CS. SÓS ÁGNES: ZALAVÁR—KÖVECSES AUSGRABUNGEN 1976—78 . ANHANG. ISTVÁN VÖRÖS KNOCHENFUNDE / Régészeti Füzetek II/24. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 1984
VII. ANHANG
3. Die topographische Verteilung des Tierknochenmaterials Die Anhäufung der Tierknochenreste einer Siedlung kann nach zwei Hauptgesichtspunkten untersucht werden: 1., der eine ist formal, d.h. er steht mit der Struktur, der Funktion der Siedlung (des Siedlungsteils), mit ihrem aktiven - inaktiven Abschnitt in Zusammenhang; 2., der andere ist auf den Inhalt gerichtet, d.h. er hängt mit der Praxis der Herstellung von Fleischnahrung auf dem Gebiete der Siedlung (des Siedlungsteiles) bzw. mit Handwerkertätigkeit zusammen. Was die Form der Anhäufung von Knochenmaterial betrifft, so erhebt sich die Frage nach dem Ort der Anhäufung (Küchenabfallgrube, Müllgrube, Niveau, Zerstörungsschicht, Schutt, Planierung, Grab, Opferstätte usw.); dem Inhalt nach stellt sich die Frage: was für Tierknochenmaterial hat sich angehäuft (Fleischhauer-, Küchen-, Speise-, Gewerbe-, Opfertierabfälle usw.)? Selbstverständlich hängen die Erscheinungen und Tätigkeiten, die nach den beiden Gesichtspunkten untersucht wurden, miteinander zusammen, sie bestimmen, bzw. beeinflussen einander. Im 1977 erschlossenen Siedlungsteil von Kövecses ist die topographische (Tab. 1) und die anatomische (Tab. 4) Verteilung des Tierknochenmaterials ausserordentlich heterogen. Vom Tierknochenmaterial der Gräber Nr. 28 und Nr. 50 abgesehen, befinden sich in dem 1977 erschlossenen Siedlungsteil 84,76%aller Knochen in einer einzigen, in der Grube E/2. Diese Grube ist die einzige Küchenabfallgrube der sechs erschlossenen Häuser des frühmittelalterlichen Siedlungsteils! Das wird auch durch die Beobachtung wahrscheinlich gemacht, dass auf dem 1977-78 erschlossenen, 17 500 m 2 grossen Gebiet keine einzige weitere solche Küchenabfall-Müllgrube zum Vorschein kam. Es kann mit grosser Wahrscheinlichkeit angenommen werden,dass auch in der Siedlung Kövecses die Anhäufung von Tierknochen in drei Phasen erfolgt ist: I. Phase: zur Zeit, da die Siedlung noch bewohnt war, gelangten die Knochenreste der zum Mahl vorbereiteten bzw. der verzehrten Fleischnahrung in.die zur zentralen „Küchenabfallgrube" auserkorene und als solche verwendete Grube E/2. Diesen Prozess können wir die primäre Anhäufung von Küchenabfällen nennen (Vörös 1982). Diese Zeitspanne ist im Leben der Siedlung (des Siedlungsteils) der aktive Abschnitt. In den bewohnt gewesenen Häusern waren Knochen überhaupt nicht zu finden, auf dem Niveau in nur minimaler Menge. II. Phase: In den Einschüttungen von Objekten (Häusern, Gruben, Vorratsgruben usw.) vorwiegend aber auf dem Niveau der verlassenen Siedlungen (des verlassenen Siedlungsteils) häuft sich eine vom Tranchieren der Tiere oder von der verzehrten Fleischnahrung herrührende verhältnismässig geringfügige Knochenmenge an. Etwas ähnliches mag sich auch auf dem rekonstruierten Niveau von Kövecses zugetragen haben. Diesen Hergang können wir die sekundäre Anhäufung des Küchenabfalls nennen. Diese Zeitspanne ist der inaktive Abschnitt im Leben der Siedlung (des Siedlungsteils). In den oberen Teilen der früheren Küchenabfallund Müllgrube, in den Einschüttungen der Häuser, Vorratsgruben usw. findet man eine verhältnismässig geringe Zahl von Tierknochen. Hier.ist zu erwähnen, dass die im Zuge dem Wiederaufbau einer Siedlung (eines Siedlungsteiles) vorangehenden sog. Planierung angehäuften Knochen zum überwiegenden Teil dem sekundären Küchenabfall entstammen. Von der Insel Récéskut und von Vársziget ist aus einer Planierungsschichte stammenden Knochenmaterial bekannt. Wenn sich Tierknochen als primärer Küchenabfall angehäuft haben, so ergibt das einen Querschnitt der örtlichen Tierhaltungsstruktur sowie des wirtschaftlichen Ablaufs des Verbrauchs. Im Falle sekundärer Anhäufung hingegen kann man lediglich von der Zusammensetzung des Tierbestandes — ein unsicheres Bild gewinnen. III. Phase: Es gibt auch eine dritte Möglichkeit für die Anhäufung der Knochen von Nutztieren in einer Siedlung wenn in einer zerstörten Siedlung (in einem zerstörten Siedlungsteil) die Überreste geschlachteter Tiere dort zum Vorschein kommen, wo die Tiere geschlachtet oder verzehrt wurden. In solchen Fällen weisen die Knochen der tranchierten Tiere, zusammenhängende Skelett-Teile, Extremitäten und Schädel darauf hin, dass weder das Tranchieren der Tiere noch die „Lagerung" der tranchierten Teile regelrecht vor sich ging Auf der Insel Kövecses können wir eine Analogie zum bisher Gesagten nicht mit Sicherheit aufstellen. Es sind zwar zwei Tierskelctte „teilweise" zum Vorschein gekommen. Eines stammt jedoch aus einem „kultischen" Objekt (CCLVL), das andere wiederum aus einem durch späteres Nachgraben aufgewühltem Grabe (50.). (Vgl. das Kapitel (Grab- und Fundkatalog) der früheren Studie von Á.Cs.Sós). In Kövecses lagen in der „kultischen" Grube CCLVL aus dem 9. Jh. der Kopf eines jungen Rindes mit den ersten drei Halswirbeln und ein Hinterfuss (femur-patella-tibia-astrgaius-calcaneus-centrotarsale-metatarsus-2 os phalangis I.— 1 os phalangis II.) nebeneinander. Am Grund des 50. Grabes lag der Rumpf-Nackentei! eines adultus 124