Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 83-84. (Budapest, 1978)
FÓRUM - Szakvélemények és hozzászólások Semmelweis kórtörténetéhez (magyar és német nyelven)
der Text auf Ungarisch viel mehr verständlich, als wenn er von Scheuthauer selbst konzipiert worden wäre. Dieses echte Quellenwerk wurde einmal schon in der früheren Diskussion über Semmelweis' Krankheit von Gyula Regöly-Mérei weiland zitiert, aber mangelhaft, und sozusagen fehlerhaft interpretiert. 3 In seinem Aufsatz wies er auf Scheuthauers Buch hin, dessen Titel er unter Nr. 60 des 78sätzigen Literaturverzeichnisses angegeben hat wie folgt: „Scheuthauer G.: Elméleti kórbonctan. Ed. A. Rothman, Litography, no date. In Hungarian". Der erste Band der zweibändigen vervielfältigten Handschrift wurde tatsächlich von Armin Rothman, der zweite aber von Sándor Nyitó herausgegeben, in welchem letzten auch das Jahr der Ausgabe (1877) angegeben wurde. Regöly-Mérei hat Scheuthauer nicht wortwörtlich zitiert, sondern nur bei der Interpretierung der degeneratio grisea auf ihn hingewiesen. Den fraglichen Begrilf aber — der in deutschen Fachbüchern als „graue Degeneration" ab und zu heute noch erwähnt wird, in den ungarischen aber nie — charakterisierte er folgenderweise: „Mitte des vorigen Jahrhunderts bedeutete degeneratio grisea noch nicht spezifisch tabes dorsalis, sondern nur einen regressiven Prozeß der Nervenelemente des Rückenmarks und einen ersatzmäßigen Glia-Zuwachs. Mehrere Krankheitsformen wurden hierher eingereiht, wie z. B. die »ringförmige Sklerose«, . .. tabes dorsalis, FriedreichKrankheit usw". Nach einem Zitat aus Birch-Hirschfelds Pathologie (1892) schloß er damit: „Das ist die pathologisch-anatomische Auffassung im vorigen Jahrhundert". Die Richtigkeit des letzten Satzes wird durch den Unterschied vermindert, der einerseits zwischen Rokitanskys (ebenfalls zitiertem) Buch (1856), anderseits Scheuthauers Vorlesungen (1877) und der Ausgabe 1892 von Birch-Hirschfelds Pathologie in Bezug dieses Begrilfskreises bestanden haben dürfte. Denn 1856 wußte man kaum etwas über die Histologie des Nervensystems, im Jahre 1892 hingegen sehr viel. Auch der Hinweis auf Scheuthauer ist mißverständlich, als ob er die fragliche Erscheinung nicht spezifisch für tabes dorsalis gefunden hätte. Nun, Scheuthauers Vorlesung wird von Sándor Nyitó wiedergegeben wie folgt (Bd. 2, S. 265, im Kapitel „Die Krankheiten des Rückenmarks"): „Degeneratio grisea, neuerdings ataxia locomotrix ist dieselbe Läsion, die früher* tabes dorsalis genannt wurde. Besonders die hinteren Stränge des Rückenmarks werden von ihr berührt, wo durchscheinende grauliche Herde auftreten, die jedoch nicht so ungeordnet, asymmetrisch und zahlreich sind, wie bei den sklerosenartigen Läsion myelitis chronica ..." Vorher, auf der Seite 245 wurde die dementia paralytica — histologische Angaben einbegriffen — pathologisch-anatomisch charakterisiert. Der letzte Satz lautet: „Nach den neueren Forschungen von »Vexapfel« breiten sich die Veränderungen der Vorverzehrung auch auf den hinteren Strang des Rückenmarks aus, wodurch sich [die Krankheit] der tabes dorsalis nähert." Daraus kann man zwar nicht folgern, daß 1865 das manchmal gleichzeitige Vorkommen beider krankhaften Veränderungen für Scheuthauer nicht überraschend war, soviel jedoch mit vollem Recht, daß er es 1877 als gleichzeitig auftretende Krankheitsprozesse für möglich hielt. Heute wird es Taboparalyse genannt. 3 Regöly-Mérei Gyula: The pathological reconstruction of Semmelweis's disease... In: Communicationes de História Artis Medicináé Bd. 55—56 (1970) S. 65—92. 4 Das ungarische Wort „előbb" (früher) bedeutet hier soviel wie „nicht lange vorher".