Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 83-84. (Budapest, 1978)
FÓRUM - Szakvélemények és hozzászólások Semmelweis kórtörténetéhez (magyar és német nyelven)
linken mittleren scala vorgefundene „Pseudomembran" — die ebenso wie die pleurale „Anheftung" an der hinteren Oberfläche der rechten Lunge für einen metastatischen Eiterherd zu halten ist — kann ebenfalls als hämatogene Metastase betrachtet werden. Endlich können wir auch die eitrige Entzündung der linken Niere in dieselbe Kategorie einreihen. Zugegeben, daß es ziemlich willkürlich ist, die in verschiedenen Körperteilen, im Bindegewebe unter der Haut befindlichen, mit Gewebezerfall und -Verschmelzung verbundenen Entzündungsprozesse (bloß aufgrund der Beschreibung des Sektionsprotokolls) in primäre und sekundäre Erscheinungen einzuteilen, will ich hier jedoch der Logik der Diagnose im Sektionsprotokoll folgen, umsomehr, weil während meines Kriegsdienstes ich selbst einen solchen Fall beobachten konnte, in welchem, in einer Pyämie nach der Beschädigung der unteren Extremität, Abszesse in den verschiedensten Körperteilen unter der Haut aufgetreten sind. Ließen wir den Eiter aus einem derselben mittels eines chirurgischen Eingriffs aus, so erschien der Abszess nach einigen Stunden an einer anderen Stelle. (Über Antibiotika haben wir damals noch nicht verfügt.) Ich schließe auch die von István Benedek und anderen aufgeworfene Möglichkeit nicht aus, daß Semmelweis in Mildners Anstalt brutal geschlagen wurde, oder eventuell selbst seine Krämpfe bzw. seine gewaltsamen Lageveränderungen Hämatome, Gewebezerstörungen unter der Haut herbeiführten, die als „loci minoris resistentiae" zu einem guten Nährboden für die im Blut kreisenden Krankheitserreger dienten. Diese Möglichkeit kann zwar nicht ausgeschlossen, jedoch aufgrund des Sektionsprotokolls auch nicht für bewiesen, oder nur für wahrschenlich gehalten werden. Im Sektionsprotokoll werden nämlich kein einziges Hämatom, keine Quetschwunde, ja sogar keine Ritze erwähnt, hämatogene Disseminationen hingegen können im Bindegewebe unter der Haut auch ohne äußere gewaltsame Einwirkung zustandgekommen sein. Deshalb kann ich mit István Benedek nicht einverstanden sein, der auf dem Blatt 459 seines Buches (Semmelweis és kora. Bp. 1973) schreibt wie folgt: „Vermutungsweise ist es die Wahrheit, daß die Wärter der Wiener Irrenanstalt Semmelweis zunächst halb totgeschlagen, dann abgebunden haben, endlich an seinen Wunden, an seiner Blutvergiftung zugrunde gehen ließen." Nach Benedek geben die subkutanen „Jauchenherde" und die „Substanzverluste" Zeugnis von einer „inhumanen Brutalität, Schlägerei und Abbindung" ab. Wo Benedek all das hernimmt, kann ich nicht wissen. Er dürfte es keiner anderen Quelle, als seiner eigenen Vorstellungskraft entnommen haben! Meine Erörterungen im Punkt 3 kann ich also zusammenfassen : In dem von Scheuthauer veröffentlichten Sektionsprotokoll ist nichts vorzufinden, was wahrscheinlich machen würde, daß Semmel weis tätlich insultiert worden wäre. Falls etwa doch diesbezügliche Zeichen auf dem Cadaver vorhanden gewesen und vom Obduzenten nicht beschrieben worden wären, so soll es ihm auf dem Gewissen bleiben. 4. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir uns hinsichtlich der Todesursache dem bereits früher angenommenen und auch im Sektionsprotokoll festgelegten Standpunkt anschließen, nach dem Semmelweis' Tod auf die aus einer eitrig-jauchigen Entzündung an einem (oder mehreren) Finger(n) der rechten Hand entstandene septische Pyämie bzw. auf die daraus folgende Kreislauf- und Atmungsinsuffizienz zurückzuführen ist.