Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 46-47. (Budapest, 1968)
TANULMÁNYOK - Regöly-Mérei Gyula: Etikai és morális elemek Semmelweis életművében (Német nyelven)
Im Mittelpunkt seines ärztlichen Denkens steht die chirurgische Reinlichkeit. Heute ist sie selbstverständlich, zu den Zeiten von Semmelweis bedeutete sie noch Kampf. 1856 machte ihm der Einkauf 100 (!) Leintücher Sorgen. Die Bettwäsche wird unrein gewaschen. Semmelweis protestiert dagegen, aber ohne Erfolg; einen schönen Tag packt er die mit Blut und Eiter befleckten Leintücher zusammen und legt sie am Schreibtisch des Statthalterrates J. Tandler nieder. Ein Jahr später besorgt er auf eigene Faust 300 neue Leintücher für seine Klinik. Alles geschieht für das Wohl der Kranken. Gortvay und Zoltán [26] berichten darüber, dass 1864 ein gewisser Adolf Récsey, damals Pächter der Wäscherei, eine Anklage gegen Semmelweis richtete, dass er die gelieferte Bettwäsche ihm öfters zurückgeworfen habe, mit der Begründung sie sei schmutzig. Semmelweis ist zu einer Aussage gezwungen, die gelieferte Wäsche ist mit Blut und Eiter beschmutzt ; und nicht der gewissenloser Pächter büsst die weiteren Lieferungen ein. Das ist die Zeit der grössten Kämpfe um seine Lehre. Trotzdem übernimmt er die Sorgen um seine Klinik. Das beweist wieder seine Energie, Arbeitsfähigkeit und Moralität. Semmelweis nimmt auch im ungarischen ärztlichen öffentlichen Leben regen Anteil. Er kam kurz nach dem Freiheitskrieg 1848-49 in seine Heimat; das war die Zeit des kaiserlichen Absolutismus, die ersten Monate des sog. BachRegimes. Die Leiter des sog. „fortschrittlichen Flügels" der ungarischen Ärzte waren damals /. Balassa und L. Markusovszky. J. Balassa war Professor der Chirurgie, hervorragender Operateur, seine „Plastische Chirurgie" ist noch heute bedeutend. Er beschrieb als erster die konservative Behandlung der Gelenkstuberkulose [39]. L. Markusovszky war der Neubegründer des ärztlichen Unterrichtes, Spitalwesens und der medizinischen Forschungen in Ungarn. Beide waren — noch aus Wien — Freunde von Semmelweis. Diese Gesellschaft besprach beim Morgenreiten die für Ungarn notwendigen ärztlichen Reformen, zu Versammlungen nähmlich gab damals die kaiserliche Polizei kein Erlaubnis. Die ungarischen Ärzte nannten die Gesellschaft von Balassa und Markusovszky als „Faculté à cheval", und auch Semmelweis war einer der aktiven Mitglieder. War aber eine solche Mannigfaltigkeit notwendig? Zersplitterte dadurch Semmelweis nicht etwa seine Arbeitskraft? Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts erreichte in Ungarn die Heilkunde und der medizinische Unterricht noch nicht die erwünschte und erforderliche Höhe, was mit der damaligen historischen Lage des Landes verbunden war. Die grossen medizinischen Reformpläne wurden dann durch den „fortschrittlichen Flügel" der Medizinischen Fakultät verwirklicht. Das ärztliche öffentliche Leben in Ungarn konnte zu dieser Zeit die Kenntnisse, die Denkart und die moralische Ausdauer eines Semmelweis nicht entbehren. Sein Hauptmotiv war wieder Ethos und Liebe zur Wissenschaft, im Sinne des Hippokrates. Man könnte sich auch auf Pasteur berufen [18, 40]; er schrieb nämlich seinem zukünftigen Schwiegervater, dem Professor Laurent das Folgende wenn meine wissenschaftlichen Arbeiten für mich einen Namen bringen ... ich liebe aber nicht deswegen die Wissenschaft, sondern für sich selbst ..."