei Staatsbesuchen vorschreibt, karitative Institutionen (Kindergärten, Krankenhäuser) des fremden Landes zu besichtigen und es ihnen in diesem Zusammenhang protokollarische bzw. - bösliaft ausgedrückt - propagandistische Aufgaben auferlegt. Bevor ich zur Erörterung meines Gegenstandes übergehe, möchte ich eine Frage von geographischer bzw. kulturhistorischer Bedeutung klären. Die balkanologische Konferenz beschäftigt sich mit dem his­torischen Ungarn wie es in den Staatsgrenzen vor dem Friedensvertrag von Trianon (1920) existierte. Selbstverständlich gehörte Ungarn weder aus geographischer, noch aus politischer oder kulturhistorisch­er Sicht zum Balkan, sondern war ein Teil Mitteleuropas. Es bildete dessen östüche Hälfte, ein Gebiet sozusagen auf der Nahtstelle zwischen Mittel- und Osteuropa und dem Balkan. Unser Land hatte gemeinsame Grenzen und viele Jahrhunderte währende Verbindungen mit einigen Balkanländern. Nach dem ersten Weltkrieg, im Zuge der politischen Neuordnung und Neufestsetzung der Grenzen wurde ein bedeutender Teil des ehemaligen Ungarn Teil von Balkanstaaten im eigentlichen Sinne: von Rumänien und Serbien/Jugoslawien. Zu erwähnen ist noch, dass ein beachtlicher Teil Ungarns während der anderthalb Jahrhunderte dauernden Türkenherrschaft zusammen mit den Balkanländern einem gemeinsamen Reich angehörte und dessen politischen, wirtschaftlichen und kulturell-regionalen Einflüssen unterlag. Schliesslich ist hevorzuheben, dass sich Ungarn durch die Krönung des ersten Königs, des Hl. Stephan, und durch dessen Kirchengründung dem römisch-katholischen Europa anschloss und später zum östlichen Bollwerk des Protestantismus wurde, während sich der Balkan unter dem Einfluss von Byzanz Entwickelte. Zunächst umfasste er grieclüsch-orthodoxe, später - infolge der türkischen Eroberung - auch zum Islam übergetretene Volksgruppen, und er wies damit völlig andersar­tige religiöse, kulturelle und philosophisch-weltanschauliche Bindungen auf. Wenn auch Ungarn, die östliche Grenze des römischen Katholizismus bzw. des Protestantismus, in gesundheitlicher Hinsicht als Wächter des cordon sanitaire auftrat und in Reiligon sowie Philosophie abweichende kulturprägende Anschauungen aufwies, so stand es doch mit den Balkanländern in der Lebensführung, Ernährung und häufig auch in den politischen Bestrebungen im Einklang und in unmittelbarem Kontakt. Im mittelalterlichen Europa wurden die Ideale durch die katholische Kirche bestimmt. Dementsprechend galten neben der Religiosität Keuschheit, Askese, Armen- und Krankenpflege als die hervorragendsten menschlichen Eigenschaften. Da das mittelalterliche Frauenideal grundlegend durch die erwähnten Tugenden charakterisiert werden kann, scheint es ausreichen zu sein, nur ein-zwei Personen zu erwähnen. Beziehenderweise gingen in der Verwirklichung christlicher Moral die Mitglieder der königlichen Familie mit gutem Beispiel voran. Als erste Frauen und Mädchen des Landes galten die weiblichen Mitglieder des Königshauses der Árpádén. Unter den weiblichen Heiligen gebührte - und gegührt auch heute noch - die tiefste Verehrung der Tochter von Endre (Andreas) LI. und Gertrudis von Meranien, der Heiligen Elisabeth aus dem Arpádenhaus (1207-1231), ungeachtet der Tatsache, dass sie im Alter von vier Jahren auf den Hof ihres späteren Gatten, Ludwig von Thüringen übersiedelte. Bereits im Mittelalter wurden nach ihr Hospitäler und Leprosorien genannt. Hymnen und Legenden wurden ihr zu Ehren gedichtet. Bis zum heutigen Tage gilt Elisabeth als die beliebste Figur religiöser Ikonographie. Ihre Person wird in erster Linie mit der Leprosenbetreuung in Verbindung gebracht, und dieser Kult zieht sich auch durch die schriftlichen und bildlichen Denkmäler Ungarns hindurch. Ein typisches Thema der heimischen spätgotischen Darstellungen und der Renaissance ist die Szene, in welcher Elisabeth Leprosen im Leprosorium badet. Die früheste Abbildung dieses Themas sieht man auf einem Relief aus dem 14. Jahrhundert am Nordportal der Kathedrale von Kassa (Kaschau: Kosice in der Tschechoslovakei). Unter den Tafelbildern gilt als das schönste Beispiel realistischer Darstellung die Szene auf dem Elisabeth Hauptaltar der Kaschauer Kathedrale (gemalt 1474-1477), wo Elisabeth samt Gefährtinnen in einem Bottich Leprosen badet. Diese Darstellungen sind wichtige Dokumente des Leprawesens, und sie geben Auskunft über die medizinische Betreuung von Leprosen. 1 1 Vida, M.: Az orvosi gyakorlat és a gyógyítószentek ikonográfiája a XIII—-XIV. századi falfestészetben. (Die medizinische Praxis und die Ikonographie heilender Heiligen in der Wandmalerei des 13. und 14. Jahrhunderts) Comm. Hist. Artis Med., 87—88(1979), 43—51 (mit Bildern).

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