Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 66-68. (Budapest, 1973)

FORUM - Semmelweis kórtörténetének nyomában — Bécs és Budapest levelezése (magyar, angol és német nyelven)

EINLEITUNG Die Forscher der Vergangenheit Österreichs und Ungarns sind — eben infolge der gemeinsamen historischen Vergangenheit — durch enge Fäden verknüpft, befassen sich mit allgemein- oder eben wissenschaftsgeschichtlichen Fragen, Doch darüber hinaus können wir auch im Lebensweg einzelner Men­schen häufig eine Wiener und eine Budapester Epoche unterscheiden, denn die beiden Städte hatten — wenn auch mit unterschiedlichem Gewicht — Anteil an ihrem Leben, Es muß erreicht werden, die Vergangenheit ohne Vorurteil zu beurteilen, die historischen Quellen in immer vollkommeneren Maße freizulegen. Wir können ruhigen Gewissens sagen: die ungarischen Forscher geben — manchmal geradezu den Vorwurf des Exhibitionismus her­vorrufend oder den natürlichen nationalen Nutzen „verratend" — das gesamte, ihnen zur Verfügung stehende Quellenmaterial frei. Bedauerlicher­weise erhalten sie von einzelnen Organen oder Forschern von Ländern, mit denen Ungarn eine gemeinsame Vergangenheit verbindet, nicht den entspre­chenden Gegenwert an Material. Ohne daß wir im gegenwärtigen Fall dies als „Anklage" aufgefaßt wissen wollen, mußte doch im vorhinein gesagt werden, warum es uns empfindlich berührt, wenn unsere Haltung nicht in gleichem Maße erwidert wird. Mit voller Absicht veröffentlichen wir im gleichen Band die Dokumente, die uns von der Wiener Universität (als Kopie) als Geschenk übergeben wurden, gemeinsam mit der Korrespondenz über die Krankengeschichte. Wir wollen nicht glauben, daß der Freund, der uns Geschenke überreicht, auf der anderen Seite die Veröffentlichung eines Materials, das heute für niemanden mehr eine Beleidigung oder Kränkung darstellen kann, verweigert. Etwas anders können wir nicht sagen, die Korrespondenz spricht für sich selbst. Die Antworten sind ganz einfach unverständlich — widersprüchlich und unglaubwürdig. Oder kann als glaubwürdig angesehen werden, daß die so genaue österreichische Admi­nistration im Jahre 1963 — bei einem einfachen Umzug — jene wertvollen Dokumente verlorengehen läßt, von denen uns zuvor mitgeteilt wurde, daß sie wegen Rechtsstandpunkten nicht veröffentlicht werden können? Dr. Marlene Jantsch schreibt in ihrem Brief, daß sie die unter Verschluß gehaltene Krankengeschichte erhalten habe. Doch könne sie sie nicht weiter­reichen, sie verweigert dem sie aufsuchenden Doktor Réti, dem Vize-Sekretär der Internationalen Medizinhistorischen Gesellschaft, der unserer Redaktion das unten angeführte Schreiben übergab,* jede Auskunft, und Doktor Jantsch * „Notiz Im Monat Mai des Jahres 1969 suchte ich im Verlauf einer längeren westlichen Reise die Dozentin Dr. Marlene Jantsch, zuvor Mitarbeiterin des Instituts für Geschichte der Medizin der Wiener Universität, in ihrer Wohnung auf. Der Grund

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