Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 115-116. (Budapest, 19869
TANULMÁNYOK - Kaiser, Wolfram: Johann Heinrich Schultze (1687—1744) és magyar baráti illetve munkatársi köre (német nyelven)
mit Schulze gut bekannt war und zu seinen ersten Biographen zählt, dann müßte die medizinische Betätigung sogar an vorderster Stelle einrangiert werden. Dreyhaupt notierte jedenfalls, Schulze sei „nicht nur ein hochgelehrter Medicus, sondern auch ein großer Philologus ... der was die Arabische und die Griechische Literatur anlangt, in Deutschland und vielleicht in Europa seines gleichen nicht gehabt. ' ' Eine breitbasig angelegte Grundausbildung und ein intensives forscherisches Engagement sicherten dem Arzt und Altertumswissenschaftler Schulze bereits zu Lebzeiten die Aura des nicht auf die „heimische" Disziplin beschränkten Polyhistors, ein Attribut, das beispielsweise auch Albrecht von Haller (1708—1777) zuerkannt wurde, der bis heute fast aequo loco seinen Platz in der Medizin- und Literaturgeschichte einnimmt. Physik, Chemie und Botanik galten allerdings gemäß der Vorstellung der Zeit noch weitgehend als Teilgebiete der Medizin; für einen wissenschaftlich tätigen Artzt war es eine Beschäftigung innerhalb seines Kompetenzbereiches, wenn er sich mit einer chemischen Aufgabenstellung beschäftigte. Die spätere Absplitterung bestimmter Teile der angewandten Naturwissenschaften von der Ars medica hat es mit sich gebracht, daß die diesbezüglichen Leistungen von Ärzten in den Geschichtswerken anderer Disziplinen verankert sind: wer denkt beispielsweise heute daran, daß der als „Vater der Turbinentechnik" geltende Johann Andreas Segner (1704—1777) aus Preßburg (Pozsony) von Hause aus Arzt war und ein medizinisches Ordinariat in Göttingen bekleidete?" Ähnliches trifft für Johann Heinrich Schulze mit seiner Präsenz in der Geschichte der Photochemie zu; sein Name ist hier mit Experimenten verbunden, die ihn zum Ahnherren der modemen Photographie werden ließen. 12-14 Bei Arbeiten mit salzsäurefreier Salpetersäure — bereitet durch das Lösen von Silber und durch das Abgießen von eventuell abgeschiedenem Silberchlorid und daher letztlich nie ganz frei von Silbernitrat — fiel Schulze die Lichtempfindlichkeit der Silbersalze mit resultierendem Schwärzungseffekt auf. 15 Die Forschung nahm dieses Resultat recht schnell zur Kenntnis, so daß Carl Wilhelm Scheele (1742—1786) nach weiterführenden Experimenten 1775 konstatieren konnte: „Es ist bekannt, daß die Auflösung des Silbers in Salpetersäure, wenn sie auf ein Stück Kreide gegossen, und den Sonnenstrahlen ausgesetzt wird, eine schwarze Farbe bewirkt." Die Zusatzbeschäftigung mit der Experirnentalchemie hätte Schulze demzufolge nach dem Verständnis des 18. Jahrhunderts noch nicht zum Polyhistor gemacht: Polyhistorismus setzte jenes „Concerto unitario", setzte die Beherrschung mehrerer sich untereinander nicht verflechtender Fachgebiete voraus, wie das auch für Haller und Segner galt. 1617 Schulzes ärztliche Zeitgenossen haben diese Breitspektrigkeit, die seinem medizinischen Grund anliegen keinerlei Abbruch tat, bereits zu würdigen gewußt. Albrecht von Haller geht in seinen bio- und bibliographischen Wertungen sogar so weit, daß er unterstellt, Schulze sei der eigentliche Autor von Buchbeiträgen gewesen, die offiziell unter dem Namen von dessen berühmtem Lehrer Friedrich Hoffmann (1660—1742) zur Edition gelangten. Speziell von einem der Hoffmannschen Alterswerke 11 Kaiser, W.: Johann Andreas Segner. Biographien hervorragender Naturwissenschaftler, Techniker und Mediziner, Bd. 31; Leipzig 1977. 12 Eder, J. M.: Photographische Korrespondenz; Wien 1881. 13 Eder, J. M.: Quellenschriften zu den frühesten Anfängen der Photographie bis zum 18 Jahrhundert; Hai le 1913. 14 Eder, J. M.: Johann Heinrich Schulze. Der Lebenslauf des Erfinders des ersten photographischen Verfahrens etc. ; Wien 1917. 15 Cassebaum, H.: Carl Wilhelm Scheele. Biographien hervorragender Naturwissenschaftler, Techniker und Mediziner, Bd. 58; Leipzig 1982. 16 Kaiser, W., u. W. Piechocki: Medizin und Polyhistorismus. Wiss. Z. Univ. Halle (Math.-naturwiss.) XXI (1972), H. 5, S. 51-57. 17 Duka Zólyomi, N.: Zum Polyhistorismus der Segner-Ära. Wiss. B. Univ. Halle 19H1/36 (T 20), S. 226-223; Halle 1977.