Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 15-16. (Budapest, 1959)
Dr. Réti Endre: A hippokratészi filozófia
„Zu wünschen wäre nur, dass diese Einsicht fortschreite zu einer wirklichen Kenntnis der griechischen Philosophie." Die hippokratische Denkart greift in ihrem Ursprung Jahrhunderte zurück, bis in die Anfänge der materialistischen Philosophie der Grichen. Die Lehre eines Thaies kündet die Morgendämmerung der griechischen Demokratie im Altertum an. Die grosse Umgestaltung der Gesellschaft, die Flucht der griechischen Bevölkerung vor dem durch die Aristokratie heraufbcschwörten Elend in die Kolonien, in ein neues, weniger gebundenes Leben, das Aufblühen von Gewerbe und Handel, alldies hatte zur Ausgestaltung der materialistischen Philosophie, des „Wasser-Urelement"-Begriffes von Thaies beigetragen, ein Begriff, der gleichbedeutend ist mit der materiellen Einheit der Welt. Die hippokratische Medizinwissenschaft hat auch ihre Vorläufer. An erster Stelle seien hier Kenntnisse der Leiter der Gymnasien erwähnt, die namentlich geübte Chirurgen waren. An zweiter Stelle stand die Heilkunst der Priester, das mit Betrug und Suggestion vermengte Heilverfahren der Asklepionen. Neben diesen hat sich das Geschlecht der Asklepiaden entwickelt, eine schon mehr ernst zu nehmende, immerhin in religiöse Geheimtuerei gehüllte, hierarchisch aufgebaute und abgesonderte Aerzte-Zunft. Die wichtigste theoretische Einwirkung war jedoch von den griechischen Aaerzte-Philosophen ausgeübt worden. Thaies ist Schöpfer des Naturbegriffes, der materiellen Physis, die später in der Lehre des Hippokrates eine so bedeutsame Rolle spielen sollte, und des Begriffes vom Wasser als Urelcment. Hierin liegt wohl die Erklärung dafür, dass in den hippokratischen Texten wie Galenus annimt - „Gottheit" oft das Wasser bedeutet. Anaximandros leitet den Ursprung der Dinge aus dem Unendlichem ab, Anaximenes aus der Luft, Herakleitos aus dem Feuer. Empedokles hingegen lässt alle vier Elemente, die urzeitlichen Grundlagen der hippokratischen Lehre, dem Chaos entstammen. Der Begriff von der Bewegung in der Natur, Zumal in der Welt der Lebewesen, bei Hippokrates so bedeutsam geworden für die Erklärung des Lebens, gewann in der Hand der Aerzte-Philosophen Gestalt. Tenon und Parmenidcs sehen - ihrem künstlich verzerrten Blickfeld entsprechend - keine Bewegung und auch keine Möglichkeit für diese, für Empedokles, Leukippos und Demokritos trägt die in der Natur, in den Lebenserscheinungen wahrnehmbare Bewegung lediglich mechanischen Charakter (Baissette), während Anaxagoras einen idealistischen Begriff der Seele konstruiert, um die Bewegung zu ererklären. Der Begriff der Bewegung bei Hippokrates rührt von Herakleitos her. Die Säftelehre des Pithagoras, die Krazis Lehre usw. entstehen alle in vorhipokratischen Zeiten. Die Volksempirie hatte also schon vor Hippokrates ein mächtiges Material an medizinischen Kenntnissen angehäuft, und ebenso auch die religiöse und weltliche Heilkunst, in erster Linie die aus Quellen des