Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 66-68. (Budapest, 1973)
FORUM - Semmelweis kórtörténetének nyomában — Bécs és Budapest levelezése (magyar, angol és német nyelven)
BRIEFWECHSEL ZWISCHEN WIEN UND BUDAPEST 1. Brief des Universitätsdozent Frau Dr. med. univ. Marlene Jantsch, an den Historiker der Medizin, Dr. István Darvas Wien, 12. Januar 1961 Sehr geehrter Doktor, verzeihen Sie, wenn ich erst heute Ihren mir von Herrn Professor Schönbauer Zur direkten Erledigung übergebenen Brief beantworte. Zunächst musste ich den Aufsatz von Gyula Nyírő suchen. Er ist unter dem Titel „Die Krankheit von Ignaz Semmelweis im Spiegel der Psychiatrie" in „Das Deutsche Gesundheitswesen", Verlag Gesundheit, Berlin, Jg. 15, Heft 3 vom 21. 1. 1960, Seite 150— 158 erschienen. Die Diagnose „Paralyse" war bis zur Entdeckung der Spirochaeten, beziehungsweise der Syphilisreaktionen tatsächlich eine recht allgemeine Diagnose. Aber wenn man die Krankengeschichte von Semmelweis liest, gewinnt die Annahme, dass es sich hier um eine galoppierende Paralyse gehandelt habe, doch an Wahrscheinlichkeit. Mit grosser Mühe habe ich eine Abschrift der unter Verschluss gehaltenen Krankengeschichte erhalten gegen mein Versprechen, sie nicht weiterzugeben oder unverändert zu publizieren. So kann ich Ihnen nur einige Hinweise geben, werde aber versuchen, einen kurzen Artikel als Einwand gegen Nyírő zu schreiben und von der massgeblichen Stelle dann eine Druckgenehmigung zu erhalten. Das von Wagner, Balassa und Bókay unterzeichnete ärztliche Zeugnis vom 29. Juli 1865 liegt der Krankengeschichte bei, ist also erhalten geblieben. Es wird bestätigt, dass Semmelweis seit 3 Wochen mit einer Störung seines Gemütslebens behaftet sei, die eine Entfernung aus der gewohnten Umgebung und seiner Berufstätigkeit und eine geeignete Beaufsichtigung und ärztliche Behandlung in einer Anstalt für Gemütskranke wünschenswert erscheinen lasse. Es wird in einem weiteren Bericht von Dr. Bókay zunächst der Charakter Semmelweis' vor seiner Erkrankung im Sinne von Schürer-Waldheim geschildert. Auf Stimmungsschwankungen wird hingewiesen und auf den Mangel, Widerspruch gegen seine Lehre zu ertragen. Fünf Wochen vor seiner Einlieferung bemerkte seine nächste Umgebung eine Änderung seiner Äusserungen und Handlungen, er vernachlässigte seine Familie, suchte anderwärts Vergnügungen, wirkte in seinem Benehmen oft anstössig, trank im Gegensatz zu früher geistige Getränke in grossen Mengen, Er wurde verschwenderisch, überschätzte seine Einnahmen, unterschätzte seine Ausgaben. Obwohl er die ungarische Sprache nicht völlig beherrschte, plante er eine ungarische Übersetzung seines Werkes und von Siebolds Briefen, um Mitglied