Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 43. (Budapest, 1967)
Tanulmányok — Közlemények - Erna Lesky: Ignaz Philipp -Semmelweis und die Wiener medizinische Schule
Habilitationsgesuche bisher bekannt war, und noch viel weniger die Vorgänge, die mit diesen Gesuchen verbunden sind. Wo aber klares Wissen fehlt, beginnt die fama üppig zu wuchern. Es ist ein bunter Strauss von Hypothesen, Vermutungen und Spekulationen, die die am 1. Oktober erfolgte Verleihung der venia für Geburtshilfe mit der Beschränkung auf Uebungen am Phantom umranken und einen Zusammenhang zwischen diesem Faktum und der wenige Tage später erfolgten plötzlichen Abreise Semmelweis' von Wien herzustellen versuchen. Am verbreitesten ist wohl jene Version: Semmelweis habe in dieser venia-Beschränkung einen neuen Bosheitsakt seiner Gegner Rosas und Klein erblickt, diese neuerliche Demütigung sei ihm unerträglich geworden, sodass er Wien den Rücken kehrte. Wie verhält sich nun die Sache wirklich? Zuerst gilt es wiederum die Beziehung zur Hochschulreform Thun-Hohensteins herzustellen. Am 30. September 1849 war sie rechtskräftig und dadurch den Fakultäten die so lang ersehnte Selbstverwaltung übertragen worden. Semmelweis' Lehrer, Carl von Rokitansky, übernahm am 1. Oktober 1849 als erster frei gewählter Dekan die Leitung des medizinischen Professorenkollegiums. Damit waren die Semmelweisfreundlichen Kräfte, die Reformisten, in der Fakultät zur Führung gekommen. Sofort begannen sie den Kampf für Semmelweis aufs neue. Bereits am 9. Februar 1850 legte Semmelweis sein Gesuch um Habilitation für Geburtshilfe vor. Der Unterricht in diesem Fach beschränkte sich damals wie heute nicht nur auf theoretische Vorlesungen, sondern wurde durch praktische Uebungen ergänzt. Diese hatten sowohl am Phantom, einer künstlichen Nachbildung der weiblichen Geburtsteile, als auch an der Leiche, dem Kadaver, Zu erfolgen. Gerade die neu erlassene Habilitationsordnung betonte diese Demonstrationen. Aber diese neue Habilitationsordnung wies eine Lücke auf. Man hatte übersehen zu bestimmen, woher Dozenten, die nicht mehr dem Verbände einer Klinik angehörten, sich dieses ihr Demonstrationsmaterial beschaffen sollten. Gerade als die Habilitation Semmelweis' im Gange war, war diese Lücke bei einem anderen Habiiitanten, dem später als Syphilisforscher bekannt gewordenen Hermann Zeissl, offenbar geworden. Das Unterrichtsministerium hat also beide Habilitationsansuchen, sowohl das Zeissls als auch das Semmelweis', zunächst zurückgewiesen.