Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 66-68. (Budapest, 1973)

ADATTÁR - Lesky, Erna: Semmelweis Ignácra vonatkozó iratok a bécsi Egyetemi Levéltárban

Auseinandersetzung zwischen einem rückständigen, alten Professor und seinem fortschrittlichen, genialen Assistenten simplifizierte. In solcher Sicht hat man sich daran gewöhnt, den damaligen Professor der Geburtshilfe in Wien, Johann Klein (geb. 1788 zu Deutschhausen in Mähren), Semmelweis' Chef, als dessen entscheidenden Gegenspieler zu betrachten und sich damit den Blick auf die Hauptfigur im Kampfe gegen Semmelweis verstellt. Daß es sich bei diesem in Wahrheit um ein sehr komplexes Kräftespiel handelt, um eine Auseinander­setzung weit größerer Dimension, die in ihren Anfängen bereits auf das Jahr 1846 zurückgeht, erwies die Durchsicht sämtlicher Sitzungprotokolle der Fa­kultät. Sie ließen an zahlreichen anderen, ähnlich gelagerten Fällen erkennen, daß es sich auch im Falle Semmelweis um einen Kampf grundsätzlicher Art handelt, in dem sich zwei Gruppen von Professoren als Vertreter der alten bzw. der neuen, naturwissenschaftlich orientierten Medizin gegenüberstanden. Als Hauptakteure in diesem Kampf treten zwei Männer hervor: der 1805 in Pilsen in Böhmen geborene Neubegründer der physikalischen Diagnostik, Joseph Skoda, auf der einen Seite und der 1791 in Pécs geborene Anton von Rosas, seit 1821 Professor der Augenheilkunde in Wien, auf der anderen Seite. Eine besondere Verschärfung erfuhr dieser Kampf zu Beginn des Jahres 1849, als Rosas provisorischer Vizedirektor der medizinischen Fakultät wurde. Dieser hochschulpolitisch außerordentlich aktive und versierte Repräsentant einer ver­gangenen Ära verstand es, noch einmal in seiner Person alle autoritäre Gewalt eines Amtes zu versammeln und in raffinierter Weise zu praktizieren, dessen Abschaffung und Ersetzung durch eine autonome Dekanatsverfassung der Fakultät bereits im Revolutionsjahr 1848 versprochen war. Es war ein wahres Verhängnis für Semmelweis daß sein Gesuch um Ver­längerung der Assistentur gerade in jener Zeit des Jahres 1849 zur Verhandlung kam, in der sich unter Führung von Rosas die alten seit 1840 bestehenden Gegensätze zwischen reaktionär und fortschrittlich gesinnten Professoren noch durch den Kampf um die Selbstverwaltung zuspitzten und neu entzündenten. So wurde der Fall Semmelweis zu einer Kraftprobe direktorialer Gewalt mit all ihren kleinlichen und gehässigen Manifestationen, wie sie besonders krass die Stellungnahme Rosas' im Akt Nr. 343 ex 1849 bezeugt. Umso mehr ist es eine Forderung der Gerechtigkeit, gegenüber solcher Ge­sinnung auch jene andere hervortreten zu lassen, wie sie die Führer der fort­schrittlichen Professorengruppe, allen voran Skoda und Rokitansky, in den hier vorgelegten, neu hinzugekommenen Zeugnissen für ihren Schüler Semmelweis bekunden. Unter ihnen kommt dem Antrag Skodas auf Einsetzung einer Unter­suchungskommission vom 10. Jänner 1849 sowie dem dafür eintretenden Majoritätsvotum der Fakultät vom 10. Februar 1849 wegen ihres hohen, von echtem wissenschaftlichen Verantwortungsgefühl getragenen Ethos besondere Bedeutung zu. Diese sowie andere Dokumente bezeugen, daß die Lehrer und Freunde Semmelweis' über Jahre hinaus unerschrocken, mutig und zäh für ihn gekämpft und auch noch zu einer Zeit an ihm festgehalten haben, als er bereits Wien den Rücken gekehrt hatte. Das Separatvotum vom 27. Juli 1850 mit dem diese Aktenpublikation schließt, ist hiefür eindrucksvolles Zeugnis

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