Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 55-56. (Budapest, 1970)

KISEBB KÖZLEMÉNYEK - Fekete Sándor: Semmelweis felfedezésének története: a tan kialakulása

1. Podach behauptet, Semmelweis' eigene Beschreibung seiner Entdeckung, wie er sie im J. 1858 (in „Orvosi Hetilap") und im 1860 (in seiner "Aetiologie") mitteilt, sei höchst romantisch, unpräzis und eher für die im Zeitpunkt der Entdeckung vorherr­schende geistige Verfassung von Semmelweis charakteristisch, als ein wissenschaftlich fundierter Bericht. Eine ähnliche Meinung vertretet E. Lesky, indem sie mit Beru­fung auf Skoda die Entdeckung von Semmelweis für einen "geistigen Eigentum der Wiener Schule" erachtet. Hingegen ist es festzustellen, dass als Ödön Tuszkai, der im J. 1908 in London war und C. H. F. Routh, einen englischen Arzt und ehemaligen Mitarbeiter von Semmelweis besuchte, jener ihm das grosse Ereignis lediglich ebenso schilderte, wie Semmelweis selbst. Ja, er gab aus seiner persönlichen Erinnerung, auf Grund von Gesprächen mit Semmelweis noch einige, gar menschliche Einzelheiten hinzu, die eine Vermutung im Sinne Podachs völlig ausschliessen. Tuszkai teilte seine Information im Jahrgang 1908 der ungarischen medizinischen Zeitschrift „Gyógyá­szat" mit. — Was die Wiener medizinische Schule anbelangt, so ist es nicht zu be­zweifeln, dass Semmelweis ihrer Leitern vieles zu danken hat, aber die Welt kann die Erkennung der Aetiologie des Kindbettfiebers und dessen Prophylaxe wiederum Semmelweis verdanken. 2. Zuerst wurde als Ursache der Infektion "die Resorption eines faulenden thie­risch organischen Körpers" angegeben. Im Herbst 1847 kommt dazu die Feststel­lung, dass "zersetzte organische Stoffe" auch im lebenden Körper vorhanden sein können. Im November desselben Jahres wurde auch die Luft des Krankenzimmers als ein mögliches Mittel für die Übertragung der Krankheitserreger erkannt. Dann folgen die schmutzigen Wäschestücken (1856), die Untersuchungsmittel und über­haupt jedes Material, das irgendwie mit den Genitalien der Mütter in Berührung kommt (1861). 3. Demzufolge hat auch die Praxis der Waschungen eine Entwicklung durchge­macht. Zunächst erfolgten sie nur vor dem Zutritt der Ärzte und Medizinstudenten in die Abteilung. Dann nach jeder Untersuchung. Im Pester Rochus-Spital kam es zunächst zu einer gewissen Lockerung der strengen Vorschrift (im Juni 1857, als sich die geburtshilfliche Abteilung von der chirurgischen trennte), aber bereits im 1858 wurde die ursprüngliche Strenge widerhergestellt. Dabei blieb es mit der im J. 1861 zugefügten Sanktion, dass "die Vernachlässigung der Abwaschung wird mit dem Ausschluss vom praktischen geburtshilflichen Lehrgang geahndet". Noch wei­ter wird die Notwendigkeit der Sterilisation durch die Verordnung der Statthalterei vom 1. 9. 1862 ausgedehnt, indem alle Mittel und Gegenstände, die mit den Genita­lien in Berührung kommen können, vorher zu strerilisieren sind. Alldies bedeutet zugleich einigermassen eine objektive Deutung der Tatsache, dass man die Lehre von Semmelweis nur so zögernd anerkannte. Denn nur in der End­phase seiner theoretischen und praktischen Entwicklung konnte sie wirklich aus­schlaggebende Früchte zeitigen. Endlich sei es bemerkt, dass laut einer Mitteilung von /. Csillag im „Orvosi Heti­lap" (109, 874, 1968.) hat schon vor Semmelweis, im J. 1814 der erste ordentliche Arzt des Komitates Veszprém, János Zsoldos in seinem zu Raab (Győr) erschienenen Buch "Diaetetika" den Ärzten und Hebammen anempfohlen, dass sie vor jeden Entbin­dung oder Wundbehandlung ihre Hände im Essigwasser mit Seife, bzw. Kleie ab­waschen sollen. Obschon sein Buch im J. 1818 auch zum zweiten Mal erschien und im selben Jahre es Gábor Fodor auch in Versen gedichtet zu Sárospatak herausgab, konnte sich das Händewaschen dennoch nicht verbreiten. Freilich werden dadurch die Verdienste von Semmelweis keineswegs geschmälert.

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