Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 37. (Budapest, 1965)
Erich Püschel: Angeborene Gliedmassendefekte (Dysmelin) im Schrifttum des 16. und 17. Jahrhunderts
Unfälle werden als Ursache angesehen. So heißt es: „Von Mißgeburten, so etwan auf einen sonderbaren Unfall, als wenn die Mutter wäre gefallen, gestoßen worden oder sonsten etwas Widerwärtiges erlitten hätte." Ganz wichtig ist auch die Auffassung, daß Vererbung maßgeblich an der Mißbildung beteiligt ist; denn das Kapitel 11 handelt „von den Mißgeburten, so solche ihre Unform und Ungestalt von den Eltern ererbt haben". In den Kapiteln 12—16 bleibt allerdings Paré ein Sohn seiner Zeit; denn hier wird die Vermischung von Mensch und Tier und die Wirkung des Teufels besprochen, der durch seine vielfältigen Instrumente und tausendlistigen Künste Monstra und Mißgeburten zu Wege bringt. Auch die Erdmännlein und die Erdteufel, "so sich in den Bergwerken und Steinklüften verhalten", werden herangezogen. Kapitel 15—16 beschuldigen die bösen Geister, die den Menschen betrügen, und die Succubi und Incubi, die sie betören, um sich mit ihnen zu vermischen. Wir finden also hochmoderne Auffassungen wie die der Vererbung und des Unfalls mit mechanistischen als auch religiösen und zeitbedingten vermengt vor. Bemerkenswert ist der Hinweis auf die ersten 42 Tage der Schwangerschaft, in denen sich die Mutter vor Einflüssen aller Art hüten muß. Das trifft mit den heutigen Auffassungen überein; denn nach der modernen Meinung ist der 28—42. Tag für die Bildung der Extremitäten von entscheidender Bedeutung. Woher hat nun Paré diese humangenetische Erkenntnis gewonnen? Eine entsprechende Beziehung zu den 42 Tagen, in denen das Kind seine Gestalt gewinnt, findet sich in den „Opera omnia" des Hieronymus Capivaccius, Frankfurt 1609. Interessanterweise ist in seiner Schrift zu lesen, daß nach 36 + 6 Tagen = 42 Tagen der Foetus erst völlig geformt und ein Lebewesen ist. Hierin kehrt wohl noch die alte Auffassung des Corpus Hippocraticum wieder, nach der der Foetus in den ersten Tagen nichts = nicht vorhanden ist; ferner findet sich die Auffassung von Thomas von Aquin von der Sukzessivbeseelung, die auf Aristoteles beruht, wonach der Foetus erst eine Pflanzenseele hat und dann eine Tier- und später eine Menschenseele bekommt.