Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 55-56. (Budapest, 1970)
KISEBB KÖZLEMÉNYEK - Mozsonyi Sándor: Semmelweis munkásságának néhány gyógyszerészeti és kémiai vonatkozása (német nyelvű közlemény)
Die objektiven Fachmänner stellen später den Namen von Semmelweis neben denjenigen von Lister, aber mit der Bemerkung, dass „Lister sich schon an die Entdeckung von Pasteur lehnen konnte, während Semmelweis nur von seinen eigenen Erfahrungen schöpfen konnte". Sehen wir jetzt den durch Semmelweis benützten chemischen Desinfizienten näher zu. Laut dem oben angeführten deutschen Text hat also Semmelweis zuerst die Chlorina liquida verwendet, wechselte aber später ihres zu hochen Preises halber zur Verwendung des viel billigeren Chlorkalkes über, von welchen er die Quantität 1 Unzie ( = 35 g) zur 2 Libren (1 Libra = 420 g), d. h. 840 g Wasser beigab, also Hess er die Hände mit einer 4%-igen solchen Lösung desinfizieren. Das Chlor wurde zum ersten Mal im J. 1774 durch Scheele, einen schwedischen Pharmazeuten hergestellt. Somit waren in der Zeit von Semmelweis — im J. 1847 — das Chlorwasser und der Chlorkalk schon bekannt. Beide figurierten in den seit 1834 bis 1855 auch in Ungarn gültigen IV. und dann darauffolgenden Ausgaben des österreichischen Arzneibuches, später im ungarischen Arzneibuch. (Das I. Ungarische Arzneibuch erschien erst im J. 1871.) In jener Zeit wurden die galenischen und chemischen Mittel allgemein in den Apotheken hergestellt. Bei uns errichtete der Pharmazeut Dániel Wagner sen. ein chemisches Unternehmen. Die Calcaria chlorata ist im V. Osterr. Arzneibuch bereits mit der Bezeichnung „Praeparatum officinarum chemicarum" versehen. Die „Chlorina liquida" (Chlorum liquidum, Acidum muriaticum oxygenatum) oder Chlorwasser, das aus Kochsalz mittels Braunsteins (Mn0 2 ) und konzentrierter Schwefelsäure hergestellt wurde ist im IV. Osterr. Arzneibuch unter den galenischen Präparaten zu finden. Auf die Einwirkung der Schwefelsäure hin entsteht vom Kochsalz Salzsäure; diese wird von Braunstein zum ins Wasser eingeführten Chlorgas oxydiert. Wie wir sahen, hat Semmelweis das Chlorwasser wegen dessen hohen Preis durch den Chlorkalk abgewechselt. Tatsächlich hat die mit Kreuz bezeichnete Chlorina liquida (Folyó zöldlő, Chlorwasser) laut der im 1843 herausgegebenen ungarischen Arzneitaxe 5 Kreutzer je Unzie gekostet, während der Preis des Chlorkalkes (Cloretum calcis, Mészanyzöldlet, Kalkchlorid) nur 2 Kr. betrug. Der Wechsel hatte aber auch andere Vorteile. Das Chlorgas, welches sich in dem etwa 0,5% -igen Chlorwasser befindet, ist ein ausserordentlich unangenehmer, die Atemwege irritierender Stoff, welcher bei Einatmung die Lungenzellen ruiniert, vergiftet. Eben darum war es wahrscheinlich nicht gerne verwendet worden. Übrigens ist das Chlorwasser ein gutes Desinfizierungsmittel. Wegen seiner sehr radikalen Oxydierungswirkung zersetzt es die organischen Stoffe und die Mikroorganismen. Die Stärke seiner Wirkung lässt aber bald nach. Man kann also wohl behaupten, die Verwendung des stabileren Chlorkalkes ist glücklicher. Seine Herstellung knüpft sich an den Namen von Tennant, obwohl ihn Pál Kitaihel bereits im 1795 hergestellt hat.