Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 69-70. (Budapest, 1973)

TANULMÁNYOK - Buzinkay Géza: Felsőoktatási politika Magyarországon a neoabszolutizmus korában, 1849-1860.

dessen. „Ärzte, Soldaten, Rechtsanwälte usw. sollten entsprechend dem Bedarf des Staats überall ausgebildet werden, wo Wille und Geld vorhanden sind. Man möge zweckmäßige Gebäude hierfür errichten und diese mit den notwendigen Lehrma­terialien und Zubehör ausrüsten; als Lehrkräfte möge man Fachleute berufen; wenn diese in unserem Land nicht zu finden sind, sollte man sie aus Wien oder Paris beru­fen, so wie es in Konstantinopel, Kairo und Teheran geschieht, — und ein Jahrzehnt später stände dem Staat eine ganze Armee ausgebildeter Beamter zur Verfügung. Doch ist dem nicht so in bezug auf die Wissenschaft, auf die geistig schöpferischen Kräfte, die allein fähig sind, der Wissenschaft Leben einzuhauchen, ihre Wege und Ziele zu ermessen, Schulen zu gründen und im Leben von Wissenschaft und Natio­nen eine richtungweisende Epoche zu gestalten. So erwählte Menschen werden der Natur nicht in jeder Zeit und nur gelegentlich hier und dort geboren; ihre Schüler zu sein, gehört zu den größten Gewinnen und Genüssen des Lebens. Wenn einst ein christlicher Arzt in das arabische Cordova oder Salerno wandern konnte, um dort direkt an der Quelle seine Wissenschaft zu schöpfen, warum kann er heute nicht — wenn man es gestattet — nach Berlin, oder Paris gehen und Chemie bei Liebig oder Fresenius und Psychologie bei Bischof hören, wie gegenwärtig die Auskultation bei Skoda und die pathologische Anatomie bei Rokitanszky!" Es schien, als würde das Interesse an der Wissenschaft im Kreise der Universitäts­jugend aussterben. Die Zeitung „Pesti Napló" klagt im Jahre 1855: „es ist eine traurige und deprimierende Erfahrung, daß unsere Jugend sich kaum von der Wissenschaft angezogen fühlt, daß ihr der Drang, den interessantesten und lehrreich­sten Vorlesungen, die Geist und Seele darstellen, jedoch der Tugend des äußeren Zwanges entbehren, beizuwohnen, fast völlig fehlt. Werfen wir nur einen Blick auf den reichgestalteten philosophischen Studienplan und auf die leeren Hörsäle, in denen kaum ein paar Studenten zu finden sind!" Als Beispiel wurde deshalb die Philosophie angeführt, weil deren Fächer kein „Brotstudium" sind, sondern am reinsten wissenschaftliche Zweige. Das Desinteresse zeigte sich weiterhin daran daß im vorausgegangenen Wintersemester von 45 angekündigten Vorlesungen 13 nicht gehalten wurde, da sie von den Studenten nicht besucht wurden. Die philosophische Fakultät war insofern in einer besonderen Lage, da sie durch die Streichung ihres Vorbereitungscharakters einen großen Teil ihrer Studenten verlor. Die sehr geringe Zahl der Studenten ist in erster Linie durch das noch unge­formte Antlitz und Unterrichtsordnung der Fakultät zu erklären und erst in zweiter Linie durch das tatsächlich vorhandene Desinteresse an der Wissenschaft. Letzteres ist jedoch auf die mittelmäßigen wissenschaftlichen und pädagogischen Fähigkeiten eines bedeutenden Prozentsatzes der Hochshuilehrer und die völlige Verbannung eines nationalen wissenschaftlichen Geistes zurückzuführen. Und daß die Lage im gesamten österreichischen Reich so war, zeigt sich daran, daß sich die Pester Uni­versität noch immer am besten entwickelte. Seit dem Jahre 1852 war es Pflicht der Universität, statistische Angaben über Lehrkörper und Studenten zu machen, so daß verhältnismäßig genaue Angaben erhalten geblieben sind und zwischen den Uni­versitäten des Reichs Vergleiche angestellt werden können. Zwischen 1852 und 1855 hat sich, in bezug auf drei Wintersemester, die Stundentenzahl der Pester Universität um 15 Prozent erhöht, während an allen übrigen Universitäten des Reichs — Die Wiener Universität ausgenommen — die Zahl der Studenten zurückging. Die Ol­mützer Universität mußte schließlich aus Mangel an Studenten ihre Pforten schließen. So trat also — die Wiener Universität ausgenommen — bis zum Jahre 1857 ein allgemeiner Rückgang ein. Nach dem Jahre 1857 dagegen zeigte sich — eben auf Kosten der Wiener — ein Anstieg.

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